Schweizer Hochgefühl nach positiver Wahl für UN-Beitritt
Frischluft für die Schweiz

Nach der erfolgreichen Abstimmung in der Schweiz über einen Beitritt zu den Vereinten Nationen hat sich am Montag eine Art Hochgefühl im Lande ausgebreitet.

dpa GENF. Von «Frischluft für die Schweiz» sprach etwa die «Basler Zeitung», die hofft, dass dies «der Anfang einer wirklichen politischen Klimaveränderung in Richtung Offenheit und Solidarität» wird.

Dieses Stimmungsbild geben auch fast alle anderen Medien wieder. Die Schweiz habe durch ihr Ja mit fast 55 Prozent der Stimmen eine positive Nachricht in die Welt geschickt - nach all den Hiobsbotschaften der letzten Monate wie etwa dem Swissair-Debakel, lautet der Tenor.

Zufriedenheit auch darüber, dass die Gegner des UN-Beitritts um den millionenschweren Parlamentarier Christoph Blocher und seiner SVP die Stimmung im Lande nicht weiter hätten anheizen können. Kaum Zweifel gibt es aber daran, dass diese Opposition sich nun umso stärker auf Gespräche etwa zwischen der Schweiz mit der Europäischen Union und das grenzüberschreitende Schengen-Abkommen konzentrieren wird. Auch mit Blick auf die Bundeswahlen 2003 ahnt etwa die «Basler Zeitung», dass die Niederlage von mehr als 45 Prozent der Bevölkerung Blochers Partei sogar Auftrieb geben könnte.

Gleichzeitig wird auch auf das knappe Zustandekommen der Entscheidung verwiesen. Hätte nur einer der Kantone noch mit Nein gestimmt, wäre der für September geplante Beitritt der Schweiz als 190. Mitglied der Vereinten Nationen hinfällig gewesen.

So mahnt die «Neue Zürcher Zeitung», dass dies ein Warnzeichen sei. Offenbar sei es den Regierenden nicht gelungen, «schweizerische Außenpolitik in der Innenpolitik zu verankern». Vielmehr müsse man dem Bürger zuhören und aufhören, «überall auf der Weltbühne den Musterschüler spielen zu wollen». Und die «NZZ» sieht diese Gelegenheit schon bei den Verhandlungen mit der EU über bilaterale Verträge, was auf eine härtere Gangart hinauslaufen würde.

Wieweit die Abstimmung auch den Graben zwischen der deutsch- und der französisch-sprachigen Westschweiz vergrößert hat, wird ebenfalls noch viel Stoff für innerschweizer Diskussionen sein. Die Westschweizer Zeitung «Le Temps» meint etwa, es habe sich schon in der Vergangenheit gezeigt, dass es in der Schweiz nur mit Hilfe der großen Städte wie Zürich, Basel, Bern und Genf und der Westschweiz eine Politik der Öffnung gebe. Aber diese Abstimmung werde letztlich allen Schweizern nützen, meinte ein EU-Diplomat am Montag. «Irgendwie gehören die jetzt wieder dazu - das ist der wirkliche Erfolg.»

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