Schwäche von Infineon belastet Gesamtkonzern – Aktie mit Verlust – Konzernchef betont eigene Stärken
Chiptochter verdirbt Siemens das Geschäft

Nur einen Tag nach dem Börsendebüt in New York rückt Siemens mit den schlechten Nachrichten heraus: Der Konzern muss auf Grund der schleppenden Geschäfte seiner Tochter Infineon die bisherigen Prognosen zurücknehmen. Vorstandschef von Pierer betonte aber, dass Siemens ohne die Chiptochter auf Kurs sei.

NEW YORK. Siemens kann die bisherigen Prognosen nicht mehr halten. Denn die Schwäche auf den Halbleitermärkten macht sich bei der Chiptochter Infineon deutlich bemerkbar. Konzernchef Heinrich von Pierer machte gestern in New York aber deutlich, dass sich der Konzern ohne die Einbeziehung Infineons weiterhin im Zielkorridor befinde. Daher könne von einer Gewinnwarnung nicht die Rede sein. "Das ist die positive Nachricht", sagte von Pierer.

Die Börse sah das anders und reihte die Siemens-Botschaft in die Serie schlechter Nachrichten aus der Technologiebranche ein. Schließlich hatte Siemens-Konkurrent Ericsson erst 24 Stunden zuvor seine Gewinnziele nach unten korrigieren müssen, was einen erneuten Absturz der Börsen in der ganzen Welt zur Folge hatte.

Am Dienstag rutschte die Siemens-Aktie schlagartig ins Minus und verlor über 5 %. Am Abend lag der Wert noch gut 2 % im Minus. Analysten bekräftigten, dass die Äußerungen von Pierers als Gewinnwarnung auslegbar seien. Bisher hatte Siemens für das Geschäftsjahr 2000/01 (30.9.) ein zweistelliges Wachstum bei Auftragseingang und Umsatz prognostiziert. Das Wachstum des Konzerngewinn nach Steuern sollte darüber liegen.

Diese Aussage gelte jetzt nur noch für Siemens ohne Infineon, sagte von Pierer. Infineon gehört noch zu 71 % zum Konzern und leidet derzeit insbesondere unter dem Preisverfall bei Speicherchips und der Abkühlung der Handy-Konjunktur. In 1999/2000 erwirtschaftete Infineon noch einen beträchtlichen Anteil des Siemens-Gewinns.

Heinz-Joachim Neubürger, Finanzvorstand bei Siemens, sagte, die Märkte hätten die Gewinnerwartungen für Infineon bereits zurückgenommen. "Es gibt bei Infineon keine offizielle Gewinnprognose, deshalb gibt es auch keine Gewinnwarnung", fügte von Pierer an. Eine Infineon-Sprecherin bekräftige gestern, es würden auch künftig keine Vorhersagen abgegeben.

Tatsächlich zeigte sich die Infineon-Aktie gestern stabil, nach einem Dreh ins Minus lag sie am frühen Abend mit gut zwei Prozent im Plus. Offenbar waren die Märkte auf die schlechte Nachricht vorbereitet; bereits Ende Januar hatte Infineon darauf hingewiesen, dass sich das Geschäft abkühlen werde. Infineon-Chef Ulrich Schumacher erwartete bisher ab dem zweiten Quartal 2001 eine Erholung.

Konzernchef von Pierer verwies auf die Stärken, die Siemens dank des gründlichen Konzernumbaus gewonnen habe. Durch die zunehmende Differenzierung sei der Konzern insgesamt von Branchenkonjunkturen weniger abhängig als früher. So könnten gute Geschäfte der einen Sparte die Probleme in anderen Bereichen kompensieren. Positiv entwickeln sich nach Angaben von Pierers derzeit die Energieerzeugung, Licht, Automatisierung und Medizintechnik. Die Nachfrage nach Gasturbinen boome derzeit. Auch die weltweite Präsenz sei ein Vorteil, meinte von Pierer mit Blick auf die trüben Aussichten in den USA.

Belastend wirkt dagegen die Schwäche auf den Handy-Märkten. Von Pierer rechnet für 2001 mit einem weltweiten Absatz von höchstens 450 Mill. Mobilfunkgeräten. Zuvor war in der Branche noch von rund 500 Mill. verkauften Handys die Rede. Siemens ist derzeit hinter Nokia die Nummer zwei bei Mobiltelefonen in Europa. Mit dem Infrastrukturgeschäft im Mobilfunk zeigte sich von Pierer dagegen zufrieden. Hier hatte zuletzt auch Konkurrent Ericsson Probleme. Der Aufbau des UMTS-Netzes laufe wie geplant. Derzeit habe Siemens 16 Vorverträge für UMTS-Netze geschlossen. Die ersten Testinstallationen auf der Isle of Man und in Monaco würden realisiert.

Einen Tag nach dem Börsengang an der Wall Street starteten von Pierer und Neubürger gestern in den USA zu einer Road-Show bei Investoren und Analysten. Mit einer genauen Prognose für 2000/01 wird spätestens Ende April bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gerechnet.

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