Schwedische Telia bestätigt Verhandlungen mit Europäischer Investitionsbank
Verbilligte Kredite für Mobilfunker

Die EU-eigene Europäische Investitionsbank (EIB) wird ihre Kredite für Investitionen in die Netzinfrastruktur nach dem neuen Mobilfunkstandard UMTS möglicherweise deutlich ausbauen. Wie ein EIB-Sprecher mitteilte, führt die Bank Verhandlungen mit vielen europäischen Telekom-Anbietern, wollte diese jedoch nicht benennen.

STOCKHOLM. Der einzige Telekom-Konzern, der dem Handelsblatt Verhandlungen mit der EIB bestätigte, war der schwedische Ex-Monopolist Telia. Aus Branchenkreisen verlautete, dass zudem die niederländische KPN und die Group 3G, ein Konsortium aus spanischer Telefónica und finnischer Sonera, mit der EIB verhandeln.

Im vergangenen Jahr hat die EIB nach eigenen Angaben insgesamt 2,3 Mrd. Euro an Krediten für die Telekom-Branche vergeben. Wie es bei der EIB hieß, könne die Kreditvergabe für den Telekom-Sektor zwischen 2000 und 2003 bei etwa 12 bis 15 Mrd. Euro liegen.

Für die hoch verschuldeten Telekom-Konzerne ist eine Finanzierung durch die EIB auf Grund der günstigen Konditionen interessant. Seit dem EU-Gipfel in Lissabon vor einem Jahr, auf dem die EU-Staats- und-Regierungschefs eine Technologieoffensive in Europa beschlossen hatten, ist die Finanzierung der UMTS-Infrastruktur erklärtes Ziel der Investitionsbank.

Analysten in Stockholm wollten die Rolle der EIB bei der Finanzierung nicht überbewerten. Sie beziffern die Anfangsinvestitionen für die über 60 UMTS-Netze in Westeuropa auf mehr als 75 Mrd. Euro. Über einen Zeitraum von fünf Jahren dürften die Investitionen zwischen 250 und 300 Mrd. Euro liegen. Mit ihren geplanten Darlehen würde die Bank etwa sechs bis acht Prozent der Gesamtinvestitionen finanzieren. "Von einem Retter in der Not zu sprechen wäre übertrieben", sagte Stefan Olsson, Telekom-Analyst bei Fischer Partner in Stockholm. Gleichwohl zähle für die Telekom-Konzerne "jedes Prozent EIB-Finanzierung".

Ericsson in Stockholm und Nokia in Helsinki erklärten auf Anfrage, dass man die Verhandlungen der EIB mit Mobilfunkbetreibern "mit großem Interesse" verfolge. Sprecher beider Unternehmen bezeichneten die Mitfinanzierung durch die EIB als "sehr positiv". Angesichts der Finanzengpässe bei einigen Netzbetreibern hatten beide Unternehmen in den letzten Wochen ihren Kunden Lieferantenkredite gewährt, die teilweise über das eigentliche Auftragsvolumen hinausgingen.

Mehr zum Thema: Telekom-Ausrüster locken mit Krediten

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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