Schwarzer Mittwoch für die Börse in Tokio
Nikkei-Index fällt unter die Marke von 15 000 Punkten

Im Sog der anhaltenden Nasdaq-Schwäche in den USA ist am Mittwoch in Tokio der Nikkei-Index erstmals seit März 1999 wieder unter die Marke von 15 000 Punkten gefallen. Werte der Elektronik- und IT-Branchen standen erneut im Zentrum der panikartigen Abgaben von Händlern und Privatanlegern.

ga TOKIO. Im Sog der anhaltenden Nasdaq-Schwäche in den USA ist am Mittwoch in Tokio der Nikkei-Index erstmals seit März 1999 wieder unter die Marke von 15 000 Punkten gefallen. Werte der Elektronik- und IT-Branchen standen erneut im Zentrum der panikartigen Abgaben von Händlern und Privatanlegern. Nachdem der Index zeitweilig um über 500 Punkte gefallen war, schloss er bei einem Wert von gut 14 872 Punkten um 467 Punkte oder 3 % unter dem Vortagsniveau. Die Gelder flossen an den Rentenmarkt, wo das Renditeniveau der Standard-Staatsanleihe um 3 Basispunkte auf 1,79 % p.a. nachgab.

Der Nikkei-Index hat damit im Vergleich zum diesjährigen Höchstwert am 12. April fast ein Drittel seiner Punkte verloren. Japanische Brokerhäuser halten einen weiteren Sturz des Indexes bis an die Marke von 14 500 Punkten für möglich, da gegenwärtig noch kein Ende der Kurskorrekturen in den USA in Sicht sei. So prognostiziert Ryoji Musha, Japanese Equity Strategist von der Deutschen Securities in Tokio, für den Dow Jones-Index einen Sturz auf 8 000 bis 9 000 Punkte und für den Nasdaq-Index auf 2 500 bis 3 000 Punkte.

IT- und Elektronikwerte gaben stark ab

Besonders IT- und Elektronikwerte waren von den Kursverlusten in Tokio betroffen. Unternehmen wie NTT (minus 4,5 %), Nikon (minus 7,6 %), Sony (minus 4 %) und die führenden Elektrokonzerne Toshiba , NEC , Fujitsu sowie Sharp , Fanuc und Kyocera kamen unter massiven Abgabedruck. Mit 11,5 % verzeichnete Advantest, ein Hersteller von Halbleiterproduktionstechnik, den größten Kursverlust. Demgegenüber konnten Mitsubishi Motors (plus 6,2 %) und Nissan Chem. Ind. (plus 2,5 %) zulegen.

Neben externen Faktoren wie die anhaltende Kursniveaukorrektur in den USA, dem Ölpreisanstieg, die Krise im Nahen Osten sowie die Ertragsbelastungen für Japans Exportwirtschaft durch die Euro-Schwäche, wurde der Aktienmarkt in Tokio am Mittwoch auch durch interne Entwicklungen beeinträchtigt.

Fondsverkäufe belasten die Marktentwicklung

So belasteten Verkäufe von inländischen Privatanlegern und Fonds die Marktentwicklung. Sie wollten sich offenbar Mittel für den Kauf von Aktien bei der bevorstehenden sechsten Privatisierungsrunde des führenden Fernmeldekonzerns NTT beschaffen. Der weitere Verkauf von einer Million Aktien aus Staatsbesitz wird von einer Kapitalanhebung mit der Ausgabe weiterer 300 000 junger Aktien begleitet. Beide Transaktionen haben zusammen ein Volumen von umgerechnet rund 3,5 Mrd. Euro.

Neuordnung des Betriebsrentensystems wirkt sich negativ auf den Markt aus

Im Zuge einer Neuordnung des Betriebsrentensystems könnte es zudem zu einem massiven Abgabedruck auf den Aktienmarkt kommen. Denn nach einem Zeitungsbericht sollen Teile der Pensionsfonds, die bislang von privaten Vermögensverwaltungsgesellschaften gemanagt werden, an den Staat zurückübertragen werden. Obwohl es sich um eine vage Information handelt, belastete sie die Stimmung am Aktienmarkt.

Neben diesen aktuellen Faktoren bleibt das Aktienmarktgeschehen in Tokio durch die anhaltenden Probleme im Finanzsystem, durch die unverändert fragile gesamtwirtschaftliche Lage sowie die Spekulationen über eine drohende Nachfrageabschwächung im Halbleiterbereich überschattet. Nach Schätzungen japanischer Brokerhäuser dürften bei dem jetzt erreichten Kursniveau die Hälfte der 16 größten Banken bereits Bewertungsverluste in ihrem Wertpapierbesitz zu verzeichnen haben.

Konkunkturprogramm soll der potenziell negativen Entwicklung entgegensteuern

Mit ihrem neuen Konjunkturprogramm, das am Donnerstag bekannt gegeben werden soll, will die japanische Regierung dieser potenziell negativen Entwicklung entgegensteuern. Das Programm wird ein Gesamtvolumen von deutlich über 10 Bill. Yen (rund 110 Mrd. Euro) haben. Im wesentlich dürfte es sich erneut um ein Bündel öffentlicher Infrastrukturprojekte handeln. In dem vorab an die Presse durchgesickerten Programm ist auch davon die Rede, dass die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen zügig geprüft werden soll. Dies könnte sich insbesondere für den Marktführer NTT DoCoMo als eine schwere Zusatzbelastung erwiesen. Bislang müssen die Telekomgesellschaften lediglich eine Jahresabgabe für jeden Teilnehmer abführen. Bei NTT DoCoMo beträgt diese umgerechnet rund 200 Millionen Euro.

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