Schweizer Verleger will Springer-Anteile von Kirch
Springer verhandelt mit Ringier über Übernahme

Springer verhandelt mit dem Schweizer Printkonzern Ringier darüber, die beiden Unternehmen zusammenzulegen. Im ersten Zug soll Springer das Züricher Medienhaus kaufen. Mit dem Geld will Ringier dann das Aktienpaket von Leo Kirch an Springer übernehmen, berichten Verhandlungskreise.

HB DÜSSELDORF/HAMBURG. Der Axel Springer Verlag will nach Informationen des Handelsblatts über eine Fusion mit Ringier zum größten Printkonzern in Europa aufsteigen. Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren war, soll Springer (Bild, Welt, Hörzu) zuerst den Züricher Verlag (Blick, Betty Bossi, Cash) komplett übernehmen. Mit den Millionen ausgestattet, kauft dann Gesellschafter und Vorstandschef Michael Ringier das 40-prozentige Aktienpaket von Leo Kirch an Springer.

"Wenn Springer Ringier kauft, hätten die Schweizer das Geld, die Kirch-Anteile zu übernehmen", sagte ein Insider zu der geplanten Überkreuzbeteiligung zwischen den beiden Printhäusern. "Es klemmt aber noch beim Preis", hieß es in Verhandlungskreisen. Der Knackpunkt sei die Bewertung von Ringier. Zuletzt machte das Schweizer Medienhaus 2001 einen Umsatz von 1,062 Mrd. Schweizer Franken. Der Gewinn lag jedoch nur bei 34,8 Mill. Euro. In Schweizer Branchenkreisen wurde die Liquidität mit rund 100 Mill. Schweizer Franken angegeben. Der Wert des Springer-Pakets von Leo Kirch wird auf rund 800 Mill. Euro geschätzt.

Verschmelzung würde Sinn machen

Weder Springer noch Ringier wollte eine Verschmelzung beider Verlage bestätigen. Ein Ringier-Sprecher erklärte lediglich, Verhandlungen liefen noch und könnten sich "bis Anfang Oktober" hinziehen. Zu Inhalten wollte der Sprecher keine Angaben machen.

Eine Verschmelzung der zwei Unternehmen würde sowohl für Springer als auch für Ringier Sinn machen. Das Portfolio beider Häuser ergänzt sich nach Meinung von Beobachtern gut, auch in Osteuropa gibt es keine Überschneidung.

Wenn es nach dem Willen Springers geht, soll die Familie Ringier künftig 35 % erhalten. Weitere 5 % würde dann die derzeitige Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer übernehmen, die sich damit dauerhaft die Mehrheit gesichert hätte. In Branchenkreisen wurde gestern spekuliert, dass Friede Springer sogar einen noch höheren Anteil anstrebt, um bei einem juristischen Zerwürfnis mit ihren Stiefenkel Ariane und Axel Sven Springer die Mehrheit fest in Händen zu halten.

Springer-Chef Döpfner und Verleger Rignier würden bereits seit eineinhalb Jahren über ein Zusammenrücken beider Konzerne sprechen. "Was Springer will, ist eine klassische Überkreuzbeteiligung. Der Knackpunkt ist jedoch der Einfluss des künftigen Springer-Gesellschafter Ringier im Vorstand", sagte ein Kirch-Insider. Spekulationen, dass sich Döpfner gegen den von der schweizerischen Seite verlangten Sitz im Vorstand des Verlages sperre, wurden nicht bestätigt. Im Gegenteil, in Verhandlungskreisen hieß es: "In einem erweiterten Vorstand wird es zwei Vorstandsposten für Ringier geben".

Finanzierung über ein Darlehen

Springer will den Kauf von Ringier offenbar mit Darlehen finanzieren. "Auf Grund der soliden Finanzierung bei Springer gibt es kein Finanzierungsproblem", hieß es gestern in Verhandlungskreisen. Die Deutsche Bank gilt als Hausbank Springers. Dort sind auch die Anteile von Kirch verpfändet. Am heutigen Freitag läuft die Frist für Leo Kirch ab, seine Springer-Beteiligung selbst zu verkaufen. Sollte Kirch dies nicht gelingen, gehen die Anteile eventuell an die Deutsche Bank.

Ob der Frankfurter Finanzriese, bei dem Kirch mit 730 Mill. Euro in der Kreide steht, tatsächlich sein Pfandrechte ausüben wird, ist offen. "Die Neigung der Deutschen Bank das Paket selbst zu verkaufen, ist sehr gering", war sich ein Kirch-Vertrauter sicher.

Kirch rüstet sich unterdessen für ein weiteres Gefecht mit Springer. Der Filmhändler will Dienstag auf der Springer-Hauptversammlung eine Sonderprüfung durch die BDO Deutsche Warentreuhand durchsetzen. Zudem will Kirch den Springer-Vorstand und die mittelbare Mehrheitsaktionärin Friede Springer auf Schadensersatz verklagen. Dies geht aus einer Einladung zur Hauptversammlung des Springer-Verlags hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Kirch war mit seinen Anträgen auf dem letzten Aktionärstreffen Ende Juni gescheitert, da sie nicht zur Abstimmung zugelassen wurden.

Quelle: Handelsblatt

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