Schwarzer Sonntag für Silberpfeile
Ralf Schumacher siegt vor Montoya

Happy-End für die Schumacher-Brüder: Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher hat am Sonntag beim Großen Preis von Malaysia trotz eines bösen Missgeschicks am Start in letzter Sekunde noch Platz drei gerettet, und Ralf feierte beim "heißesten Rennen der Welt" souverän seinen ersten Saisonsieg.

dpa SEPANG. Die Siegerehrung beim zweiten Grand Prix des Jahres wurde zum Kerpener Familienfest. Der Kolumbianer Juan Pablo Montoya sorgte als Zweiter in Sepang für einen Doppelerfolg des Williams-BMW-Teams. Für die Silberpfeile von McLaren-Mercedes war es dagegen mit zwei Ausfällen ein "schwarzer Sonntag". Auch Michael Schumachers Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello schied nach 40 von 56 Runden mit einem Motorschaden aus.

Bei 34 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit behielt Ralf Schumacher kühlen Kopf und starke Nerven. Der vierte Formel-1-Sieg des 26 Jahre alten Kerpeners war taktisch meisterlich und sportlich souverän heraus gefahren: 39,7 Sekunden Vorsprung hatte "Schumi II" im Ziel auf dem hochmodernen Sepang International Circuit auf Montoya, der nach der Startkollision mit Michael Schumacher ebenso wie der Ferrari-Superstar zu einer grandiosen und erfolgreichen Aufholjagd gestartet war. Vierter wurde der Brite Jenson Button im Renault vor dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld (Sauber-Petronas). Trotz einer Startpanne wie schon beim Saisonauftakt in Melbourne kam Heinz-Harald Frentzen im Arrows-Cosworth noch auf den 11. Rang.

"Ich habe im Rennen nie aufgegeben, habe hundert Prozent gegeben und immer an meine Chance geglaubt. Das hat sich heute ausgezahlt, auch wenn der dritte Platz am Ende ein bisschen glücklich war", meinte Michael Schumacher, der 2000 und 2001 in Sepang noch der glückliche Sieger war. Trotz des verpassten Hattricks wollte der viermalige Champions die Kollision mit Montoya nicht dramatisieren: "So ist der Rennsport." Wie schon vor zwei Wochen in Melbourne spielte die erste Kurve Schicksal und sorgte für eine Vorentscheidung - diesmal allerdings zu Ungunsten von Auftaktsieger Schumacher und dem damals Zweiten Montoya. Nur 15 Sekunden konnte sich das Ferrari-Team über die 150. Pole Position bei einem Formel-1-Rennen freuen. Montoya und Schumacher lieferten sich einen harten Zweikampf, der Deutsche gab nicht nach und blieb auf "Kampflinie", die Boliden berührten sich. Als Schumachers Frontflügel wegflog, stockte den "Roten" der Atem.

Der Kerpener musste sich nach dem unfreiwilligen Boxenstopp ganz hinten anstellen, lachender Dritter war zunächst Barrichello. Der von Position drei gestartete Brasilianer führte plötzlich, ohne ein Überholmanöver riskieren zu müssen.

Die Schuld an dem Rennunfall bekam wenig später Montoya zugeschoben. Die FIA-Rennkommissare "verdonnerten" den Südamerikaner wegen einer "vermeidbaren Kollision" zu einer Zeitstrafe; Montoya musste einmal durch die Boxengasse fahren und war stinksauer: "Ich habe ihm doch Platz gelassen. Diese Entscheidung ist dumm." Über Funk versuchte ihn seine Crew zu beruhigen: "Mach jetzt erst mal das, was zu tun ist. Diskutieren können wir später."

Dies nahm sich Montoya zu Herzen. Schon nach 20 Runden hatte er sich wieder auf den vierten Platz vorgearbeitet; Weltmeister Schumacher war bis zu seinem ersten Boxenstopp (20. Runde) schon Neunter. Doch noch 21 Runden musste auch Barrichello zum Reifenwechsel und Nachtanken. Neuer Spitzenreiter: BMW-Pilot Schumacher, der die Führung nach seinem ersten und einzigen Boxenstopp (31. Runde) zunächst wieder abgeben musste. Doch nach 40 Runden war das Rennen gelaufen - für Ralf Schumacher, dessen Ein- Stopp-Strategie perfekt aufging, und gegen Pechvogel Barrichello.

Innerhalb von nur acht Runden war das Schicksal der "Silbernen" besiegelt: Wie in Melbourne schied der Schotte David Coulthard, diesmal mit einem technischen Defekt an seinem McLaren-Mercedes, in der 16. Runde aus. Ebenfalls ein Motorschaden (24. Runde) zerstörte die Hoffnungen Kimi Räikkönens auf einen zweiten Coup. In Melbourne war der 22 Jahre alte Finne Dritter hinter Schumacher und Montoya geworden. "Ich kann mich nur bei den Fahrern entschuldigen, denn die haben heute einen tollen Job und alles richtig gemacht. Aber auch wir können das besser", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

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