Schwächere Wall Street schaffte Druck
Europabörsen auf Konsolidierungskurs

Die europäischen Aktienmärkte sind am Dienstag nach den markanten Vortagesgewinnen auf einen Konsolidierungskurs eingeschwenkt und haben meist schwächer geschlossen. Der DJ Stoxx50-Index verlor rund ein Prozent auf 2720 Zähler.

Händler machten mehrere Faktoren geltend. Einerseits hätten die Investoren nach dem Kursfeuerwerk vom Montag ein Pause eingelegt und ihre Gewinn teilweise mitgenommen. Andererseits setzten die schwächer startende Wall Street sowie die enttäuschenden Daten zum US-Verbrauchervertrauen im Juli die Aktienmärkte unter Druck. Der Index des Konsumvertrauens sank auf 97,1 Punkte von 106,4 Punkten im Juni. Dies war der tiefste Stand seit Februar. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 101,9 Zähler prognostiziert. Und auch die sich möglicherweise zuspitzende Finanzkrise in Brasilien belastete.

Die Liste der Verlierer führten Versicherer und Finanzwerte an. Die Titel der britischen Aviva büssten 5,5 Prozent ein. Die Aktien der deutschen Allianz verloren ein Prozent und Zurich Financial sackten um 7,3 Prozent ab. Fester tendierten wegen des steigenden Rohölpreises Versorgerwerte. Meist gesucht waren auch Aktien von Unternehmen der Grundstoffindustrie.

LONDON - Die Londoner Aktienbörse schloss im Sog einer nachgebenden Wall Street und belastet von enttäuschend ausgefallenen Daten zum US-Verbrauchervertrauen im Juli schwächer. Der FTSE100-Index legte 0,5 Prozent auf 4180,9 Punkte zu. Händler sprachen im Hinblick auf die Kursrally an den letzten Handelstagen von einer Konsolidierung. Als Kurstreiber nach unten erwiesen sich insbesondere Banken- und Pharmawerte. Royal Bank of Scotland ermässigten sich um 2,7, Barclays um 3,3 Prozent. AstraZeneca und GlaxoSmithKline büssten rund drei und 0,6 Prozent ein. Anglo American legten dagegen 2,8 Prozent zu. Händler verwiesen auf positive Kommentare von der De Beers-Spitze. De Beers trägt einen bedeutenden Teil zum Gewinn von Anglo American bei. British American Tabacco stiegen nach einem soliden Zwischenergebnis drei Prozent. BP gewannen in Folge eines gut aufgenommenen Halbjahresausweises 0,5 Prozent.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien schlossen nach anfänglichen Gewinnen mehrheitlich schwächer. Händler sprachen von einer Atempause und Gewinnmitnahmen, nachdem sich der Markt seit dem Ausverkauf am vergangenen Mittwoch wieder um rund 20 Prozent habe erholen können. Der Blue-Chips-Index SMI schloss um 1,1 Prozent tiefer bei 5215,4 Zählern. Händler sagten, vor allem die Werte, die sich nach der jüngsten Abgabewelle am meisten erholten hätten, litten nun auch unter Gewinnmitnahmen. Dazu gehörten insbesondere Finanzwerte wie Zurich, Rentenanstalt oder Baloise. Rückversicherungswert Converium setzte den Anstieg hingegen um gut fünf Prozent fort. Nestle fielen 2,4 Prozent, Roche waren ebenso wie Novartis rund ein halbes Prozent fester. Die Chemiewerte, ABB und Unaxis litten ebenfalls unter Gewinnmitnahmen.

PARIS - An der Pariser Börse schloss der CAC-40-Index 0,5 Prozent schwächer auf 3379,85 Punkte. Unter Druck standen die Papiere des Medienriesen Vivendi Universal, die rund fünf Prozent nachgaben. Händler sprachen im Hinblick auf das Kursplus vom Vortag von Gewinnmitnahmen. Lagardere büssten nach einer Herunterstufung durch Morgan Stanley 4,7 Prozent ein. Als Lichtblick erwiesen sich dagegen TotalFinalElf, die 1,6 Prozent zulegten. Händler verwiesen dabei auf die gestiegenen Rohölpreise, positive Kommentare von Goldman Sachs und das solide Ergebnis des europäischen Branchenführers BP. Gefragt waren auch Michelin, die vier Prozent kletterten. Der Reifenhersteller hatte die Gewinnmarge-Prognose für das Gesamtjahr 2002 nach oben korrigiert.

BENELUX - Die Aktienmärkte der Niederlande und Belgiens schlossen uneinheitlich. Während der Amsterdamer AEX-Index 1,6 Prozent auf 355,92 Zähler einbüsste, gewann der Bel20-Index über 0,3 auf 2251 Punkte. In Amsterdam erwiesen sich ABN AMRO als Belastung, die um über sieben Prozent einbrachen. Unter Druck standen mit einem Minus von über sechs Prozent auch Ahold. In Brüssel erwiesen sich Finanzwerte als Kursstützen. Fortis und KBC verbesserten sich um 0,7 und über zwei Prozent.

MAILAND - Der Mailänder Mib30-Index notierte mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 25.153 Zähler gut gehalten. Händler sprachen von einem volatilen Geschäft. Die Erholungstendenz sei durch Einbussen bei Bankenwerten gebremst worden, hiess es weiter. Banca Nazionale del Lavoro (BNL) und IntesaBCI büssten über sieben und 2,8 Prozent ein. Händler verwiesen dabei auf wieder aufgekommene Sorgen der Anleger über deren Lateinamerika-Geschäfte angesichts des erneuten Einbruchs der brasilianischen Währung.

MADRID - Die Börse Madrid musste kräftige Einbussen hinnehmen. Der Ibex-35-Index verlor 5,1 Prozent auf 6322,3 Punkte. Laut Händlern war neben den bekannten negativen Faktoren die anhaltende Kursschwäche der brasilianischen Währung deutlich spürbar. Die Investoren befürchteten, dass diese die Gewinne von in Brasilien tätigen spanischen Unternehmen schmälern könnte. Die Liste der Verlierer führten Santander Central Hispano (BSCH) an, die um beinahe elf Prozent einbrachen. Spaniens grösste Bank ist stark im brasilianischen Markt engagiert. BBVA verloren knapp sieben Prozent. Telefonica fielen um 8,4 Prozent.

SKANDINAVIEN - Die nordischen Aktien bauten die Vortagesgewinne angeführt von den Technologie-Schwergewichten Ericsson und Nokia aus. Der DJ Stoxx Nordic Index gewann 1,3 Prozent auf 236 Punkte. Ericsson legten 3,3 Prozent zu, Nokia verbesserten sich auf 3,2 Prozent. Zu den grössten Gewinnern gehörten die Papiere des Forstwirtschaftsunternehmens UPM-Kymmene, die nach gut aufgenommenen Quartalszahlen 4,6 Prozent stiegen.

WIEN - An der Wiener Börse konnte sich der ATX-Index mit einem Anstieg um 0,4 Prozent auf 1159,49 Zähler dem allgemeinen Abwärtstrend in Europa entziehen; allerdings hatte Wien die kräftige Aufwärtsbewegung vom Montag nicht mitgemacht. Die freundliche Tendenz beruhte insbesondere auf einer deutlich festeren OMV, während die Schwergewichte Telekom Austria und Erste Bank etwas nachgaben.

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