Schweden verstößt nach Ansicht Finnlands gegen Vereinbarung
Fusion von Telia und Sonera gefährdet

Die geplante Telekom-Ehe der schwedischen Telia und der finnischen Sonera ist in Gefahr: Die finnische Regierung erklärte am Dienstag, sie akzeptiere die Ernennung von Anders Igel in das Board des neuen Unternehmens nicht. Die Mehrheit der Telia-Aktionäre hatte auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag Igel für das Amt ernannt.

STOCKHOLM. Nach dem Willen des finnischen Staates, der mit 53 % Anteil größter Sonera-Aktionär ist, soll Igel jedoch lediglich neuer Konzernchef der fusionierten Telia Sonera werden und damit das operative Geschäft leiten. Finnland hatte bereits im Vorfeld gegen eine mögliche Ernennung Igels für das Board protestiert. Die Finnen folgen damit ihrem bisherigen Kurs, bei staatlich kontrollierten Unternehmen Board und operative Unternehmensleitung zu trennen.

Der schwedische Staat, mit einem 70,6 %-igen Anteil größter Telia-Aktionär, setzte sich jedoch über den finnischen Wunsch hinweg und ermöglichte die Wahl von Igel in das Board. Die Zusage der Schweden, auf der ersten Hauptversammlung des neuen Telekom-Konzerns im kommenden Jahr Igel durch ein unabhängiges, nicht arbeitendes Vorstandsmitglied zu ersetzen, reicht den Finnen nicht.

"Der Beschluss ist nicht in Übereinstimmung mit der Abmachung, die die Aktionäre in Finnland und Schweden getroffen haben", ließ der finnische Transport- und Kommunikationsminister Kimmo Sasi am Dienstag verlauten. Nach Darstellung des Ministers waren sich die beiden staatlichen Hauptaktionäre einig, dass kein Mitglied der operativen Leitung im Board vertreten sein sollte.

Die Regierungen in Helsinki und Stockholm betonten amk Dienstag, man werde versuchen, die aufgekommenen Unstimmigkeiten wieder beizulegen. "Wir hoffen, dass durch weitere Diskussionen eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten gefunden wird", betonte Schwedens Wirtschaftsminister Leif Pagrotzky.

Analysten allerdings sind skeptisch, ob der Disput beigelegt werden kann, ohne dass sich die Telekom-Eheschließung verzögert. "Der Fall zeigt erneut, wie tolpatschig Politiker agieren", sagte Håkan Wranne, Telekom-Analyst bei Fischer Partners in Stockholm. Auch Matti Riikonen von Evli in Helsinki überrascht, dass "das Problem nicht schon früher gelöst" wurde. Die Telia-Aktie legte um 1 % zu, während Sonera knapp 2 % nachgaben.

Die neue Störung im Verhältnis der beiden staatlichen Haupteigner kommt nur wenige Tage, bevor die Frist für die Sonera-Aktionäre abläuft, das Telia-Übernahmeangebot zu akzeptieren. Bis zu diesem Freitag will Telia die Zustimmung von 90 % der Sonera - Aktionäre haben, damit die Telekom-Ehe besiegelt werden kann. Telia hatte im März dieses Jahres den Sonera-Aktionären 1,51 eigene Aktien für eine Sonera-Aktie geboten. Allerdings hat der schwedische Konzern bereits angedeutet, dass die Frist bei Nichterreichung der 90 %-igen Zustimmung verlängert werden könne.

Europas erste grenzüberschreitende Telekom-Ehe zweier Ex-Monopolisten steht unter keinem guten Stern. In Finnland ist die Unzufriedenheit gewachsen, dass durch den dramatischen Fall der Kurse von Telekom-Aktien der ursprünglich 16 %-ige Aufschlag, den Telia den Sonera-Aktionären zahlen wollte, auf rund 5 % gesunken ist.

Zuvor hatte Telia bereits der norwegischen Telenor den Hof gemacht. Doch in letzter Sekunde, nachdem im Prinzip alle Probleme gelöst schienen, scheiterte die Fusion Ende 1999 an nationalen Empfindlichkeiten. Seitdem war Telia auf der Suche nach einem neuen Partner und fand ihn im März in Sonera. Mit einem Gesamtumsatz von rund 8,9 Mrd. Euro wäre der finnisch-schwedische Telekom-Konzern der mit Abstand größte in Nordeuropa.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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