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Schweizer Regierung setzt SAir-Arbeitsgruppe ein

Der in einer Führungskrise steckende Schweizer Luftfahrtkonzern SAirGroup hat am Montag auch an der Börse kräftig Federn lassen müssen.

Reuters ZÜRICH. Der in einer Führungskrise steckende Schweizer Luftfahrtkonzern SAirGroup hat am Montag auch an der Börse kräftig Federn lassen müssen. Nach der Rücktrittsankündigung des Verwaltungsrates und dem Absprung von SAirLines-Chef Moritz Suter wurde am Montag an der Börse über die Höhe des Verlustes spekuliert, den die Gruppe im Jahr 2000 eingeflogen haben dürfte. Die SAir-Aktie verlor gut 13 % und sank auf ein Mehrjahrestief bei 174 sfr. Die Bundesregierung in Bern setzte eine Arbeitgruppe aus Vertretern verschiedener Ministerien ein. Sie soll unter anderem prüfen, ob die Regierung als Aktionär der Swissair-Führung die Entlastung erteilen soll. Der Bund hält noch drei Prozent an SAir.

Nach der Rücktrittsankündigung praktisch des ganzen Verwaltungsrates am vergangenen Freitag hagelte es über das Wochenende Kritik von allen Seiten. Nicolas Hayek, als Chef des Uhrenkonzerns Swatch einst als Retter der Schweizer Uhrenindustrie gefeiert, sprach in einem am Montag veröffentlichten Interview der Zeitung "Blick" von "Schande". Er schäme sich, "dass wir in der Schweiz nicht fähig sind, eine nationale Fluggesellschaft erfolgreich zu führen".

Bundespräsident und Verkehrsminister Moritz Leuenberger sagte am Montag Nachmittag, die Arbeitsgruppe des Bundes werde die SAir-Bilanz genau prüfen. Er warnte aber vor dem voreiligen Schluss, der Bund stelle damit die Decharge oder die Abnahme der Rechnung in Frage. Die Swissair, die Kern-Fluggesellschaft unter dem Dach der SAir, habe grosse volkswirtschaftliche Bedeutung, der Bund sei für die politischen Rahmenbedingungen verantwortlich und zudem gebe es historische und emotionale Gründe dafür, dass sich der Bundesrat für die Zukunft der SAirGroup einsetze. Er selbst sei über die ganze Situation "emotional sehr betroffen", sagte der Bundespräsident.



Verlust könnte auch doppelt so hoch sein

Die Zürcher Kantonalbank schätzte den Verlust bei SAir auf 770 Mill. sfr. Nach Ansicht von ZKB-Analyst Patrik Schwendimann könnte der Betrag aber auch doppelt so hoch ausfallen, je nachdem wie die Problembeteiligungen wie etwa Sabena konsolidiert würden. In Medienberichten wurden noch höhere mögliche Verluste genannt. SAir-Pressesprecherin Beatrice Tschanz sprach in einer Sendung des Schweizer Fernsehens DRS mit Blick auf das Ergebnis 2000 von einem "unseligen" Resultat. Geplant war die Veröffentlichung der Zahlen am 2. April. Angesichts der ausufernden Spekulationen fühlt sich der Konzern gezwungen, diesen Termin vorzuziehen. Christine Bühler, Sprecherin der SAirGroup, erklärte, "wir hoffen, in dieser Woche noch den Termin für die Bilanzmedienkonferenz nennen zu können".

Unterdessen versuchte der abtretende VR-Präsident Eric Honegger die Wogen zu glätten. In einem am Montag veröffentlichten Mitarbeiterbrief erklärte er: "Ich kann ihnen versichern, dass es keine "Orientierungslosigkeit gibt. Der Verwaltungsrat nimmt seine Verantwortung wahr".

Fünf VR-Mitglieder wollen auf die Generalversammlung vom 25. April 2001 zurücktreten. Vier weitere, Honegger eingeschlossen, wollen zur Generalversammlung 2002 den Hut nehmen.

Honegger versprach für die kommendende Bilanzmedienkonferenz, dass "wir mit voller Transparenz unseren Jahresabschluss und alle Zahlen zu unseren Beteiligungen auf den Tisch legen".



Kritik an der Informationspflicht

An der Frage der Transparenz entzündete sich ebenfalls Kritik. Der SAir-Leitung wird vorgeworfen, sie habe Aktionäre und Öffentlichkeit nicht ausreichend über die Einzelheiten der verschiedenen Beteiligungen informiert. Ein renommierter Bücherexperte wollte zumindest nicht ausschliessen, dass SAir ihren Veröffentlichungspflichten nicht voll nachgekommen sei.

Honegger zeigt sich in dem Brief überzeugt, "schon bald den neuen SAirLines-Chef bekannt geben zu können". Der bisherige Chef des Fluggeschäfts, Crossair-Gründer und Leiter Moritz Suter, war in der letzten Woche nach einer Amtszeit von nur 44 Tagen wieder zurückgetreten. Als möglicher Nachfolger der SAirLines wird der 39jährige Deutsche Christoph Müller gesehen, der gegenwärtig die Leitung der belgischen Sabena inne hat, an der SAir 49 % hält.

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