Schweden führt Quoten für erneuerbare Energien ein
Atom-Ausstieg nach deutschem Modell

Schwedens geplanter Ausstieg aus der Atomenergie ist mit der Übereinkunft von Sozialdemokraten, Zentrums- und Linkspartei ein Stück näher gerückt. Dennoch wird es noch mindestens 30 Jahre bis zum Abschalten des letzten Reaktors dauern. "Grüne Zertifkate" sollen erneuerbare Energie stärken.

hst STOCKHOLM. Schweden will den Ausstieg aus der Atomenergie mit der Einführung so genannter "grüner Zertifikate" beschleunigen. Darauf haben sich die regierenden Sozialdemokraten sowie die Zentrums- und die Linkspartei in einem neuen energiepolitischen Konzept geeinigt. Allerdings wird die endgültige Abkehr vom Atomstrom noch mindestens 30 Jahre dauern.

Nach dem neuen Energiekonzept erhält ein Stromerzeuger vom 1. Januar 2003 an für jede produzierte Megawatt-Stunde erneuerbarer Energie ein grünes Zertifikat, dass er auf dem freien Markt verkaufen kann. Die vom Staat ausgestellten Zertifikate sollen nach den Vorstellungen von Wirtschaftsminister Björn Rosengren eine zusätzliche Einnahmequelle für die Stromkonzerne und somit einen besonderen Anreiz zur Produktion von umweltfreundlichem Strom darstellen.

Um eine Nachfrage nach den Zertifikaten zu schaffen, wird ein Stromkunde, auch die privaten Haushalte, gezwungen, für jede verbrauchte Megawatt-Stunde Energie ein grünes Zertifikat zu kaufen. In der Praxis wird auf der Stromrechnung ein entsprechender Betrag auftauchen. Vom kommenden Jahr an müssen zunächst 7 % des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen, später soll dieser Anteil erhöht werden. Bis 2010, so fordert Stockholm, soll der Anteil der erneuerbaren Energie um 10 auf 16 Terrawattstunden gestiegen sein.

Anteil der Windkraft ist bislang verschwindend gering

Im vergangenen Jahr lag die Stromproduktion in Schweden bei 158 TWh, etwa die Hälfte stammte aus Atomreaktoren, die andere Hälfte hauptsächlich aus den großen Wasserkraftwerken in Nordschweden. Die Wasserkraft zählt nach Stockholmer Definition nur dann zu den erneuerbaren Energieträgern, wenn der Strom aus kleinen Kraftwerken stammt. Die Großanlagen im Norden des Landes, für die ganze Flussläufe umgeleitet werden mussten, fallen nicht unter die zu fördernde Kategorie. Der Anteil der Sonnen- und Windkraft ist bislang verschwindend klein.

Mit dem neuen Zertifikat-System soll die Abschaltung der noch elf in Betrieb befindlichen Atomreaktoren in Schweden forciert werden. Ein erster Reaktor im südschwedischen Barsebäck war im November 1998 nach jahrelangen Diskussionen vom Netz genommen worden, der zweite, ebenfalls in Barsebäck stehende Reaktor kann nach den Plänen 2003 abgeschaltet werden. Wann die restlichen folgen werden, ist unklar. Wirtschaftsminister Rosengren rechnet mit weiteren "30 bis 40 Jahren, bis der letzte Atomreakor geschlossen wird".

Während man sich bei dem deutschen Atom-Kompromiss auf eine durchschnittliche Reaktor-Lebensdauer von 32 Jahren geeinigt hatte, verzichtet die schwedische Regierung auf diese Festlegung. Damit verliert das Land, das 1980 eine erste Volksabstimmung über die Zukunft der Atomkraft durchführte, seine Vorreiterrolle in Sachen Atom-Ausstieg. Damals hatte sich eine knappe Mehrheit für den Atom-Ausstieg bis 2010 ausgesprochen. Das Parlament strich dies Datum, da es als nicht umsetzbar galt.

In den kommenden Monaten will die Regierung in Stockholm Verhandlungen mit der Stromindustrie über die weitere Laufzeit der einzelnen Reaktoren einleiten. Die beiden größten Versorger, Sydkraft und die staatliche Vattenfall, haben sich vorsichtig positiv zu dem jetzt vorgelegten Konzept geäußert. "Es ist wichtig, dass die Spielregeln geklärt sind", ließen Vattenfall und Sydkraft verlauten. Beide Konzerne sind indirekt auch an dem deutschen Atom-Kompromiss beteiligt: Vattenfall ist stark auf dem deutschen Markt vertreten, während Sydkrafts Hauptaktionär der deutsche Energiekonzern Eon ist.

Die Sozialdemokraten haben sich durch die Beteiligung der Zentrums- und der Linkspartei an dem energiepolitischen Konzept eine Mehrheit für die Parlamentsabstimmung Ende dieser Woche gesichert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%