Schwäche der IT-Unternehmen trifft Branche besonders hart – Kunden aus der Industrie stützen das Geschäft
Personalberater suchen den Anschluss

Die schwache Nachfrage nach Consulting-Leistungen hat die Personalberater besonders getroffen. Nach dem Boom der Vorjahre brach der Umsatz der Branche 2001 ein. Führungskräfte suchen die großen Unternehmen zur Zeit allenfalls für ihre Top-Etagen. Ein spürbarer Umschwung ist erst im kommenden Jahr in Sicht.

DÜSSELDORF. Ein Blick in die Stellenanzeigen überregionaler Zeitungen genügt, um die Misere der Personalberater zu erahnen: Die fetten Jahre sind für die Branche vorbei. "Die stagnierende Weltwirtschaft und die Unsicherheiten in den Unternehmen haben die Bereitschaft, zu investieren und neue Fach- und Führungskräfte einzustellen, deutlich sinken lassen", sagte Joachim Staude, Vize-Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) am Dienstag am Rande des Personalberatertages in Königswinter. Auch im laufenden Jahr seien Arbeitsplatzabbau und Einstellungsstopps noch an der Tagesordnung.

Die Folge: Der Umsatz der Personalberater in Deutschland brach 2001 um mehr als 10 % auf unter 1,2 Mrd. Euro ein. In den Jahren zuvor war die Branche getrieben von der guten Wirtschaftslage, dem Börsenboom und dem hohen Personalbedarf der Start-ups regelmäßig mit einer zweistelligen Rate gewachsen - im Schnitt der letzten zehn Jahre um gut 16 %. Für 2002 erwartet der BDU "eine weiter stagnierende bis leicht rückläufige Branchenkonjunktur". Mit einer Belebung des Geschäfts rechnet der Verband, der 16 000 Unternehmens- und Personalberater vertritt, erst für das erste Quartal 2003.

Die pessimistischen Prognosen des Verbandes bestätigen auch führende deutsche Personalberatungshäuser. "Die Kunden schauen nach wie vor bei jeder Entscheidung auf die Kosten und ziehen bei Personalfragen oft eine interne Lösung vor", sagte Jochen Kienbaum, Chef des am Honorarumsatz gemessen größten Unternehmens der Branche, dem Handelsblatt. Inzwischen sei aber ein "leichter Rückenwind" spürbar, die Talsohle werde offenbar durchschritten. "Die Branche hofft auf den Herbst", sagte Kienbaum. Kienbaum selbst hat in den ersten Monaten des Jahres verglichen mit dem Vorjahr leicht an Umsatz eingebüßt, will aber im Gesamtjahr das Vorjahresniveau erreichen.

"Das Geschäft ist von Zurückhaltung und Unsicherheit geprägt", sagte auch Wilhelm Friedrich Boyens, Geschäftsführer von Egon Zehnder International, dem Handelsblatt. Die Unternehmen seien zur Zeit eben sehr sparsam und überlegten sich zweimal, ob sie jemanden einstellen. Auch Zehnder rechnet nach deutlichen Wachstumsraten in den Vorjahren für 2002 mit einem Umsatz auf Vorjahreshöhe. Wann der Markt wieder anspringe, liege im "Gebiet der Spekulation".

Die Personalberatungsbranche, die sich auf die Suche und Auswahl von Führungskräften und die Personalentwicklung spezialisiert hat, ist damit von der gedämpften Stimmung im deutschen Consulting-Markt besonders betroffen. Der Gesamtmarkt wuchs 2001 zwar deutlich langsamer als in den Jahren zuvor, verbuchte aber immerhin noch ein Umsatzplus von 5,5 % auf 12,9 Mrd. Euro. Die Sparten Organisations- und Strategieberatung, die sich mit Umstrukturierungsfragen und der strategischen Ausrichtung von Unternehmen befassen, konnten von der Konjunkturkrise sogar in Teilen profitieren und wuchsen noch mit zweistelligen Raten. Selbst bei den von der Krise bei High-Tech- und Telekommunikation gebeutelten IT-Beratern fiel das Minus mit 5,7 % vergleichsweise bescheiden aus.

Besonders betroffen seien die Personalberater, die sich auf Kunden aus dem Neuen Markt gestürzt hätten, Spezialisten für High-Tech und Internet eingestellt hätten und zum Teil selbst Internet-Firmen gegründet hätten, erläuterte Wilhelm Friedrich Boyens. "So mancher Berater hat hier einen Reinfall erlebt". Im Gegenzug seien die Kunden aus den klassischen Industrien häufig vernachlässigt worden.

Dabei kommen die Impulse jetzt aus den exportorientierten Traditionsbranchen: Automobil, Autozulieferer, Chemie und Maschinenbau suchen am ehesten nach Führungskräften. Aber auch mit den Bereichen Pharma, Biotechnik und der Gesundheitssektor läuft das Geschäft ordentlich. Dabei stellt der Mittelstand nach Einschätzung des BDU deutlich großzügiger ein als Großkonzerne.

Schlecht läuft das Beratungsgeschäft dagegen nicht nur mit IT- und Telekommunikationsunternehmen, sondern auch mit der Finanzbranche, Handel, Konsumgüterindustrie und den Dienstleistern.

Einziger Lichtblick: Führungskräfte für die oberste Ebene suchen die Konzerne nach wie vor. "Im Top-Management-Bereich werden die Positionen gerade in Krisenzeiten oft neu besetzt", sagte Jochen Kienbaum. So müsse auch im Sporte ja zunächst der Trainer gehen. Denn gerade im Abschwung seien neue Visionen und Strategien gefragt.

Quelle: Handelsblatt

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