Schwaches drittes Quartal
Reuters sieht keine Besserung

Der Informations- und Nachrichtenkonzern Reuters hat auch im dritten Quartal dieses Jahres die schwache Lage an den weltweiten Finanzmärkten empfindlichen zu spüren bekommen und sieht auf absehbare Zukunft keine Belebung der Geschäfte.

Reuters LONDON. Nach zum Teil deutlichen Umsatzrückgängen in den Monaten Juli bis September zeigte sich Reuters am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichtes weiter skeptisch. "Wenn wir voraus schauen, sehen wir sich verschlechternde Marktbedingungen und weitere Reduzierungen bei den Finanzdienstleistern", sagte Konzernchef Tom Glocer in London. Der Aktienkurs brach im frühen Londoner Handel um rund 18 Prozent auf 170 Pence ein.

Angesichts der desolaten Situation an den Märkten kündigte Reuters an, im zweiten Halbjahr dieses Jahres und in der ersten Hälfte 2003 mit weiteren Rückgängen der für das Kerngeschäft ausschlaggebenden regelmäßigen Einnahmen ("recurring revenue") zu rechnen. Eine Vorhersage für die Entwicklung der Gewinnmargen im kommenden Jahr sei derzeit nicht möglich. Ergebniszahlen nannte Reuters nicht. Die mehrheitlich zu dem britischen Konzern gehörende Börsenplattform Instinet hatte am Dienstagabend den dritten Quartalsverlust in Folge vorgelegt.

Kostenreduktion weiter im Fokus

Um sieben Prozent auf umgerechnet 1,35 Milliarden Euro und damit stärker als von Analysten erwartet schrumpfte bei Reuters im dritten Quartal der Konzernumsatz. In den gesamten ersten neun Monaten 2002 setzte das Unternehmen mit rund 4,3 Milliarden Euro sechs Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Die Reuters Group hatte im ersten Halbjahr ihren ersten Verlust seit dem Börsengang 1984 verbucht.

"Unsere Kunden durchstehen die härtesten Marktbedingungen seit Jahrzehnten, und die vergangenen Wochen waren von weiteren heftigen Rückschläge gezeichnet", beschrieb Chief Executive Officer Glocer das Umfeld, in dem Reuters seine Geschäfte macht. Der britische Traditionskonzern ist auf die Lieferung von Finanznachrichten- und Daten sowie Lösungen für den Wertpapierhandel spezialisiert.

Ungeachtet der Umsatzrückgänge zeigte sich Glocer zuversichtlich, die in diesem Jahr angestrebte Gewinnmarge von zwölf Prozent zu erreichen. Die Kosten müssten schneller reduziert werden, als die Umsätze abnähmen. Reuters liege derzeit bei den Einsparungen über Plan. Der seit Sommer 2001 amtierende Konzernchef hatte bereits ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt, das unter anderem den Abbau von rund 2500 Stellen vorsah.

Wenig optimistisch präsentierte sich Reuters für die kommenden Monaten. Eine Belebung der Märkte sei nicht in Sicht, im Gegenteil müsse mit weiteren Einsparungen der Kunden bei Informations-Produkten und-Dienstleistungen gerechnet werden, teilte Reuters mit. Somit werde im ersten Halbjahr 2003 mit einem Rückgang der regelmäßigen Einnahmen um sieben bis neun Prozent gerechnet. Auch die Einmalerlöse etwa aus dem Verkauf von Handelslösungen würden weiter schwanken.

"Reuters ist finanziell stark und wir machen gute Fortschritte bei der Restrukturierung unserer Geschäfte", fügte Glocer jedoch an. Das Kerngeschäft werde mit Blick auf eine langfristige Margenverbesserung verschlankt und effizienter gestaltet. Neue und verbesserte Angebote und Leistungen wie das Flaggschiff-Produkt Xtra 3000 sollen die Umsätze stützen.

Hohe Abschreibungen bei Instinet

Instinet - der einstige Gewinntreiber im Hause Reuters - verbuchte im dritten Quartal infolge hoher Abschreibungen einen Nettoverlust von 528,4 Millionen Dollar. Instinet hatte im September den Konkurrenten Island ECN übernommen. Ohne Sonderposten erzielte die elektronische Handelsplattform allerdings einen Proforma-Gewinn von 0,01 Dollar je Aktie. Der Umsatz sank um 21 Prozent auf 254,3 Million Dollar.

Instinet und Island zusammen sind nach der Nasdaq der weltweit zweitgrößte elektronische Handelsplatz von Technologieaktien. Im Zuge der Übernahme verringerte sich der Reuters-Anteil an Instinet auf etwa 62 von zuvor 83 Prozent. Der durchschnittliche Anteil am täglichen Nasdaq-Handelsaufkommen stieg im Vergleich zum Vorquartal um 40 Prozent, während das Marktvolumen insgesamt um sieben Prozent abnahm.

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