„Schwedisches System" als Erfolgsrezept
Österreichs „Hallodris" auf Wolke sieben

Das hatte ihnen keiner zugetraut: Das Team Austria brachte den Titelverteidiger Kanada an den Rand einer Niederlage. Trainer Herbert Pöck malt deshalb schon die Zukunft seiner Mannschaft in rosaroten Farben.

HB PRAG. Herbert Pöck wusste nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. "Wir waren so nah dran, vielleicht dauert es 50 Jahre, bis wir noch mal so eine Chance bekommen", meinte der österreichische Eishockey-Nationaltrainer nach dem überraschenden 2:2 des krassen Außenseiters gegen den Weltmeister. Erst ein energischer Schlussspurt der NHL-Profis aus dem Eishockey-Mutterland hatte die erste Sensation der WM in Tschechien verhindert.

Obwohl der voraussichtliche deutsche Zwischenrundengegner einen historischen Sieg, den ersten überhaupt in 18 Vergleichen mit den "Ahornblättern", knapp verpasst hatte, überwog bei Pöck der Stolz. "Wir haben die jüngste Mannschaft dieser WM. Diese Generation hat den Respekt vor den Großen verloren", sagte der Trainer und malte die Zukunft in rosaroten Farben: "Diese Mannschaft wird erst in vier, fünf Jahren ihr Potenzial voll ausspielen."

Der letztjährige WM-Zehnte, der in der Vorbereitung noch dreimal hintereinander gegen die deutsche Nationalmannschaft verloren hatte, brachte den Titelverteidiger an den Rand einer Niederlage. Nach Toren von Verteidiger Andre Lakos (16.) und Jungstar Thomas Vanek (24.), College-Star in den USA und als erster Österreicher überhaupt in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen, führte der WM-Gastgeber 2005 verdient 2:0. Erst in den letzten zehn Minuten verhinderte der 22-malige Weltmeister die Pleite: Matthew Cooke (51.) und Jungstar Dany Heatley (56.) überwanden Torhüter Reinhard Divis, der eine Weltklasseleistung bot. Der NHL-Profi von den St. Louis Blues ist einer von vier "Amerikanern" im Team Austria: Neben Divis und Vanek spielen auch Trainer-Sohn Thomas Pöck, der bei den New York Rangers in dieser Saison zu seinen ersten sechs NHL-Einsätzen kam, und Ersatztorhüter Bernd Brückler (University of Wisconsin) in Übersee.

Für die enorme Leistungssteigerung seiner Mannschaft, die mit drei Punkten aus den ersten beiden Spielen ihr Zwischenrunden-Ticket bereits sicher hat, hatte Trainer Pöck eine einfache Erklärung. "Sie ist taktisch reifer geworden", sagte der Coach und erläuterte: "Wir spielen das schwedische System. Für das deutsche Defensivsystem bringt der Österreicher nicht die nötige Disziplin über 60 Minuten auf. Wir sind ein bisschen Hallodris und wollen mehr."

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