Schweden wollen Handy-Produktion an den US-Konzern Flextronics auslagern
Ericsson rechnet mit einem raueren Klima auf dem Telekom-Markt

Ericsson hat für Turbulenzen an den Aktienmärkten gesorgt und die Branche aufgeschreckt: Zum einen mit der Ankündigung, die Schweden wollten ihre gesamte Handy-Produktion an das US-Unternehmen Flextronics auslagern, zum andern mit der Warnung, dass sich das Wachstum auf dem Markt für Mobilfunksysteme abgeschwächt hat.

hst STOCKHOLM. "Das finanzielle Umfeld ist für die Branche unsicherer geworden", erklärte Ericsson-Chef Kurt Hellström bei Vorlage des Geschäftsberichts für das Jahr 2000. Grund dafür seien neben der unsichereren makroökonomischen Entwicklung vor allem der wachsende Preisdruck und die Milliardeninvestitionen, die die Telekom-Unternehmen in den Ausbau der UMTS-Mobilfunknetze investieren müssten. Deshalb revidiert Ericsson seine Wachstumsprognose für 2001 von über 20 % auf 15 bis 20 %. Die Gewinnspanne der Konzern-Produkte wurde ebenfalls von den angestrebten 10 % auf 6 bis 8 % zurückgestuft. Die Korrektur ist nach den Worten von Finanzchef Sten Fornell auch darauf zurückzuführen, dass der Konzern in den kommenden beiden Jahren seine Entwicklungsinvestitionen verdoppeln wird.

Im Mittelpunkt der Pressekonferenz stand erwartungsgemäß die Ankündigung, dass Ericsson seine gesamte Handy-Produktion an den US-Konzern Flextronics auslagern wird. Damit will Ericsson ab 2002 jährlich rund 15 Mrd. skr einsparen. Bereits in der zweiten Hälfte 2001 werden in der Handy-Sparte wieder schwarze Zahlen erwartet. Das schwedische Unternehmen ist der erste Telekommunikationskonzern, der sich vollständig aus der Handy-Produktion zurückzieht. Andere haben nur einen Teil ihrer Produktion ausgelagert.

Ericsson hat drastische Verlust in der Handy-Sparte

Hellström begründete den drastischen Schritt mit den Verlusten, die die Handy-Sparte in den vergangenen Jahren verursacht hat. Im Vorjahr fiel ein Fehlbetrag von 16,2 Mrd. skr (1,8 Mrd. Euro) an. Für die Produktionsauslagerung hat Ericsson Rückstellungen von 8 Mrd. skr gebildet. Von dem Outsourcing sind rund 10 000 Mitarbeiter betroffen. Davon werden nur etwa 4 200 bei Flextronics einen neuen Arbeitsplatz finden. Das US-Unternehmen hat bereits angekündigt, dass ein Großteil der Handy-Produktion in Niedriglohnländer wie China und Malaysia ausgelagert wird.

Mit seiner jüngsten Entscheidung enttäuschte Ericsson Marktbeobachter, die gehofft hatten, der Konzern werde ein Joint Venture mit einem namhaften asiatischen Elektronikproduzenten eingehen. Dabei wird nach Ansicht von Bo Edvardsson, Analyst bei Fischer Partners in Stockholm, aber übersehen, dass Flextronics "das weltweit beste Outsourcing-Unternehmen ist". Gleichzeitig unterstrich Ericsson-Chef Hellström, dass mit der Auslagerung an Flextronics die Türen für andere Partnerschaften nicht verschlossen seien. Flextronics beschäftigt 70 000 Mitarbeiter in 27 Ländern und setzt etwa 12 Mrd. $ um. Das Unternehmen produziert Handys auch für Nokia, Motorola und Siemens.

Entwicklung, Design und Vertrieb der Telefone wollen die Schweden vorerst unter eigener Kontrolle behalten. Der Beschluss wird von Analysten kritisiert, da Ericsson gerade in diesen Bereichen bisher glücklos agiert habe. Obwohl das größte schwedische Unternehmen den höchsten Gewinn seiner Firmengeschichte auswies, gab der Aktienkurs in Stockholm um 11,4 % nach und zog auch andere Telekom-Werte mit nach unten.

Im Bereich Mobilfunksysteme konnte Ericsson zwar seine Marktführerschaft ausbauen, doch warnte Hellström auch hier vor niedrigeren Gewinnspannen. Schon im vierten Quartal lag die Spanne nicht bei den erwarteten 17 %, sondern nur bei 15 %. Wenn am morgigen Dienstag Nokia seine Zahlen für 2000 präsentiert, wird sich zeigen, ob auch die Finnen als größter Handy-Hersteller der Welt unter dem Preisdruck bei Telefonen und Systemen leiden. Die durchschnittlichen Gewinnprognosen für Nokia liegen bei 5,8 Mrd. Euro - ein Plus von 50 % gegenüber 1999.

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