Schwarze Schafe sind die Ausnahme
Das negative Bild vom Neuen Markt ist unberechtigt

Mangelnde Qualität bei Neuemissionen und Ad-hoc-Meldungen werden als Werbeinstrument missbraucht, hochfliegende Prognosen werden innerhalb von Monaten zu Makulatur: Der Neue Markt kommt nicht aus den Negativschlagzeilen.

Vorläufiger Höhepunkt war in dieser Woche die Korrektur der Erwartungen beim Augsburger Softwareanbieter Infomatec, der seine Umsatzprognose schlicht halbierte und statt der angekündigten Gewinne eine zweistellige Millionensumme an Verlusten ausweisen wird. Da wundert es nicht, wenn Anleger kriminelle Energie vermuten. Schließlich hatte Infomatec kürzlich eingeräumt, die Investoren mit missverständlichen Meldungen getäuscht zu haben. Nun soll es ein neuer Vorstand richten - auch dies kein Einzelfall. Immer öfter müssen Unternehmensgründer - häufig Techniker - ihren Stuhl räumen und Finanzexperten Platz machen. Diese packen nach dem Vorbild von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp sämtliche Unwägbarkeiten in das Bilanzjahr ihres Amtsantritts. Das lässt ihre persönliche Bilanz auf mittlere Sicht besser aussehen, bringt aber den Gesamtmarkt in Verruf.

Zu Unrecht: Denn die meisten Firmen an der Wachstumsbörse arbeiten solide. Dass sich dennoch die Fälle revidierter Prognosen häufen, ändert daran nichts. Schließlich beruhen die Revisionen höchst selten auf Vorsatz. Dass sie am Neuen Markt häufiger sind als sonstwo, liegt in der Natur der Sache. Das Segment wurde kreiert für wachstumsstarke innovative Firmen. Diese bewegen sich in Branchen mit rasantem technologischen Wandel und auf jungen, dynamischen Märkten - Prognosen sind da schwierig. Der Börsengang versetzt viele Firmen erst in die Lage, auf diesen Märkten Erfolg zu haben.

Dass dabei der Zeitpunkt des Going Public immer häufiger in eine Phase fällt, die bislang Risikokapitalgesellschaften vorbehalten war, selbst das hat in den wenigsten Fällen etwas mit übereifriger Geschäftigkeit von Emissionsbanken zu tun. Der eigentliche Grund ist: Die Summen, die nötig sind, um mit der Schlagzahl auf den Märkten mithalten zu können, werden zunehmend höher. Sie sind nur über die Börse zu erhalten. Natürlich steigt gleichzeitig das Risiko für Anleger, wenn statt eines bewährten Unternehmens ein fortgeschrittenes Geschäftsmodell an die Börse geht.

Doch es steigen eben auch die Chancen. Genau diese Chancen sind es, die den Neuen Markt so populär gemacht haben. Schließlich liegen die dort notierten Papiere auch nach dem Einbruch der letzten Monate im Schnitt noch mehr als ein Drittel über dem Niveau zu Jahresanfang. Einzelfälle wie Infomatec wird es auch in Zukunft geben. Wenn dahinter kriminelle Machenschaften stehen, müssen die Verantwortlichen bestraft werden. Doch schwarze Schafe dürfen nicht den Blick darauf verstellen, dass der Neue Markt für den Wirtschaftsstandort ein Glücksfall ist - und für die Mehrzahl der Anleger übrigens auch.

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