Schwäche der Schweizer Franken zog Gemeinschaftswährung nach unten
Euro weitet Kursverluste bis zum Abend aus

Der Euro hat am Montagnachmittag weiter an Boden verloren und bis zum Abend nahe seines Tagestiefs knapp über 0,94 $ tendiert.

Reuters FRANKFURT. Unerwartet schlecht ausgefallene deutsche Einzelhandelsumsätze hatten die Gemeinschaftswährung am Morgen bereits deutlich abgeschwächt. Später sei der Euro dann von der Schwäche des Schweizer Franken zum Dollar mit nach unten gezogen worden, sagten Händler. Damit sei der jüngste Aufwärtstrend des Euro jedoch nicht gebrochen. "Auf lange Sicht wird sich der Euro wieder nach oben bewegen", sagte ein US-Händler. Der Yen geriet wegen des Konjunkturpessimismus in Japan erneut stark unter Druck.

Gegen 19.30 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,9414/19 $ etwa einen Cent schwächer als am vergangenen Freitag und knapp unter seinem von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittag in Frankfurt ermittelten Euro-Referenzkurs von 0,9428 $. Ein US-Dollar kostete damit 2,0744 DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro-Referenzkurs mit 111,92 Yen festgestellt.

Am Montagmorgen hatten zunächst die schwächer als erwartet ausgefallenen deutschen Einzelhandelsumsätze für November den Euro um mehr als einen halben US-Cent bis auf 0,9430 $ gedrückt. Die Umsätze stiegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November im Jahresvergleich um real 0,5 % und nominal 2,2 % zum Vorjahr. Im Monatsvergleich setzte der Einzelhandel nominal 1,0 % und real 1,3 % weniger um. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen mit einem Anstieg von real 0,7 % gerechnet.

Das Abrutschen des Schweizer Franken zum $ habe den Euro im Tagesverlauf zusätzlich belastet, sagten Händler. Der Franken fiel am Montag mit 1,6181 $ zur US-Devise auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Händler führten dies auf einen Bericht des "Wall Street Journal" (Montagsausgabe) zurück, wonach der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé kurz vor der Übernahme des amerikanischen Konzerns Ralston Purina stehe. Nestlé wollte den Bericht zwar nicht kommentieren, am Markt wurde Händlern zufolge jedoch spekuliert, das Unternehmen werde für eine solche Übernahme $ gegen Franken kaufe.

Der Verkaufsdruck auf den Franken wirkte sich Händlern zufolge insbesondere wegen der feiertagsbedingten dünnen Umsätze am US-Devisenmarkt aus. In den USA waren die Finanzmärkte am Martin-Luther-King-Feiertag geschlossen. Erst die am Mittwoch anstehenden US-Daten zu Industrieproduktion und Verbraucherpreisen im Dezember werden nach Einschätzung von Analysten wieder etwas Bewegung in den Markt bringen. Bei der Industrieproduktion erwarten Volkswirte einen Rückgang um 0,5 %, bei den Verbraucherpreisen einen Anstieg von 0,2 %. "Sollte die Industrieproduktion den genannten Erwartungen entsprechen und der Teuerungsanstieg nur einen Tick höher ausfallen, wäre dies hinsichtlich der Fed-Zinsentscheidung am 31. Januar sicher eine unangenehme Mischung und eindeutig negativ für den US-Dollar", heißt es in einem Marktkommentar der HypoVereinsbank. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für Euro-Kursgewinne zur Wochenmitte wieder.

Die US-Notenbank Fed wird Ende Januar zu ihrer ersten planmäßigen geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr zusammentreffen. Anfang Januar hatten die US-Währungshüter die Leitzinsen überraschend um 50 Basispunkte gesenkt, um einer beschleunigten Abkühlung der US-Konjunktur entgegenzuwirken. Der Yen blieb am Montag weiter unter Druck wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten in Japan, den schwachen Aktienmärkten und der damit verbundenen Sorge um eine Bankenkrise. "Der Abwärtsdruck auf den Yen steigt. Äußerungen von japanischen Regierungsvertretern haben die Tür für weitere Verkäufe geöffnet", sagte Jermey Hawkins, Chefvolkswirt der Bank of America. Am Sonntag hatte Japans Finanzminister Kiichi Miyazawa erklärt, die jüngsten Kursverluste des Yen seien kein Grund zur Sorge. Gegen den $ fiel die japanische Währung mit 119,32 Yen auf den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren.

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