Schwächeres Wirtschafswachstum in der Euro-Zone
IWF-Prognosen wurden erschüttert

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in geringerem Umfang wachsen als bislang angenommen.

Reuters WASHINGTON. Bisher war der IWF von einer deutlich anziehenden Konjunktur in den zwölf Ländern der Gemeinschaftswährung ausgegangen. "Die jüngsten Entwicklungen haben diese Prognose erschüttert", teilte der IWF am Freitag in Washington in einem Bericht mit. Dazu gehörten Signale für einen nur sanften Start der Konjunkturerholung sowie die stark gefallenen Aktienkurse, die sich negativ auf die Verbrauchernachfrage auswirkten. Die Inflation in der Euro-Zone werde auf knapp unter zwei Prozent im kommenden Jahr nachgeben, hieß es weiter. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe damit noch Spielraum, bevor sie die Leitzinsen erhöhen müsse.

Grundsätzlich sieht der IWF ein zunehmendes Wachstum. "Beim Blick in die Zukunft haben aber die Unsicherheit und Abwärtsrisiken für die Konjunktur zugenommen", hieß es in dem Bericht weiter. In welchem Umfang aber nun die Prognosen nun zurückgenommen würden, teilte der IWF nicht mit. Zuletzt hatte der IWF für die Euro-Zone noch ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent in diesem Jahr und von 2,9 Prozent im kommenden Jahr prognostiziert. Erst vor wenigen Tagen senkte der IWF nach Angaben der Bundesregierung seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,8 Prozent von 0,9 Prozent in diesem Jahr sowie auf 2,3 von 2,7 Prozent für 2003.

Die drei größten Volkswirtschaften der Euro-Zone - Deutschland, Frankreich und Italien - rief der IWF auf, ihre Verpflichtungen auf einen nahezu ausgeglichenen Haushalt oder einen Etat-Überschuss bis 2004 zu erfüllen. Im Rahmen des wirtschaftlichen Umfeldes sollten die Länder allerdings flexibel reagieren, um eine einsetzende Konjunkturerholung nicht abzuwürgen.

Mit einem voraussichtlichen Rückgang der Inflation in der Euro-Zone unter die von der EZB selbst gewählte Obergrenze von zwei Prozent ist dem IWF zufolge spätestens im kommenden Jahr zu rechnen. Es gebe zwar Bedenken wegen gestiegener Inflation in einigen Regionen, aber diese Sorgen seien nicht groß. Der jüngste Kursanstieg des Euro nehme indes durch billigere Importe aus dem Dollar-Raum Inflationsdruck weg. "Der direkte Effekt dieser Entwicklungen ist ein geringerer Druck auf die Geldpolitik." Solange die Verbrauchernachfrage für eine nachhaltige Wirtschaftserholung noch nicht stark genug sei, erschienen höhere Leitzinsen erst zu einer späteren Zeit sinnvoll, hieß es weiter. Volkswirte erwarten derzeit, dass die EZB frühestens im September die Leitzinsen erhöhen wird.

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