Schwachpunkte darf man ruhig zugeben
Vorstellungsgespräch: Vorbereitung ist alles

Wenn sich Bewerber auf ihr Vorstellungsgespräch vorbereiten, leisten sie sich häufig eine gefährliche Fehleinschätzung: Sie konzentrieren sich auf taktische Fragen - von den Gehaltsvorstellungen bis zu Persönlichkeitsmerkmalen, denen der Arbeitgeber womöglich auf die Spur kommen möchte. Vernachlässigt wird, wie der berufliche und persönliche Werdegang gut verkauft werden kann.

Fragen zum Berufsweg beanspruchen aber erfahrungsgemäß einen erheblichen Teil des Vorstellungsgesprächs. Und in dieser Zeit redet sich so mancher Bewerber um Kopf und Kragen.

Im Grunde ist es einfach, Fakten des Lebenslaufs vorteilhaft zu verkaufen. Fragen hierzu entstehen aufgrund erklärungsbedürftiger oder interessanter Fakten, die zum Nachhaken auffordern, etwa außergewöhnlichen Arbeitsstationen oder den berüchtigten "Lücken im Lebenslauf". Wenn Sie eine kritische Selbstanalyse vornehmen, können Sie leicht ausmachen, mit welchen Fragen Sie rechnen müssen und sich gute Antworten zurechtlegen und einprägen.

Meist gibt es ja nur wenige biographische Knackpunkte. Geschickte Bewerber bauen sogar absichtlich den einen oder anderen "fragwürdigen" Sachverhalt in den Lebenslauf ein. Kommt dann die entsprechende Frage, können sie mit einer gut vorbereiteten Antwort glänzen.

Eine Entscheidung für den Kandidaten wird dem Einsteller erleichtert, wenn Fragen zum Werdegang sicher, positiv und glaubwürdig beantwortet werden. Der Bewerber erscheint zudem um so wertvoller, je stärker der Interviewer aus den Antworten einen hohen Nutzen für die offene Position ableiten kann.

Widersprüchliche Argumentation sorgt für Unglaubwürdigkeit

Die Praxis zeigt aber immer wieder, dass Bewerber ihre Lebenslaufdaten häufig unsicher, unglaubwürdig und negativ darstellen. Unglaubwürdigkeit entsteht durch widersprüchliche Argumentation oder den Gebrauch von Vorwänden und Ausreden. Je mehr dies der Einsteller registriert, desto stärker hakt er nach. Der Bewerber wird dann zusehends unsicher oder aggressiver und verliert.

Negativ kommt es an, wenn der Bewerber seine Arbeitgeber, Ausbildungstätten, Vorgesetzte, Mitarbeiter oder Kollegen anschwärzt, um offensichtliche Schwachstellen in seinem Lebenslauf zu rechtfertigen. Es gibt sogar Bewerber, die zur Erläuterung von negativen Aspekten im Lebenslauf weit ausholen und so zum Nachhaken einladen. Wie soll ein guter Eindruck entstehen, wenn der Inhalt des Vorstellungsgesprächs hochdepressiv ist?

Gute Bewerber nutzen die Chance, ihren Werdegang im Sinne des Arbeitgebers zu verkaufen: Ein promovierter Diplom-Kaufmann bewirbt sich nach drei Jahren in der Unternehmensberatung um eine Führungsposition im technischen Einkauf eines Automobilherstellers. Er wird im Vorstellungsgespräch gefragt, weshalb er nach der Promotion neun Monate ohne Anstellung war. Der Kaufmann bringt ein nachvollziehbares Argument: "Da ich meine berufliche Zukunft in der Automobilbranche sah, habe ich freiwillig noch einige Vorlesungen im Bereich Fahrzeugtechnik an der Hochschule absolviert und bei einem Freund in der KfZ-Werkstatt mitgearbeitet."

Nutzenaussage als Sahnehäubchen

Auf diese Weise habe er sich neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch viel technisches Know-how angeeignet. Dies sei auch vorteilhaft für den Einsteller: "Wie ich Ihrer Anzeige entnehme, suchen Sie den Kaufmann mit technischem Verständnis. Aufgrund der Vorlesungen und der Praxis in der Werkstatt kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich dieses ganz klar mitbringe."

Die Nutzenaussage für den Einsteller ist das Sahnehäubchen der Antwort. Diesen Nerf treffen Bewerber aber nur, wenn sie sich intensiv über die zu besetzende Position, die Branche und die geforderten Schlüsselqualifikationen informiert haben.

Nicht bei jedem fragwürdigen Tatbestand im Lebenslauf können die Dinge derart ins Positive gewendet werden. Dann gilt: Betreiben Sie keine Schönfärberei, sondern geben Sie Schwachpunkte ganz einfach zu. Der Diplom-Kaufmann könnte antworten: "Ich war neun Monate nach meiner Promotion auf Stellensuche." Aber er hat aus seinen Fehlern gelernt: "Ich habe mich damals auf die Promotion konzentriert und erst nach deren Abschluss Bewerbungen versendet. Dadurch habe ich neun Monate verloren. Würde ich nochmals vor der gleichen Situation stehen, würde ich mich parallel zur Promotion bewerben."

Idealerweise gelingt jetzt noch ein Nutzenargument für den Einsteller: "Dennoch, ich war in der Zeit nicht tatenlos und habe einige Zeit bei VW in der PKW- Produktion gearbeitet. Diese Erfahrungen können mir in der Positon im technischen Einkauf sicherlich nicht schaden."

Vorbereitrung der Knackpunkte bringt viele Vorteile

Fazit: Eine nahezu wortwörtliche Vorbereitung biographischer Knackpunkte bringt Ihnen als Bewerber viele Vorteile: Sie verhalten sich professionell! Als vorbereiteter Bewerber erläutern Sie alle Lebenslauffakten sicher. Auf Fragen der Neugierde, unzulässige oder provokante Fragen antworten Sie pfiffig statt pikiert, konstruktiv statt destruktiv. Sie zeigen Ihren Nutzen für das Unternehmen auf!

Sie haben genau die Anforderungen des Einstellers recherchiert. Daher können Sie den Nutzen einzelner biographischer Fakten für das Unternehmen in Ihren Antworten darlegen. Bedenken werden so entkräftet.

Sie stellen Ihre Lebenslaufdaten logisch dar. Schlechte Ausreden und Vorwände vermeiden Sie. Nicht widerlegbare Schwachpunkte geben Sie zu.

Für einzelne Fakten Ihrer Biographie haben Sie allgemein akzeptierbare Begründungen parat. Sie zeigen eine positive Denkhaltung! In Ihren Antworten vermeiden Sie tiefgreifende Schicksalsschilderungen.

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