Schweiz will sich Heimturnier nicht vermiesen lassen
Gut trinken, gut essen, gut schlafen

Die Schweiz startet mit einer Pleite in die EM. Doch die Eidgenossen halten den Kopf oben. Noch ist nichts verloren, das lehrt die Fußballgeschichte. Und so will sich weder die Mannschaft noch der Rest der Nation das Heimturnier vermiesen lassen.

BASEL . Eine Woche vor dem Auftaktspiel der Euro 2008 hat es in der Schweiz eine Umfrage gegeben. Ermittelt wurde der sympathischste Landesnachbar. Verloren hat Deutschland, vor Österreich und Frankreich. Sieger wurde Italien, das Land von Roberto Rosetti.

Roberto Rosetti stammt aus Peccetto Torinese im Piemeont. Er ist Verwaltungsangestellter und einer der höchstdekorierten Referees der Welt. Er hat das Eröffnungsspiel der Schweiz gegen Tschechien geleitet, und als es abgepfiffen war und Signore Rosetti nach getaner Arbeit zufrieden dem Stadionausgang zustrebte, da hatte die Schweiz nicht nur gegen Tschechien 0:1 verloren, sondern zugleich auch ihre Zuneigung für „gli italiani". Geschichte war plötzlich der erste Platz und auch das Dekor war dahin. Zum Abschied gab es Würste und Bier, die sich in Form eines Platzregens über Signore Rosetti ergossen.

Es soll jetzt noch einer behaupten, die Schweizer könnten keine Gefühle zeigen. Was hierzulande in den letzten Tagen ja zu der sonderbaren Schlussfolgerung geführt hat, dass es zu einem Sommer wie vor zwei Jahren (Sommermärchen!) bei denen da im Süden wohl nicht reichen wird – ganz so als hätten die Deutschen das dolce vita erfunden. Als Rosetti zwei Handspiele des tschechischen Kapitäns und Innenverteidigers Tomas Ujfalusi, das erste mit strafbar ausgestrecktem, das zweite mit angelegtem Arm, kurz vor Ende der Partie nicht ahndete, da haben die Schweizer getobt, gepfiffen und geschrieen wie wahre Italiener.

Es ist an diesem ersten EM-Abend alles Pech der Fußballwelt über die Elf des Gastgebers gekommen. Schon beim Wetter fing es an. Grau war der Tag, wolkenverhangen, verregnet und kalt. Metereologen sprechen von einer „markanten Kaltfront“, Besserung ist nicht in Sicht. Dann der Gegentreffer: Ecke Tschechien, abgewehrt von Valon Behrami mit dem Kopf, Stirnpass Tomas Galasek in den Lauf von Vaclav Sverkos, der Ex-Gladbacher schob mit kaltem Herzen ein. Dann die beiden Handspiele Ujfalusis, später zum Spieler des Spiels erwählt. Dazu ein Lattenschuss aus sechs Metern von Johan Vonlanthen im Anschluss an den Rückstand. Und schließlich das Knie von Alex Frei. Der Kapitän der Nati musste bereits nach 42. Minuten von Bord, bei einem Zusammenprall mit Zdenek Grygera riss ihm das Innenband im linken Knie ein. Als er vom Feld gebracht wurde, liefen dem Profi von Borussia Dortmund kleine Ströme von Tränen die Wangen hinab. Denn eines stand sofort fest: Bei diesem Turnier gibt es für ihn kein Zurück mehr.

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