Schweizer Exklusiveinrichter spürt erstmals Branchenschwäche
USM schafft es mit feinem Stahl bis in Schröders Büro

Der Einrichter USM hat mit exklusiven Möbeln nach dem Legoprinzip in Deutschland großen Erfolg. Doch nach jahrelangem Wachstum macht die schwache Konjunktur auch den Schweizern zu schaffen.

MÜNSINGEN. Der Chef des größten deutschen Industriekonzerns hat sie genauso wie die Frau des Kanzlers. Und selbst bei Condomi, der Kölner Präservativ AG, stehen die Büroelemente der USM. "Natürlich sind wir ein bisschen stolz auf diese illustre Kundschaft", sagt Alexander Schärer, der Chef des Schweizer Traditionshauses. Schärer ist so eine Art moderner Prominenteneinrichter. Seine Möbel stehen nicht nur in Vorstandsbüros wie etwa bei Hugo Boss, selbst im Kanzleramt in Berlin ist USM inzwischen vertreten.

Die Stücke aus dem Städtchen Münsingen im Kanton Bern kommen beim großen Nachbarn gut an, hier wollen sie weiter wachsen. Verkaufte USM 1997 in Deutschland noch Tische und Bausysteme für 35 Mill. Euro, stiegen die Erlöse 2001 auf 60 Mill. Euro. Deutschland ist für das Unternehmen, dessen Umsatz 2001 rund 120 Mill. Euro betrug, damit wichtigster Markt. Der Expansionsdrang der Eidgenossen stößt aber auf Grenzen. So lege man in der helvetischen Heimat zur Zeit eher einen "Stop" ein.

Der Grund ist simpel. USM dürfe nicht zur Massenware verkommen, die Möbel sollten ihre "Exklusivität" behalten. Immerhin stufte das Oberlandesgericht Frankfurt 1988 die Produktlinie USM Möbelbausystem Haller als "angewandte Kunst" ein. Der Hintergrund: USM hatte gegen einen lästigen Kopisten geklagt - und gewonnen. Vor knapp einem Jahr feierte USM die Aufnahme des Systems Haller in die Design-Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Das Wachstum wird zudem von der Wirtschaftskrise in Deutschland gebremst. Wer Mitarbeiter kündigen muss, schafft sich selten neue Möbel an. USM setzt etwa 70 % der Ware bei Firmen ab, der Rest geht an private Kunden. Für 2002 rechnen die Schweizer nicht mit Umsatzsteigerungen in Deutschland.

Die Flaute macht der ganzen Branche zu schaffen. Der deutsche Büromöbelverband BSO erwartet für das laufende Jahr sogar ein Umsatzminus von 20 %, andere Fachleute sprechen von einem noch größeren Minus. König + Neurath, nach eigenen Angaben die größte deutsche Möbelmarke, erwartet einen Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich. Auch der Anbieter vieler Designklassiker, das Familienunternehmen Thonet, klagt über ein schwieriges Geschäft, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

USM verdankt seinen bisherigen Erfolg einem simplen Schema, den "modularen Elementen" des Möbelbausystems Haller. "Sie lassen sich individuell organisieren und problemlos mit neuen Elementen ergänzen, auch wenn sie vor Jahren angeschafft wurden", sagt Schärer.

Drei Basis-Elemente tauchen immer wieder auf. Die Kugel aus Messing, die Verbindungsrohre aus Stahl sowie die Verkleidungsteile in elf Farben, Glas oder Metall. Das schweizerische System, dem dänischen Lego verwandt, wurde vom USM-Fabrikationsgebäude in Münsingen abgeleitet.

Gründer Ulrich Schärer hatte mit Möbeln noch wenig im Sinn. Er startete 1885 eine Eisenwarenhandlung und Schlosserei im Hinterdorf von Münsingen. Bis 1969 wuchs das Unternehmen - solide aber unspektakulär. Dann jedoch angelten sich die Berner in Paris den ersten Großauftrag. Die Möblierung der Bank Rothschild war der Durchbruch. Bei den edelsten Banquiers der Welt das Interieur zu gestalten, das verlieh USM Prestige und brachte viel Geld. "Damals wie heute sind Qualität, Präzision und Konstanz unsere Markenzeichen", formuliert Schärer. Damit hat er es weit gebracht, in diesem Jahr eröffneten die quirligen Eidgenossen ihren neues Geschäft in New York, mitten in Soho.

Quelle: Handelsblatt

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