Schwarze Null im Inlandsgeschäft: Auslandsgeschäft bringt Hochtief nach vorne

Schwarze Null im Inlandsgeschäft
Auslandsgeschäft bringt Hochtief nach vorne

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief will seinen Nettogewinn im laufenden Jahr kräftig steigern und hat dabei im defizitären Inlandsgeschäft zumindest die "schwarze Null" im Visier.

Reuters ESSEN. Für 2003 prognostizierte Vorstandschef Hans-Peter Keitel am Donnerstag in Essen ein prozentual zweistelliges Wachstum des Nettoergebnisses. Die Bauleistung solle "im oberen einstelligen Bereich" steigen, sagte Keitel. In den ersten beiden Monaten 2003 war diese jedoch wechselkursbedingt um zwölf Prozent zurückgegangen. Der Unternehmenschef setzt vor allem weiter auf das Auslandsgeschäft. Im Inland wolle Hochtief mindestens eine "schwarze Null" erreichen. Im vergangenen Jahr habe der Baukonzern seinen Gewinnsprung vor allem Dank seiner internationalen Ausrichtung erreicht. Für 2002 will der zum Energiekonzern RWE gehörende Bauriese eine um fünf Cent auf 0,55 ? erhöhte Dividende zahlen.

Durch das Auslandsgeschäft habe man sich vom negativen Trend der deutschen Baubranche absetzen können, begründete Keitel die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr. Mit Ausnahme der niederländischen Beteiligung Ballast Nedam hätten sich alle Unternehmensbereiche positiv entwickelt. Hochtief erbrachte im vorigen Jahr 84 % seiner Bauleistung im Ausland. Die Essener weisen für das abgelaufene Jahr einen Gewinnzuwachs vor Steuern auf 120,9 (2001: 78,4) Mill. ? aus. Der Nettogewinn erhöhte sich um satte 80 % auf 43,3 (23,9) Mill. ?. Bereits im Februar hatte Hochtief eine leicht rückläufige Bauleistung von 12,78 (Vorjahr: 12,98) Mrd. ? bekannt gegeben.

Beim Wiederaufbau des Irak könnte Hochtief zugute kommen, dass die Hochbau Turner Corp-Tochter ein US-Unternehmen ist und damit möglicherweise leichteren Zugang zu Bauaufträgen im kriegszerstörten Land bekomme, sagte Keitel. Aber auch Hochtief selbst könne auf einige Großprojekte im Irak aus den 1980-er Jahren als Referenz verweisen, etwa auf den Tigris-Staudamm bei Mossul. "Wenn wir gebraucht werden, werden wir geholt", zeigte sich der Konzernchef überzeugt.

Pessimistisch zeigte sich Keitel beim Thema Flughafen Berlin-Schönefeld. "Unsere ganze Expertise im Flughafengeschäft hat nicht gereicht für den Spagat, den die völlig unrealistischen Vorstellungen der öffentlichen Hand... verlangt hätten", sagte er. Sollte es zu einem Abbruch des Vergabeverfahrens kommen, erwarte Hochtief die Rückerstattung seiner Kosten. Insgesamt sei das Konsortium mit 60 Mill. ? in Vorleistung gegangen, worauf 26 % auf Hochtief entfielen. Größter Hochtief-Partner ist die Bonner IVG. Das Konsortium wollte den Flughafen bauen und betreiben. Streit gab es aber mit der öffentlichen Hand über die Finanzierung und die Risikoaufteilung.

Hochtief bekräftigte die Prognose, in der defizitären Sparte Construction 2003 die Gewinnschwelle zu erreichen. Im vergangenen Jahr habe sich der Verlust dieses Geschäftsbereichs bereits um 56 Mill. ? auf 105 Mill. ? vermindert. In der Sparte Construction ist das klassische Inlandsbaugeschäft zusammengefasst, zunehmend fallen aber auch europäische Aufträge in diesen Geschäftsbereich. "Wir haben heute bereits 80 % der geplanten Bauleistung in den Büchern", stellte der Konzernchef fest. Die "schwarze Null" werde sowohl vom deutschen wie auch vom europäischen Teil der Sparte erreicht.

Hochtief-Mehrheitsgesellschafter RWE führt den Baukonzern mittlerweile nur noch als Finanzbeteiligung. Im Zuge der Fokussierung auf sein Kerngeschäft Energie will sich RWE von seiner Baubeteiligung trennen. Der neue Vorstandschef Harry Roels hatte Mitte März aber erklärt, der Verkauf der großen Beteiligungen - neben Hochtief ist das noch die Mehrheit an Heidelberger Druckmaschinen - stehe angesichts der derzeit schlechten Marktbedingungen auf absehbare Zeit nicht an. Die im MDax notierte Hochtief-Aktie gewann am frühen Nachmittag knapp zwei Prozent auf 11,49 ?.

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