Schwarzes Jahr für den Deutschen Tennis-Bund
Keine Siege und kein Geld

Der Kommentar zum Abschluss eines schwarzen Tennisjahres enthielt auch einen Hauch von Sarkasmus: "Wir leben noch", sagte DTB-Präsident Georg von Waldenfels, als sich Präsidium und Landesverbände kurz vor Weihnachten auf die letzten Details eines flächendeckenden Entschuldungsplanes für die klamme DTB-Holding geeinigt hatten.

HB HAMBURG. Nun könne man wenigstens "mit neuer Handlungsfreiheit und mehr Gestaltungsmöglichkeiten" die kommenden Aufgaben angehen, meinte von Waldenfels, "aber wir werden dabei nicht das Gebot eisernen Sparens vergessen".

Tatsächlich sind die Zukunftsaussichten auch nach der Solidaritätsanstrengung der Provinzen und der Zentrale, die der Holding beide jeweils eine Million Euro zum Schuldenabbau zahlen, nicht besonders rosig. Denn trotz eines gleichzeitigen Forderungsverzichts von vier Millionen Euro durch die Hauptgläubiger, vornehmlich Großbanken, drückt den DTB ein wesentliches Problem: Seine wesentlichen Einnahmequellen wie Daviscup-Matches oder Turnierwettbewerbe versiegen dramatisch, ohne Perspektive, dass es kurz- oder mittelfristig besser würde. Schon in den vergangenen Monaten hatte der Verband ans Tafelsilber greifen und das Hamburger Damenturnier für 2,5 Millionen Euro in die USA verkaufen müssen.

Für das Masters-Turnier kann der DTB auch im kommenden Jahr getrost mit neuen Belastungen rechnen, denn allein mit der garantierten Summe von 1,5 Millionen Euro von den Mitvermarktern Boris Becker (BCI) und Heiner Kamps (Ace Group) ist der viel zu üppige Gesamtetat nicht zu schultern. Insider schätzen den Finanzierungsbedarf am Rothenbaum auf sechs Millionen Euro, "ein dicker Batzen in Zeiten einer angeschlagenen Konjunktur und eines schwachen Tennismarktes", sagt ein Insider. Alle Hoffnung richtet sich so wieder einmal auf Becker und sein Team, das rund um die Arena ein schrilles Spektakel nach amerikanischem Vorbild inszenieren will.

Aus dem Daviscup wird im kommenden Jahr so wenig zu erwirtschaften sein wie in der auslaufenden Saison. Nach der schwer wiegenden Verletzung des einzigen Weltklassemannes Thomas Haas, der sich am Donnerstag einen Sehnenabriss in der rechten Schulter zuzog, droht der Erstrundenausflug nach Argentinien Anfang Februar zu einem Himmelfahrtskommando zu werden. Doch nur Heimspiele gegen namhafte Gegner böten die Chance, wieder einmal eine Live-Übertragung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu bekommen und sich damit für Sponsoren zu empfehlen. Aus Buenos Aires will etwa die ARD nur kleinere Zusammenschnitte der Partie zeigen.

Ein paar Lichtblicke gibt es im deutschen Tennis dennoch. Angestammte Wettbewerbe wie der Düsseldorfer Arag World Team Cup, der Stuttgarter Mercedes Cup oder die Gerry Weber Open schlagen sich selbst in einer Phase der Tennisrezession äußerst achtbar. "Vielleicht liegt es daran, dass wir uns immer um eine solide und seriöse Geschäftsbeziehung zu unseren Partnern gekümmert haben, auch zum Fernsehen", sagt Düsseldorfs Turnierchef Horst Klosterkemper, "wir haben niemanden ausgepresst, als Tennis noch boomte." Worte, die manchem DTB-Funktionär wehtun müssten.

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