Schweizer Telekomkonzern hat 10 Milliarden Franken in der Kasse: Das Geld muss raus bei Swisscom

Schweizer Telekomkonzern hat 10 Milliarden Franken in der Kasse
Das Geld muss raus bei Swisscom

Aus Mangel an geeigneten Kaufobjekten erwägt Swisscom den Rückkauf von Aktien. Analysten erwarten, dass dies den Aktienkurs des Schweizer Telekomkonzerns um bis zu sechs Prozent steigern könnte.

BERN. Jens Alder weiß nicht so recht, wohin mit dem vielen Geld. Der Chef des Schweizer Telekomkonzerns Swisscom findet seit mehr als einem Jahr kein Unternehmen, das er übernehmen will. Daher wird eine andere Geldanlage immer wahrscheinlicher: Alder erwägt den Rückkauf von Swisscom-Aktien, um den Aktionären das Geld aus der gut gefüllten Kriegskasse zurückzugeben. "Die Entscheidung wird in der ersten Hälfte dieses Jahres fallen", sagt der Swisscom-Chef. Bei einem Aktienrückkauf werde der Konzern voraussichtlich eigene Titel im Wert von mindestens 1 Mrd. Schweizer Franken (670 Mill. ?) zurückkaufen.

Swisscom ist derzeit der heimliche Primus unter den europäischen Telekomkonzernen, wenn auch in der zweiten Reihe. Zwar steht das Unternehmen gemessen an der Börsenkapitalisierung hinter den großen Ex-Monopolisten wie Deutsche Telekom, France Telecom und Telecom Italia. Doch die Gesellschaft aus den Berner Alpen ist nach Ansicht von Analysten einer der gesündesten Telekomkonzerne in Europa. Swisscom ist netto schuldenfrei, erwirtschaftet Gewinne und hat 10 Mrd. Franken (6,8 Mrd. ?) in der Kriegskasse. Einziger Makel aus Sicht der Analysten: Die Schweizer sind zwar grundsolide, aber dafür etwas langweilig. Denn das künftige Wachstum des Unternehmens ist begrenzt.

Der Konzern konzentriert sich auf den Heimatmarkt. Der einzige Wachstumskandidat ist die Tochter Debitel. Der Telekomdienstleister aus Stuttgart vermarktet in erster Linie Mobilfunkverträge anderer Netzbetreiber. Europaweit hat Debitel 10 Millionen Kunden.

"Führend in ausgewählten Märkten werden"

Swisscom verfolgt eine Nischenstrategie: "Wir wollen in ausgewählten Märkten, die für die Großen nicht interessant sind, führend werden", sagt Alder. Dafür hat er vor allem diese beiden Bereiche ausgemacht: "Länderübergreifende Unternehmen, die Datendienste für Geschäftskunden anbieten sowie Unternehmen, die vor- oder nachgelagerten Bereiche der Wertschöpfung eines Service-Providers übernehmen", erzählt Alder. Zum letzteren gehören Anbieter von Mobilfunkdiensten, die Inhalte oder technische Plattformen entwickeln. Doch die Suche nach einem solchen Unternehmen blieb bisher erfolglos. Kein Kandidat hat Alders Kriterien erfüllt: Eine Übernahme müsse strategisch Sinn machen, das Unternehmen müsse gut geführt und der Preis vernünftig sein. "Es ist wirklich nicht so, dass wir nichts getan hätten, um Geld auszugeben", berichtet Alder, "wir hatten zeitweise zehn bis zwölf Angebote pro Woche, die uns unaufgefordert vorgelegt wurden."

Analysten honorieren bisher die strengen Kriterien der Swisscom bei der Auswahl der Kaufkandidaten. "Es ist wirklich schwierig für ein Unternehmen dieser Größe, eine sinnvolle internationale Strategie aufzubauen", sagt Reto Portmann von der Bank Sarasin. Trotz der zahlreichen Unternehmen, die jetzt teilweise sehr günstig angeboten würden, sei ein Aktienrückkauf für Swisscom die eindeutig bessere Methode, um die Rendite der Anteilseigner zu steigern. Bei einem Aktienrückkauf im Umfang von 1 bis 2 Mrd. Franken werde sich der Gewinn pro Aktie um bis zu 6 % erhöhen, sagt Portmann voraus. Zur Zeit steht der Kurs bei etwa 480 Franken. Noch im Sommer 2000 spielten die Schweizer mit der Idee, zu einem europäischen Mobilfunkbetreiber aufzusteigen. Debitel wollte eine UMTS-Lizenz in Deutschland ersteigern, ist aber wegen der hohen Milliardengebote vorzeitig aus der Auktion ausgestiegen. Dies gab bei Swisscom den Ausschlag, die Strategie zu ändern. Lange fühlte sich der Swisscom-Chef "wie der Geisterfahrer auf der Autobahn", weil kaum jemand verstand, dass die Tochter Debitel auf eine UMTS-Lizenz verzichtete und damit auf die Eintrittskarten in einen Wachstumsmarkt. Doch aus heutiger Sicht ging die Strategie auf: Während die Aktienkurse der anderen Telekomkonzerne im vergangenen Jahr teilweise sehr drastisch einbrachen, hielten sich die Einbußen bei Swisscom noch im Rahmen.

Die Entscheidung für eine Nischenstrategie ist den Schweizern laut Alder nicht leicht gefallen, denn Kostenvorteile lassen sich jetzt nur begrenzt erzielen. Längerfristig sei damit die Unabhänigkeit des Unternehmens gefährdet. Zunächst verhindert aber ein Gesetz in der Schweiz eine feindliche Übernahme. Im Prinzip hätte Alder unter bestimmten Bedingungen ohnehin nichts gegen einen starken Partner einzuwenden: "Wenn wir keine Überlebenschance haben, ohne Teil eines Konglomerats zu sein, werden wir uns für eine Übernahme einsetzen."

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