Schweizer übernimmt Vorstandsvorsitz am Mittwoch
Josef Ackermann - neue Strategie für die Deutsche Bank

Wenn Josef Ackermann am Mittwoch offiziell das Zepter bei der Deutschen Bank übernimmt, blicken nicht nur die Besucher der Hauptversammlung gespannt auf die ersten Schritte des neuen Vorstandssprechers. Hohe Erwartungen lasten auf dem Schweizer, der das Institut profitabler machen und auf der Weltrangliste nach oben führen will.

DÜSSELDORF. In der Handelsblatt.com-Bilanz bekommt der neue Vorstandsvorsitzende Schulnoten für die Fächer Strategie, Produkte, Führung, Shareholder Value und Informationspolitik.

Strategie: 2-

Ackermann gilt als Stratege, der lieber im Stillen arbeitet - aber effizient. Die neue Führungs- und Konzernstruktur trug schon in ihren Grundzügen die Handschrift des Schweizers. Um dem Institut zu neuer Weltgeltung zu verhelfen, muss es wie Welt-Konzerne aufgebaut sein, so sein Ansatz. Dazu gehört nach Auffassung Ackermanns neben der neuen Führungsstruktur, die den Vorstandschef fast so machtvoll ausstattet wie einen CEO nach US-Vorbild, die Umgestaltung der Geschäftsbereiche. Der neue Chef will das Privatkundengeschäft bündeln und wieder enge an den Konzern binden. Klare Strategie - verbunden mit einem erneuten Kraftakt für das Unternehmen und die Mitarbeiter. An der Basis ist daher auch deutliches Kopfschütteln zu vernehmen: Die letzte Strukturreform ist noch nicht richtig umgesetzt, da gehört sie bereits zum alten Eisen, und wieder stehen die Banker vor einer für sie ungewissen Zukunft. Der neue Chef muss diese Sorgen seiner Mitarbeiter ernster nehmen, um sie für die Aufgaben genügend motivieren zu können.

Produkte: 2+

In seinem eigenen Bereich Corporate und Investment Bank (CIB) hat Ackermann nach Einschätzung zahlreicher Beobachter einen guten Job gemacht - selbst im Verlustjahr 2001. Dass die Bank in diesem Bereich erfolgreich war, gilt als Verdienst des Schweizers. CIB trägt mittlerweile mehr als 60 Prozent zum Konzernergebnis bei. Künftig verantwortet Ackermann auch die bislang von Breuer betreuten Bereiche Privatkunden und Asset Management. Sein Landsmann Pierre de Weck soll für das lukrative Geschäft des Wealth Management, die Rundum-Betreuung Superreicher, weltweit Kunden gewinnen. Das Beteiligungsgeschäft hingegen will die Bank unter Ackermann zurückfahren. Auch hier: klare Ziele, doch muss Ackermann nun erst beweisen, ob er sie umsetzen kann und ob die Strategie aufgeht. Die Benotung enthält somit Goodwill.

Führungskompetenz: 2-

Auf große Resonanz - bei Analysten, aber auch bei Kritikern - traf Ackermanns Konzept, den Vorstand zu verkleinern und ihm ein zwölfköpfiges Group Executive Committee an die Seite zu stellen - beiden steht der Vorstandssprecher vor. Das deutsche Aktienrecht werde ausgehebelt, wird befürchtet. Formal ist dies natürlich nicht so einfach möglich. Doch der Vorstand, der nach wie vor Entscheidungen absegnen muss, wird sich nur schwer gegen die im Exekutiv-Komitee gefällten Vorgaben stellen können. Eine Machtfülle wie bei einem Chief Executive Officer (CEO) nach US-Vorbild sehen Beobachter denn auch bei Ackermann gebündelt. Diese Macht erkämpfte sich der Breuer-Erbe gegen Thomas Fischer, der daraufhin zurücktrat. Die Bank verlor damit einen allseits respektierten Risikomanager. Zudem fallen künftig Fehlentscheidungen weit stärker auf den Chef zurück als früher. Ackermann kann sich nicht hinter seinem Vorstand verstecken. Die Strategie steht und fällt somit mit der Person Ackermann. Vieles wird davon abhängen, wie er mit dem künftigen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Breuer zusammenarbeitet, wie eindeutig er sein Konzept in Vorstand und Komitee durchsetzen kann und wieweit ihn seine persönlichen Führungskompetenzen tragen. Die gelten als ausgeprägt. Ackermann vertraut in erster Linie einem engen Kreis von Mitarbeitern, denen er im Gegenzug großen unternehmerischen Freiraum zubilligt. Dieses hierarchische Prinzip birgt Risiken: Ackermann muss sehen, in den unteren Rängen nicht den Durchblick zu verlieren; er muss der Gefahr begegnen, Tendenzen dort zu verkennen.

Shareholder Value: 1-

Wenn Josef Ackermann im Gesamtkonzern so erfolgreich arbeitet wie im bislang von ihm betreuten Bereich, können die Aktionäre aufatmen. Zumindest haben sie eine Messlatte: Den Kurs der Bank will der neue Chef auf rund 100 Euro erhöhen. Nebenziel: Eine Übernahme der Bank soll so erschwert werden. Die Strategie, das Ziel zu erreichen, ist ehrgeizig: Die Kosten sollen um rund zwei Milliarden Euro sinken, das neue Privatkunden-Konzept soll den Geschäftsbereich profitabler machen. Dass Ackermann es schafft, Industriebeteiligungen kurzfristig abzustoßen, gilt als wahrscheinlich: Alle Konzerne stehen unter Druck, denn die Steuerbefreiung für Gewinne aus Beteiligungsverkäufen steht nach der Bundestagswahl zur Disposition.

Informationspolitik: 3+

Der neue Deutsche-Bank-Chef gilt als Arbeiter im Stillen. Charisma fehle, bemängeln einige. Andererseits ist er als umgänglich, verbindlich bekannt. Wichtig ist daher, wie sehr es ihm gelingt, nicht nur gute Strategien zu entwickeln und umzusetzen, sondern seine Arbeit auch zu kommunizieren - der Öffentlichkeit, den Aktionären, den Mitarbeitern.

Gesamtnote: 2

Josef Ackermann ist Stratege, nicht unbedingt der Mann fürs Bad in der Menge, wie auch hausintern eingeschränkt wird. Doch für das Institut bringt der Mann damit die wesentlichen Qualifikationen mit. Die Bank braucht genau das: klare Strategien, richtungweisende Entscheidungen.

Wie beurteilen Sie die Führungskompetenz des neuen Chefs der Deutschen Bank? Stimmen Sie ab unter www.handelsblatt.com/frage.

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