Schwarze Zahlen im Geschäftsjahr 2002: Vorsicht zahlt sich für Helaba aus

Schwarze Zahlen im Geschäftsjahr 2002
Vorsicht zahlt sich für Helaba aus

Nicht nur die privaten Großbanken, sondern auch die Landesbanken leiden unter hohen Kreditausfällen und einer Ertragsflaute. Zu den Ausnahmen zählt die Landesbank Hessen-Thüringen. Vorstandschef Günther Merl setzt auf engen Verbund mit den Sparkassen, um die Ertragslage weiter zu verbessern.

FRANKFURT/M. Die Landesbanken werden zurzeit schwer gebeutelt. Die unerwartet hohe Risikovorsorge verhagelt ihnen die Bilanz, in vielen Fällen drohen rote Zahlen. Doch es gibt auch Lichtblicke. Dazu gehört die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba).

Wie ihr Vorstandsvorsitzender, Günther Merl, bereits vor der Bilanzpressekonferenz am 19. März deutlich macht, schreibt die Helaba auch für das Geschäftsjahr 2002 schwarze Zahlen. "Das operative Ergebnis reicht aus, die notwendige Risikovorsorge abzudecken. Wir haben sogar mehr verdient", sagt Merl. Er räumt aber auch ein, dass der Vorsorgebedarf gestiegen ist. Trotzdem: "Wir müssen keine stillen Reserven auflösen, sondern können sie in erheblichem Umfang aufbauen", sagt der Helaba-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf der Kostenseite müsse jedoch noch gearbeitet werden. In einem Brief an die Mitarbeiter räumte Merl jüngst ein, dass die Personal- und Sachkosten in 2002 über dem geplanten Zuwachs von 5 % gelegen haben.

Auch die Commerzbank Securities sieht die Helaba im Vorteil: "Ohne staatliche Garantien steht die Helaba immer noch besser da als einige der anderen Landesbanken", meint Analystin Beate Münstermann. Hauptgrund sei das breit gestreute Kreditportfolio, das lediglich mit dem Problemfall Authentos (ehemalige Bundesdruckerei) ein größeres Einzelrisiko habe. Jedoch gehen Branchenbeobachter davon aus, dass dieser Kredit im Volumen von rund 500 Mill. Euro lediglich einen Wertberichtigungsbedarf zwischen 40 und 50 Mill. Euro verursachen wird.

Mit ihrer insgesamt positiven Bilanz steht die Helaba in krassem Gegensatz zur Bayerischen Landesbank. Die zweitgrößte Landesbank ist 2002 operativ in die roten Zahlen gerutscht, weil die Risikovorsorge drastisch auf 2 Mrd. Euro angehoben werden musste. Davon dürfte die Hälfte auf das Kreditengagement bei der insolventen Mediengruppe Kirch entfallen. Nicht viel besser sieht es bei der Westdeutschen Landesbank aus, der größten unter den Spitzeninstituten im Sparkassensektor. Hier haben Engagements bei Babcock, Enron und Klöckner tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen.

Für die Helaba zahlt es sich aus, dass sie nach der Fast-Pleite in den siebziger Jahren ihr Risikomanagement verbessert hat. Ehrgeizige Expansionspläne hatten damals die Landesbank in Schwierigkeiten gebracht. Insbesondere riskante Bauprojekte machten ihr 1973 zu schaffen. Seitdem steht Vorsicht im Vordergrund. 1995 wurde beispielsweise entschieden, im Ausland keine "Null-Acht-Fünfzehn Firmenkredite" mehr zu vergeben. In den Boomjahren machte die Zurückhaltung dem Institut zu schaffen, weil seine Ertragsstärke laut Merl weniger als die der Konkurrenz vom Aufschwung profitierte. Heute aber sieht er sich in der Geschäftsstrategie bestätigt.

Für die Zeit nach dem Wegfall der staatlichen Garantien im Jahr 2005 sieht sich der Vorstandschef gut gerüstet. Voraussetzung sei, dass das neue Verbundkonzept mit den Sparkassen hält, was es verspricht. Durch eine enge Verzahnung von Sparkassen und Landesbank sollen die Ertragskraft erhöht und das Risikomanagement weiter verbessert werden. Außerdem setzt Merl auf eine günstige Refinanzierung durch gute Bonität.

Eine Alternative gibt es für ihn nicht: "Bei der Fusion mit einer anderen Landesbank bräuchten wir vier bis fünf Jahre, um die Synergien zu heben, die zu einer deutlichen Ergebnisverbesserung und damit zu einem attraktiven Rating führen würden. Auch ein vertikales Zusammengehen mit Sparkassen scheidet aus." Das sieht auch Analystin Münstermann so: "Die diskutierten Modelle für eine vertikale Fusion der Helaba mit beispielsweise der Frankfurter Sparkasse sind derzeit nicht mehr aktuell. Mit dem Verbundkonzept hat man sich den politischen Realitäten gebeugt."

Trotz der guten Zwischenbilanz sieht Merl noch Hindernisse, die überwunden werden müssen, bevor das Verbundkonzept klappt. "Wir müssen uns von einem Produktlieferanten zu einer umfassenden Dienstleistungsplattform für alle Sparkassen in Hessen und Thüringen entwickeln", spricht der Landesbank-Chef Klartext. Ein Beispiel: Bei der Entwicklung neuer Internetanwendungen muss sichergestellt werden, dass die Sparkassen diese auch abnehmen. Merl hofft, dass der Verbundausschuss zu schnellen Entscheidungen führt und die neuen Produkte auch von den meisten Sparkassen übernommen werden. "Die Verbundquote liegt über alle Produkte hinweg aktuell bei 60 bis 70 %. Das sollte noch steigerungsfähig sein", urteilt Merl. Künftig brauche die Helaba einen noch größeren Grad an Investitionssicherheit: "Natürlich muss die Helaba Kostendeckung anstreben. Aber als wirtschaftliche Einheit gemäß Verbundkonzept ist es nicht mehr entscheidend, ob der Aufwand bei der Helaba oder der Sparkasse anfällt."

Auch beim geplanten Risikoausschuss, der als Frühwarnsystem bei Kreditengagements arbeiten soll, gibt es noch einiges zu tun. Die Zusammensetzung des Ausschusses sei noch nicht endgültig festgezurrt. Gleichwohl macht Merl bereits jetzt deutlich, dass die Bank ihre Interessen auch weiterhin berücksichtigt wissen will.

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