Schwankungen vieler Aktien nehmen ab - Nervosität der Anleger bleibt hoch
Epcos bietet mehr Sicherheit als Allianz

Volatilität heißt in der Börsensprache die Schwankungsanfälligkeit der Aktienkurse. Als besonders volatil erweist sich derzeit ein ruhiges Papier - die Allianz. Ihr Wert schwankt stärker als der von Epcos.

DÜSSELDORF. Der Dax, der Deutsche Aktienindex, befindet sich auf Tiefflug. Aber wenigstens der V-Dax steigt - mit Werten über 50 erreicht er ungeahnte Spitzen. Folgt man den Anleitungen der Deutschen Börse zur Interpretation dieses Nervositäts-Indexes, dann erwarten die Marktteilnehmer zurzeit, dass innerhalb der kommenden 45 Tage der Dax um die Hälfte zulegen oder einbrechen wird. Gewonnen wird diese Erkenntnis aus den Preisen des Terminmarktes.

Ein etwas einfacheres Maß ist die Volatilität, die die Deutsche Börse für jede einzelne Aktien im Dax veröffentlicht. Sie misst keine Erwartungen, sondern gibt schlicht die Schwankungen des Kurses um seinen Mittelwert innerhalb eines bestimmten Zeitraums an - üblich sind als Basis die vergangenen 30 oder 250 Tage.

Diese Kennzahl macht messbar, was Anleger seit Wochen an den Märkten erleben: Die traditionelle Einteilung der Aktien in "defensiv", also risikoarm, und "aggressiv", also risikoreich, ist zumindest in Teilen durcheinander geraten. Den Spitzenwert bei der Volatilität hält innerhalb des Dax mit einem Wert von gut 80 zwar der Halbleiter-Hersteller Infineon, der auch traditionell zu den risikoreichen Papieren gezählt wird. Danach folgt MLP mit über 70 - hier wirkt sich der Trubel um angebliche Bilanzfälschungen aus, die die Aktie zum Absturz gebracht hat. Aber auf Platz drei liegt die Allianz mit immer noch über 70. Bei dieser Aktie ist der dramatische Rollentausch besonders gut sichtbar - aus der "defensiven" Versicherungsaktie wurde beinahe ein Zockerpapier. Der Grund ist hier, dass bei den sehr niedrigen Dax-Ständen die Kapitalanlage der Versicherer problematisch wird. Die Münchener Rück zittert mit einem Wert von 66 nicht ganz so wie die Allianz, hat aber eine etwas höhere Volatilität als der ehemals "heiße" Tech-Wert Epcos und schwankt nur wenig schwächer als die Deutsche Telekom.

Interessant ist auch, welche Aktien im Vergleich ruhiger sind, als ihrem Image entspricht. Hier fällt SAP auf. Mit einem Wert von 56 liegt der einstige Börsenstar auf gleichem Niveau wie Siemens, die Deutsche Bank, Fresenius Medical Care, Daimler Chrysler und Bayer.

Fragt man umgekehrt nach dem "sichersten" Dax-Wert, so fällt der Blick auf die Deutsche Post mit einer Volatilität von rund 30. Aber auch Linde und Schering liegen ganz am unteren Ende. Die Versorger Eon und RWE sind dagegen mit Werten um die 40 unruhiger.

Diese Volatilitäten über 30 Tage haben ihre Höhepunkte aber in der Regel schon überschritten. Die meisten Dax-Titel haben im Herbst 2001 den Rekordwert erreicht, SAP schon im Jahr 2000 mit über 100 Punkten, die Versicherer erst im August 2002, als die Allianz etwa bei 100 lag.

Dieser gegenläufige Trend wirkt auf den ersten Blick paradox: Die Schwankungen sinken schon wieder, aber der V-Dax liegt auf Rekordniveau. Aber der V-Dax misst eben die Erwartungen, nicht die tatsächlichen Schwankungen. Fazit also: Der deutsche Aktienmarkt hat sich etwas beruhigt, die Marktteilnehmer aber noch nicht.

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