Schwarzer Peter für Syrien
Schicksal Saddams bleibt weiterhin unklar

Saddam Hussein habe nun seinen "rechtmäßigen Platz" neben Hitler, Stalin und anderen früheren Diktatoren eingenommen, erklärte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wenige Stunden nach dem Zusammenbruch des irakischen Regimes in Bagdad.

HB/dpa KAIRO. Doch bislang scheint es eher so, als wolle Saddam dem Beispiel des untergetauchten Terroristendrahtziehers Osama bin Laden folgen, der in den internationalen Medien seit dem Sturm auf die afghanische Bergfestung Tora Bora im Dezember 2001 so oft totgesagt worden war wie er sich mit hasserfüllten Botschaften per Tonband zurückmeldete. Vor allem wenn es nach der Einnahme von Saddams Geburtsstadt Tikrit immer noch keine heiße Spur des bisherigen Diktators geben sollte, könnte Washington in Erklärungsnot geraten. Denn bis auf Präsidentenberater Amir el Saadi, der sich den US-Soldaten am Samstag freiwillig gestellt hat, konnten die Amerikaner bislang kein einziges Mitglied der irakischen Führung dingfest machen. Nach Auffassung der syrischen Regierung ist das auch einer der Gründe dafür, dass sich die Führung unter Präsident George W. Bush nun auf Damaskus eingeschossen hat.

US-Außenminister Colin Powell warnte Syrien am Sonntag erneut davor, Saddam Hussein und seinen Gefolgsleuten Unterschlupf zu gewähren. "Es wäre sehr unklug, wenn Syrien plötzlich zu einem sicheren Hafen für alle diese Leute würde, die vor Gericht gehören und versuchen, aus Bagdad herauszukommen", drohte Powell. Dagegen sind fast alle arabischen Beobachter der Ansicht, dass weder Syrien noch irgendein anderes Nachbarland des Irak, die Führungsclique aus Bagdad ohne Zustimmung Washingtons aufgenommen hätte.

Präsident Baschar el Assad und seine Berater wissen wohl sehr genau, dass sie den Amerikanern durch Hilfe für Saddams Schergen eventuell eine Rechtfertigung für einen Angriff liefern könnten. Abgesehen davon gingen die Verbindungen zwischen den von rivalisierenden Fraktionen der arabischen Baath-Partei regierten Regime auch nach der Versöhnung vor rund zwei Jahren kaum über wirtschaftliche Kooperation hinaus. Eine politische Achse Damaskus- Bagdad existierte in der Ära Saddam Hussein nicht.

Auf jeden Fall will sich die syrische Regierung, die befürchtet, selbst eines Tages Opfer der amerikanischen Pläne für eine Neuordnung der Machtverhältnisse in Nahost zu werden, jetzt von Washington nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. "Diese (Anschuldigungen) entbehren jeder Grundlage", sagt Außenminister Faruk el Scharaa und fügt hinzu, "wir haben den Amerikanern gesagt, los, gebt uns Beweise".

Unterdessen geht im Irak das Rätselraten über den Verbleib der einstigen Führung weiter. Einwohner von El Mansur, einem Stadtteil im Nordwesten Bagdads, berichten der arabischen Zeitung "Al-Sharq Al- Awsat", sie hätten Kusai, den jüngeren Sohn von Saddam Hussein, nach dem US-Bombenangriff vor einer Woche lebend in ihrem Stadtviertel gesehen. Ein 23 Jahre alter Kämpfer der Baath-Partei aus Bagdad erzählt, wie er und 80 seiner Parteigenossen am vergangenen Mittwoch plötzlich ohne ihre fünf Kommandeure dagestanden hatten. "Sie sind einfach nach Hause gegangen", sagt er. Daraufhin hätten auch die einfachen Kämpfer das Weite gesucht.

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