Schwäche beim Investmentbanking
Credit Suisse Group verliert den Anschluss

Die Credit Suisse Group hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Gewinn eingefahren. Vor allem das Investmentbanking der zweitgrößten Schweizer Bank riss ein tiefes Loch in die CSG-Kasse. Lediglich niedrigere Kosten sollen im laufenden Jahr neue Impulse für die Gewinnentwicklung bringen. Analysten zeigen sich skeptisch.

ef/Reuters ZÜRICH. Die Nummer Zwei hat es grundsätzlich schwer. Dies gilt besonders dann, wenn der Abstand zum Marktführer in einem Jahr noch wächst. Bei dem Schweizer Allfinanzkonzern Credit Suisse Group (CSG) hat sich der Abstand der Ertragsentwicklung zum großen nationalen Wettbewerber UBS 2001 deutlich vergrößert. Und zumindest im laufenden Jahr sind die Aussichten für eine Schließung der Lücke schlecht. Der Gewinn der CSG ist 2001 um 73 % auf 1,6 Mrd. sfr eingebrochen. Die UBS hatte dagegen den Gewinnrückgang 2001 von 36 % auf 4,97 Mrd. sfr begrenzen können. Der Resultat: Die meisten Schweizer Analysten bevorzugen derzeit die Aktien des Marktführers.

Zum laufenden Jahr äußerte sich CSG-Verwaltungsratspräsident Lukas Mühlemann zurückhaltend. Im Investmentbanking, das durch die Credit Suisse First Boston (CSFB) repräsentiert wird, geht deren Chef John J. Mack 2002 von rückläufigen Erträgen aus und auch sein Kollege Thomas Wellauer, der für Credit Suisse Financial Services (CSFS) verantwortlich ist, erwartet im laufenden Jahr nur gehaltene Erträge.

"Das erste Quartal entwickelt sich noch eher uneinheitlich", sagte CSG-Finanzchef Philip Ryan am Dienstag. Es sei bei den Einnahmen eher noch dem zweiten Halbjahr 2001 ähnlich. Das vierte Quartal schloss die CSG nach hohen Einmalaufwendungen vor allem im Investmentbanking mit einem Verlust von 830 Mill. sfr ab nach einem Verlust von knapp 300 Mill. im Quartal davor. Im Schlussquartal des Jahres 2000 hatte die Bank noch einen Gewinn von 590 Mill. sfr erzielt. "Wir dürften nun am schwächsten Punkt des Zyklus sein," sagte Ryan weiter.

Die entscheidenden Impulse für die diesjährige Ertragsrechnung sollen nach Angaben der Bank von Kostensenkungsmaßnahmen, insbesondere bei der CSFB, ausgehen, erläuterte Mühlemann. Mittelfristig rechnet aber auch die CSG wieder mit höheren Erträgen. Die Gruppe erarbeite in der Vermögensverwaltung weiterhin gute Ergebnisse, sowohl hinsichtlich Wachstum wie auch Profitabilität. So vertrauten Kunden dem Konzern im Berichtsjahr zusätzliche Gelder von netto 66,4 Mrd. sfr an. Zum Jahresende lagen die von der CSG und ihren Töchtern weltweit betreuten Vermögen mit 1,43 Bill. sfr um 2,4 % über dem Stand von Ende 2000, eine im Branchenvergleich gute Entwicklung angesichts der Börsenbaisse.

Dieses lukrative Geschäft wird von der CSG konsequent weiter ausgebaut. Dabei zielt der Konzern über die Schweiz oder andere Steueroasen hinaus. Nach Italien gilt die besondere Aufmerksamkeit jetzt Deutschland und Spanien. In den Auf- und Ausbau dieser Märkte hat Credit Suisse im Berichtsjahr kräftig investiert. Mühlemann hält den organischen Aufbau auf Grund der für spezialisierte Institute bezahlten Preise für aussichtsreicher als Akquisitionen. Die Rentabilitätsschwelle werde nach etwa vier Jahren erreicht, erklärte Mühlemann.

Die CSFB konnte im Berichtsjahr ihre Marktpositionen zwar behaupten, aber Sonderfaktoren und Verluste, wie etwa durch Kreditengangements in Argentinien und bei Enron, führten zu einem negativen Resultat von 961 Mill. $. Mack hat im September 2001 ein Kostensenkungsprogramm von 1 Mrd. $ angekündigt. Diese Zielgröße werde übertroffen, zeigte sich Mack zuversichtlich. Der Abbau von 2 500 Mitarbeitern zwischen September und Dezember habe nicht zu einer Verringerung der Marktposition geführt, unterstrich der CSFB-Chef. 2002 dürfte sich der Personalabbau in Anbetracht der Marktaussichten fortsetzen.

Anstelle einer Dividende sollen die Aktionäre für 2001 eine (steuerfreie) Nennwertrückzahlung von 2 sfr pro Aktie erhalten. Die Aktien haben künftig dann einen Nominalwert von einem Franken. Die CSG-Aktien brachen gestern Nachmittag um 3,5 % ein. Michel Auch, Analyst bei der Bank Ferrier Lullin, interpretierte das gestrige Kursminus als direktes Resultat der vom Markt nicht erwarteten vorsichtigen Beurteilung des laufenden Geschäftsjahres. Susanne Walther von der Genfer Privatbank Bordier & Cie. empfindet vor allem den Zeitraum, den die Restrukturierung der Investmentbank in Anspruch nimmt, als sehr lang. Sie rechnet damit, dass die CSFB noch zwei bis drei Jahre braucht, bis sie die durchschnittliche Ertragskraft der Branche erreicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%