Schweizer Verleger startet Monatsmagazin
Ringier kehrt nach Deutschland zurück

Der größte Schweizer Medienkonzern Ringier kehrt nach der Einstellung des Reisemagazins "Globo" vor zwei Jahren wieder nach Deutschland zurück. Das neue politische Monatsmagazin "Cicero" soll im ersten Quartal des nächsten Jahres starten, sagte Konzernchef Michael Ringier dem Handelsblatt. Die Druckauflage wird 100 000 Auflage sein.

HB ZÜRICH. Eine Redaktion unter der Führung des früheren "Welt"-Chefredakteurs Wolfram Weimer hat in Potsdam bereits Nullnummern produziert. Der von Ringier und Weimer gemeinsam entdeckte Name Cicero - in Anlehnung an den gleichnamigen römischen Philosophen, Politiker und Autor - soll den intellektuellen Anspruch des Projekts unterstreichen. Von der Rezession auf dem deutschen Werbemarkt lässt sich der Züricher Verlagsriese nicht abschrecken.

Gleichzeitig will der Züricher Verleger das Berliner Elite-Magazin als Talentschmiede für den Konzern nutzen. "Wir brauchen für den Schweizer Journalismus das intellektuelle Potenzial von Deutschland. Für gescheite Leute benötige ich eine attraktive Einstiegsmöglichkeit", sagt Ringier. Er habe auch für die Schweiz anspruchsvolle Projekte vor.

Mit der Neugründung "Cicero" hofft Ringier aber auch auf einen Prestigegewinn. Die in der Boulevard-Zeitung "Blick" verbreitete angebliche Sex-Affäre des früheren Schweizer Botschafters in Berlin, Thomas Bohrer, schadete dem Ansehen des Printkonzerns schwer. Ringier entschuldigte sich öffentlich und zahlt laut Schweizer Medien ein Schmerzensgeld in sechsstelliger Höhe.

Auch eine geplante Fusion seines Unternehmens mit der Axel Springer AG scheiterte im November letzten Jahres. Ringier fürchtete nach monatelangen Verhandlungen mit Gesellschafterin Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner am Ende um seine Unabhängigkeit und seinen Einfluss.

An Durchhaltevermögen soll es bei dem "Cicero"-Projekt nicht mangeln. "Ich halte in der Regel lange durch. Man merkt aber nach einem Jahr, vielleicht auch nach einem halben Jahr, ob eine Zeitschrift eine Akzeptanz bei Lesern und Werbekunden findet", sagt Ringier.

Im Gegensatz zu vielen deutschen Printhäusern ist Ringier wirtschaftlich in einer relativ stabilen Verfassung. Im letzten Jahr hatte sich der Umsatz des größten Schweizer Medienunternehmens um 2,8 % auf knapp 708 Mill. Euro verringert. Der Gewinn hingegen legte von 23,4 auf 26,8 Mill. Euro zu.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%