Schwedischer Lkw-Konzern sieht erste Hinweise für Aufschwung: Volvo glaubt wieder an bessere Zeiten

Schwedischer Lkw-Konzern sieht erste Hinweise für Aufschwung
Volvo glaubt wieder an bessere Zeiten

Die Auseinandersetzung im Irak wird nach Ansicht von Volvo-Chef Leif Johansson zunächst nur wenig Einfluss auf die Geschäfte des schwedischen Lkw-Konzerns haben. Dieses Jahr sollte sich sogar langsam ein Aufschwung durchsetzen. Für den Verkauf des Volvo-Anteils an Scania ist keine Lösung in Sicht.

STOCKHOLM. Der soeben begonnene Irak-Krieg wird sich auf das Lkw-Geschäft von Volvo nicht unmittelbar negativ auswirken. "Die gesamte Region inklusive Nordafrika, Naher Osten und Türkei steht nur für etwa fünf bis sieben Prozent des Umsatzes", sagte Volvo-Konzernchef Leif Johansson gestern in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Allerdings zeigte sich der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Lkw-Konzerns beunruhigt über mögliche Folgen für die globale Wirtschaft. Viele Kunden könnten wegen der neuen Unsicherheit von Investitionen absehen.

Vom Wiederaufbau nach Kriegsschluss versprach sich Johansson nicht sonderlich viel. "Es macht nur einen sehr marginalen Teil für unser Geschäft aus", sagte er. Über die Geschäftsentwicklung dieses Jahres äußerte er sich grundsätzlich optimistisch, wenn auch vorsichtig: "Die Konjunkturflaute in Nordamerika scheint vorüber zu sein. Die Zinsen sind niedrig, es gab Steuersenkungen, und bei unseren Kunden merken wir eine steigende Investionsbereitschaft." Sein Unternehmen sei auf dem Weg zu besseren Zeiten. Bis 2005 will Volvo ein jährliches Umsatzwachstum von bis zu 10 % erreichen.

Für den schwedischen Lkw-, Bus-, Baumaschinen- und Motorenhersteller bleibt Nordamerika nach Europa der wichtigste Absatzmarkt. In Europa ist Volvo bei Lkw die unangefochtene Nummer eins vor Daimler-Chrysler, im weltweiten Vergleich liegen die Schweden jedoch hinter dem Stuttgarter Konzern. Seit 2001 gehören der amerikanische Lkw-Hersteller Mack sowie die frühere Renault-Nutzfahrzeugsparte zu Volvo.

In Europa sieht Johansson die Entwicklung deutlich negativer als in den USA. "Hier sind wir immer noch auf dem Weg nach unten", glaubt er. Vor allem für den deutschen Markt sieht er derzeit kaum Anzeichen für eine konjunkturelle Verbesserung. Positiv sei dagegen die Entwicklung auf dem osteuropäischen Markt, auf dem der schwedische Konzern in den vergangenen zwölf Monaten 46 % mehr Lkw absetzen konnte. In Westeuropa stieg der Absatz um 10 %. Die Bedeutung des osteuropäischen Marktes nimmt für Volvo zu: Gestern hat das schwedische Unternehmen als erster westlicher Nutzfahrzeug-Produzent eine Fertigungsanlage für schwere Lkw in Russland einweihte. Dort sollen zunächst 200 bis 300 Lkw jährlich für den russischen Markt hergestellt werden.

Johansson rechnet mit einer weiteren Konsolidierung der Branche. Sein Konzern besitzt dabei vermutlich einen wichtigen Baustein, denn noch immer hält der Konzern 45,5 % des Kapitals und 30,6 % der Stimmrechte am einheimischen Konkurrenten Scania. Die EU hatte 2000 die geplante Fusion von Volvo und Scania aus Wettbewerbsgründen untersagt und den Verkauf des Volvo-Anteils an Scania bis April 2004 angeordnet.

Bislang hat sich jedoch kein Käufer für das Paket gefunden. Johansson nennt drei Alternativen: "Wir finden einen industriellen Käufer oder eine Investmentgesellschaft. Wir könnten die Aktien aber auch an unsere Aktionäre ausgeben." Einen Vorstoß in Brüssel, die Frist über April 2004 zu verlängern, hält Johansson nur für eine "theoretische Möglichkeit". Er wollte aber nicht ausschließen, dass "wir das vielleicht machen".

Scania-Chef Leif Östling droht in diesem Fall mit der Forderung nach Schadenersatz von Volvo, weil der Konkurrent die strategische Entwicklung von Scania blockiere. Johansson sagte zu der Drohung seines Kollegen Östling lediglich, dass "ich ihn nicht verstehe". Der mit einem Anteil von 34 % zweitgrößte Scania-Aktionär, der Wolfsburger VW-Konzern, galt eine Zeitlang als möglicher Käufer des Volvo-Pakets, hat aber in den vergangenen Monaten kein stärkeres Interesse signalisiert. Volvo hatte für den Scania-Posten 269 Kronen (gut 32 Euro) je Aktie bezahlt, gestern wurde der Titel mit 169 Kronen. Ein großer Verlust bahnt sich damit für Volvo auf jeden Fall an, es sei denn, man könnte die Verkaufsfrist verlängern.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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