Schweiz-Türkei
„Unsere Türken sollen es richten“

Erstmals nach dem Skandalspiel von Istanbul trifft die Schweiz wieder auf die Türkei - und die Emotionen kochen wieder hoch nach dem Skandalspiel von 2005. "Wir haben nicht vergessen, was damals passiert ist", sagt Tranquillo Barnetta.

BASEL. Knapp eine Stunde dauerte die Fahrt dem Unvermeidlichen entgegen. Gegen elf Uhr Vormittags rollte der rote Bus den Berg Richtung Zürichsee hinunter nach Basel, Spielort der Schweizer "Nati". Die Polizei fuhr mit zwei Fahrzeugen voraus, damit beim wichtigsten Spiel der gesamten EM heute gegen die Türkei nichts schief geht. Es ist ein Endspiel für die Schweiz, und sie fürchten nichts mehr als nach der Partie als gescheiterter Gastgeber dazustehen und für ein Heimturnier verspottet zu werden, das für sie nur vier Tage dauerte. Am Sonntag gegen Portugal müssten sie im Fall einer Niederlage noch ein Spiel austragen, das dann keiner mehr braucht.

Vielleicht aber ist es ein besonderes Glück, dass sie dieses Endspiel in Basel austragen können. Trainer Köbi Kuhn wird sich keine besonderen Motivationshilfen einfallen lassen müssen. Überall wird an das Skandalspiel erinnert. "937 Tage nach der Schand-Nacht", schrieb der "Blick". Für das Internetportal "sport.ch" ist dieses Spiel zwei Jahre, sechs Monate und 25 Tage her - es bleibt ein Ausnahmeerlebnis des Schweizer Fußballs. "Wir haben nicht vergessen, was damals passiert ist", sagt Mittelfeldmann Tranquillo Barnetta.

Bilder wie die vom 17. November 2005 sollen die Spieler motivieren, auch wenn keiner sich wünscht, dass sich die Ereignisse wiederholen. Die Schweiz verlor damals das Relegationsrückspiel für die WM in Istanbul zwar mit 2:4 verloren, hatte sich aber aufgrund des 2:0 im Hinspiel für die WM qualifiziert. Es folgten hässliche Prügelszenen. Die Fifa sperrte Spieler aus beiden Mannschaften. Die Türkei musste zudem 200 000 Franken Strafe zahlen und sechs Länderspiele auf neutralem Boden austragen. "Wir mussten um unser Leben laufen", erinnert sich Marco Streller an die Amokläufe türkischer Spieler, Funktionären und Sicherheitsleute. Stundenlang verbarrikadierten sich die Schweizer in ihrer Kabine.

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