Schweizer Swissair-Mutter droht die Pleite
SAir Group mit finanziellen Problemen

Nach Pressemeldungen hat der Schweizer Luftfahrtkonzern, zu dem u.a. die Swissair und die deutsche LTU gehören, im vergangenen Jahr 3,2 Mrd. DM Verlust gemacht. Bereits am Freitag hatte das Verwaltungsgremium seinen Rücktritt angekündigt.

dpa/afx ZÜRICH. Der Schweizer Luftfahrtkonzern SAir Group hat nach Informationen der Schweizer "Sonntagszeitung" im vergangenen Jahr 2,5 Mrd. CHF (1,6 Mrd. Euro/3,2 Mrd DM) Verlust gemacht.

Wenn die Banken nicht einen Kredit von einer Mrd. CHF zur Verfügung stellten, stehe das Traditionsunternehmen vor der Pleite, berichtete die Zeitung. "Der Niedergang der SAir Group entwickelt sich zum größten Skandal der Schweizer Wirtschaftsgeschichte", schrieb die Zeitung. Das Aktienkapital sei zu über 50 % verbraucht.

Ins finanzielle Desaster führten die Beteiligungen in Frankreich, Belgien und Deutschland (LTU). Sie belasten die Konzernrechnung, die am 2. April in Zürich vorgestellt wird, nach Informationen der Zeitung allein mit 1,7 Mrd. CHF. Die drei Gesellschaften in Frankreich, AOM, Air Littoral, und Air Liberté kosteten die SAir 900 Millionen Franken, der deutsche Ferienflieger LTU 360 Millionen Franken und die belgische Sabena 320 Millionen Franken.

"Die SAirGroup wird nicht in Konkurs gehen", sagte Verwaltungsratspräsident Eric Honegger am Sonntag.

Verwaltungsrat tritt zurück

Das hochkarätig besetzte Aufsichtsgremium hatte am Freitagabend in einem einmaligen Vorgang seinen Rücktritt angekündigt.

"Dass das Unternehmen vor der Pleite steht, ist eine unzulässige Spekulation", sagte Kommunikationschefin Beatrice Tschanz. "Die Zahlen, die die Presse bringt, stimmen so nicht." Es sei klar, dass das vergangene Jahr mit einem Verlust abgeschlossen werde. Die Zahlen würden aber erst am 2. April veröffentlicht. Zur SAir gehören unter anderem die Swissair, Crossair und der Ferienflieger Balair.





Sanierungskonzept der LTU kommt gut voran

Nach Angaben von Tschanz steht nun die Bereinigung der Beteiligungen im Vordergrund. Für Frankreich und Belgien würden Ausstiegsszenarien geprüft. Bei der LTU in Düsseldorf komme das Sanierungskonzept dagegen gut voran. Ein Ausstieg sei nicht geplant. Die SAir ist an dem Ferienflieger zu 49,5 % beteiligt.

Verwaltungsratspräsident Honegger wehrte sich gegen Vorwürfe, der Aufsichtsrat habe dem Debakel zu lange tatenlos zugesehen. Das Ausmaß der Probleme sei erst in der zweiten Jahreshälfte 2 000 ans Licht gekommen, sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung".

Mehr zum Rücktritt des Verwaltungsgremiums

Nach Informationen der Presse bereitet die Börsenaufsicht eine Untersuchung vor. Ihr Präsident Giorgio Behr warnte, er könne "eine Verletzung der Rechnungslegungs- und Offenlegungspflicht nicht mehr ohne weiteres ausschließen." Ein Anwalt in Zürich kündigte die Gründung einer Schutzgemeinschaft für die Aktionäre der SAir an.



Aktionäre drohten bereis mit Klagen

Die Aktionäre prüften eine Klage, weil sie über die finanziellen Risiken der Auslandsbeteiligungen nicht genügend informiert gewesen seien. Der Kurs der SAir-Papiere hat sich seit Frühjahr 1998 von 400 Franken praktisch halbiert.



Neben neuen Aufsichtsräten werden auch neuen Spitzenmanager gesucht

Neben neuen Aufsichtsräten sucht die SAir auch intensiv nach Spitzenmanagern. Für den nach sechs Wochen im Amt zurückgetretenen Leiter des Fluggeschäfts ist der deutsche Sabena-Chef Christoph Müller im Gespräch.

Auch für den im Januar entlassenen Konzernchef Philippe Bruggisser, der für die aggressive Beteiligungsstrategie verantwortlich war, gibt es noch keinen Nachfolger. Seine Aufgaben nimmt Honegger wahr. Die Presse verweist darauf, dass Honegger als Politiker in das Gremium kam und weder Airline- noch Managementerfahrung hat.

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