Schweizer Pharmariese bietet für slowenischen Lek-Konzern
Novartis baut Geschäft mit Nachahmer-Mitteln aus

Mehr als eine Milliarde Schweizer Franken bietet Novartis für den slowenischen Arzneimittelhersteller Lek. Die Übernahme zielt nicht nur auf eine stärkere Präsenz in Osteuropa. Sie gilt auch als Angriff auf den britischen Novartis-Konkurrenten Glaxo Smithkline und dessen Antibiotikum Augmentin.

shf FRANKFURT/M. Auf dem Markt für patentfreie Arzneimittel bahnt sich eine neue Großübernahme an: Die Basler Novartis-Gruppe plant den Kauf des slowenischen Pharmaherstellers Lek. Das Unternehmen mit Sitz in Ljubljana gehört mit einem Umsatz von umgerechnet 370 Mill. Euro zu den führenden Pharmaherstellern in Osteuropa. Seine Hauptprodukte sind Nachahmermittel (Generika) von patentlosen Erfolgsmedikamenten wie etwa dem umsatzstarken Antibiotikum Amoxycillin.

Novartis bietet für die börsennotierte Lek umgerechnet rund 1,18 Mrd. Franken (812 Mill. Euro) und steuert damit auf eine der bisher größten Übernahmen im Generikasektor zu. Als Motiv hinter dem Schritt vermuten Branchenexperten nicht nur das Ziel einer stärkeren Marktposition in Osteuropa. Auch die Produktionskapazitäten von Lek für Amoxycillin dürften für Novartis hoch interessant sein. Denn das Originalmedikament hat erst vor kurzem den Patentschutz in den USA verloren.

Angriff auf Glaxo Smighkline

Mit der Übernahme greift Novartis vor allem den britischen Konkurrenten Glaxo Smithkline (GSK) an - der bietet das Antibiotikum als Originalhersteller unter dem Namen Augmentin auf dem US-Markt an. Das GSK-Patent auf Augmentin wurde jüngst von der Novartis-Tochter Geneva Pharmaceuticals gerichtlich zu Fall gebracht. Nachdem Geneva im Juli eine erste Generika-Version von Augmentin auf den Markt brachte, ist bei GSK nun ein Umsatz von mehr als 2 Mrd. $ von der neuen Konkurrenz bedroht.

Novartis verfügt durch den Kauf nicht nur über zusätzliche Kapazitäten für den Wirkstoff. Der Konzern wird auch dem juristischen Störfeuer von GSK besser begegnen können. Denn vor wenigen Tagen hatte GSK mehrere Generikafirmen, darunter auch Novartis, mit dem Vorwurf verklagt, sie produzierten Augmentin-Kopien mit gestohlenen Zell-Linien aus GSK-Labors - Antibiotika wie Amoxycillin werden mit Hilfe von Pilzen oder Bakterien hergestellt. Durch die Übernahme von Lek würde Novartis Zugriff auf Zell-Linien erhalten, die von der Klage des britischen Konkurrenten bisher nicht betroffen sind.

Trend geht zur Globalisierung im Generikageschäft

Die Übernahme liefert zudem einen weiteren Beleg für den Trend zur Globalisierung im Generikageschäft. Er führte in den vergangenen Jahren bereits dazu, dass sich einerseits US-Firmen stärker in Europa engagierten, andererseits indische und europäische Generikafirmen in den USA zukauften. So haben sich in jüngerer Zeit zum Beispiel auch die großen deutschen Generika-Anbieter wie Ratiopharm, Merck KGaA, Hexal und Stada durch Akquisitionen in Nordamerika verstärkt. Angetrieben wird dieser Prozess unter anderem von einem relativ starken Preiswettbewerb sowie steigenden Kosten für Zulassungsverfahren und Marketing. Vertreter der Branche wie auch viele Analysten daher davon aus, dass sich das Geschäft nach und nach auf relativ wenige Anbieter konzentrieren wird.

Tonangebend bei Generika sind bisher überwiegend kleinere und mittelgroße Pharmaspezialisten, darunter US-Firmen wie Ivax, Andrx und Mylan oder die israelische Teva-Gruppe. Unter den großen Pharmakonzernen ist Novartis praktisch der einzige, der sich noch im Generikageschäft engagiert. Zusammen mit Lek dürften die Schweizer sogar zum größten Hersteller in dem Segment avancieren.

Dessen ungeachtet gab der Novartis-Kurs an der Börse am Donnerstag leicht nach. Novartis erzielte mit Generika bisher rund 2,4 Mrd. sfr (1,6 Mrd. Euro) Umsatz und ist in den vergangenen Jahren bereits durch mehrere Zukäufe expandiert. Hauptgeschäft bleibt aber das 20 Mrd. sfr starke Geschäft mit verschreibungspflichtigen Originalmedikamenten.

Ein ähnliche Strategie wie Novartis steuert ansonsten nur die Darmstädter Merck KGaA, die ebenfalls sowohl Originalmedikamente als auch Generika anbietet. Alle anderen etablierte Pharmahersteller haben dagegen ihre Versuche, im Nachahmergeschäft Fuß zu fassen, längst wieder aufgegeben.

Quelle: Handelsblatt

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