Schweiz fürchtet Prozesslawine
Reduzierter Flugbetrieb bei Swissair

Nach einer Unterbrechung von gut 48 Stunden wieder die erste Swissair-Maschine vom Flughafen Zürich-Kloten ab. Die Fluggesellschaft rechnete damit, dass gut ein Drittel der im Flugplan vorgesehenen Flüge auch tatsächlich stattfinden werden.

ef ZÜRICH. Wann wieder voll nach Plan geflogen wird, blieb unklar. Am Dienstag hatte die Schweizer Regierung einen Kredit von 450 Mill. sfr (303 Mill. Euro) zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld soll die Swissair bis zum 28. Oktober planmäßig fliegen können.

Mit Beginn des Winterflugplans soll nach den bisherigen Plänen die Crossair AG als Auffanggesellschaft etwa zwei Drittel der bisherigen Swissair-Flüge übernehmen. Die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse Group haben nach dem Kauf von 70 % der Crossair-Aktien aus Swissair-Besitz die Basler Regionalfluggesellschaft mit dem notwendigen Kapital ausgestattet, damit diese die Funktion einer nationalen Fluggesellschaft übernehmen kann. Doch ob dies gelingt, ist noch nicht sicher.

Fraglich ist auch, ob der Schaden, der durch den Swissair-Zusammenbruch im In- und Ausland entstanden ist, zumindest eingedämmt werden kann. Da sind zum einen die nicht honorierten Verträge mit den ausländischen Fluggesellschaften Sabena, Air Littoral, LTU und TAP Air Portugal. Über die Swissair, aber auch über andere Gesellschaften, könnte eine Prozesslawine hereinbrechen, die über Monate das Image der Schweiz weiter beschädigen dürfte.

Der Schweiz droht auch politisches Ungemach. So hat die Brüsseler EU-Kommission den Schweizer Botschafter zu sich gerufen und Erklärungen wegen der staatlichen Hilfe für die Swissair verlangt. Die noch nicht von allen Parlamenten ratifizierten bilateralen Verträge zwischen der Gemeinschaft und der Schweiz verbieten staatliche Subventionen ohne ausdrückliche Zustimmung der EU-Kommission. Noch unklar ist, ob und wie die für die Konzernmutter SAirGroup sowie für Swissair und Flightlease beantragten Nachlassstundungen aussehen werden. Diese Verfahren entsprechen in etwa den deutschen Vergleichsverfahren. Das Schweizer Recht sieht übrigens kein Verfahren für Konzerne vor. Für jede einzelne Gesellschaft muss ein separater Antrag auf Nachlassstundung beim Gericht beantragt werden.

Die SAirGroup-Töchter wie Gate Gourmet, Nuance Trading (Flughafengeschäfte) oder Swissport (Bodendienste) arbeiten gegenwärtig noch normal. Sie sollen möglichst günstig verkauft werden. Seit den Anschlägen von New York und Washington haben sie jedoch an Wert eingebüßt. Swissair-Konzernchef Mario Corti bezifferte die Wertverluste seit dem 11. September auf drei Mrd. sfr.

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