Schwedische Großbank möchte Firmengeschäft ausweiten
SEB will in Deutschland zukaufen

Nach der Restrukturierung der vor drei Jahren übernommen BfG Bank setzt die schwedische SEB in Deutschland jetzt wieder auf Wachstum. Neben Allianzen werden dabei auch Übernahmen von Finanzfirmen anvisiert.

FRANKFURT/M. Die schwedische Großbank SEB liebäugelt mit der Übernahme von deutschen Finanzdienstleistern im Privatkundengeschäft. "Wir wollen in Deutschland wachsen und dafür sind Aquisitionen ein Weg", sagte Lars Lundquist, Vorstandschef des deutschen Ablegers SEB AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Zeitpunkt für Übernahmen sei günstig, denn deutsche Finanzdienstleister seien derzeit niedrig bewertet. Zudem verfüge SEB über freies Kapital, um eine Übernahme zu finanzieren.

Namen von Übernahmekandidaten nannte Lundquist nicht. Jedoch machte er deutlich, dass es sich eher um kleinere Zukäufe handeln dürfte. Eine "ganz große" Übernahme werde nicht anvisiert, da sie die Sparerfolge der letzten Jahre konterkarieren könnte. Potenzielle Neuerwerbungen sollen der Bank in erster Linie neue Kunden zuführen. Bisher hat SEB in Deutschland eine Million Kunden. Den Kauf einer Filialbank hält er für weniger sinnvoll, da dass eigene Filialnetz mit 177 Zweigstellen dicht genug sei.

Deutschland ist ein wichtiger Markt

Dennoch bedeutet die Ankündigung einen Strategiewechsel. Bisher waren die Schweden vollauf damit beschäftigt, die 1999 übernommene Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) auf Vordermann zu bringen. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte um 800 auf rund 4 000, diverse Tochterfirmen wie etwa das Leasing-Geschäft wurden verkauft oder abgewickelt. Zudem musste das Kreditportfolio gesäubert werden. Nunmehr sei die Restrukturierung der im letzten Jahr in SEB umfirmierten BfG abgeschlossen, so Lundquist: "Jetzt beginnt eine neue Phase, in der wir expandieren wollen." Versinnbildlicht wird dies durch einen Führungswechsel: Lundquist geht demnächst als Finanzchef der SEB-Gruppe nach Schweden zurück, sein Nachfolge ist mit Thomas Altenhain ein Deutscher.

Schon jetzt ist Deutschland ein extrem wichtiger Markt für die SEB Gruppe: Hier hat Skandinaviens viertgrößte Bank ein Viertel ihrer gut vier Millionen Kunden. Beim Ertrag indes hinkt das Deutschland-Geschäft mit einer Eigenkapitalrendite von nur 5 % deutlich hinter dem Gesamtkonzern her. Angepeilt werden 15 %.

Wichtigstes Standbein hier zu Lande ist das Privatkundengeschäft mit einem Anteil von zwei Dritteln am Gesamtvolumen. Dieser Bereich soll außer durch Übernahmen auch mit Hilfe von Partnerschaften mit anderen Finanzdienstleistern wachsen. Erst vor wenigen Wochen übernahm die Bank die Abwicklung der Wertpapiergeschäfte der Volkswagen Bank. Auch mit den beiden Versicherern Gerling und Axa bestehen Vertriebskooperationen. Darüber hinaus suche man weiter "nach neuen Möglichkeiten für Allianzen", sagt Lundquist.

SEB hat Firmenkunden im Visier

Auch im Geschäft mit Unternehmen und institutionellen Investoren wollen die Schweden zulegen. Bei der Übernahme der BfG hatte SEB vor allem die Privatkunden im Blick. Mittlerweile aber sei die Entscheidung gefallen, auch im Geschäft mit Unternehmen zu expandieren, erläutert Lundquist. Im Fokus stehen mittelständische Firmen mit Interessen in Skandinavien und dem Baltikum. In beiden Regionen verfügt SEB über eine starke Marktstellung. Lundquist will nicht zuletzt in die Lücke stoßen, die sich durch die restriktiver Kreditvergabe der deutschen Großbanken auftut. "Der Rückzug der deutschen Banken aus dem Mittelstandsgeschäft verbessert unsere Geschäftsaussichten". Allerdings will SEB ebenso wie die Konkurrenten nicht als reiner Darlehensgeber auftreten, sondern die Kreditvergabe an den Verkauf anderer Produkte wie etwa Währungsgeschäfte oder Cash-Management koppeln.

Als massiver Hemmschuh für die Ambitionen des Managements erweisen sich bisher allerdings die katastrophale Lage an den Börsen und die Konjunkturflaute. Lundquist räumt ein, dass die Erträge zur Zeit unter den Erwartungen liegen. Dennoch erwartet er für das laufende Jahr einen Gewinn "in etwa auf dem Niveau des Vorjahres". Erreicht werden soll dies durch strikte Kostenkontrolle. So werden 150 offene Stellen zur Zeit nicht besetzt. Gespart wird auch an den Bürokosten: Durch den Umzug innerhalb des Frankfurter Bankviertels wurden die Mietkosten um ein Drittel gedrückt. Weitere zehn Millionen Euro Einsparungen erhofft sich das Management von der Verlagerung des zentralen Bankcomputers von Frankfurt nach Stockholm.

Auch die langfristigen Ziele musste Lundquist, der für die nächsten sechs bis zwölf Monate keine Aufhellung des Börsenklimas erwartet, mittlerweile revidieren. Ursprünglich sollte der Umsatz bis 2005 um die Hälfte steigen. "Dieses Ziel werden wir erst 2006 oder 2007 erreichen", sagt der Vorstandschef nun. Bis dahin soll auch die Eigenkapital-Rendite auf 15 % steigen.

Analysten sind allerdings eher skeptisch. Das Deutschlandgeschäft der SEB sei "weiterhin schwach", urteilt etwa Morgan Stanley. Die Rendite werde in näherer Zukunft nicht einmal in die Nähe von 15 % kommen.

Quelle: Handelsblatt

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