Schweizer Vermögensverwalter weichen ins Ausland aus
Pictet macht deutsche Banken flott

Die Schweizer Privatbank Pictet fühlt sich als spezialisierte Bank für die Vermögensverwaltung durchaus wohl. Die Notwendigkeit zu fusionieren - wie andere Wettbewerber - verspürt man in der Firmenzentrale in Genf nicht.

FRANKFURT/M. "Wir sind mit aktuell 106 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen groß genug", sagte Heinrich Adami, für das Deutschlandgeschäft zuständiger Manager von Pictet im Gespräch mit dem Handelsblatt. 2002 sei ein gutes Jahr gewesen, und auch im nächsten Jahr rechnet Adami wieder mit einem Anstieg der Anlagesumme von 5 bis 10 %.

Damit hebt sich das Genfer Finanzhaus, in der Vermögensverwaltung eines der größten in Europa, vom Schweizer Privatbankensektor ab. Julius Baer hat die Märkte mit einer Gewinnwarnung beunruhigt. Patrick Odier, Teilhaber bei Lombard Odier Darier Hentsch, rechnet in diesem Jahr mit Gewinneinbußen bei den Schweizer Privatbanken um rund 30 %. Die Boston Consulting Group sieht die Lage noch dramatischer: Kleine, unabhängige Schweizer Privatbanken mussten 2002 Ertragsrückgänge von durchschnittlich 43 % hinnehmen.

Dadurch wird der Schweizer Markt durcheinander gewürfelt. Im Frühsommer fusionierten bereits die beiden Genfer Privatbanken Lombard Odier und Darier Hentsch. Kurz zuvor stieg die niederländische Rabobank bei der Traditionsbank Sarasin ein. Der Grund waren Nachfolgeprobleme an der Unternehmensspitze des Schweizer Bankhauses. Die Schweizer Banken reagieren auf die schlechte Lage mit Kostensparprogrammen. Nach Angaben der Schweizerischen Bankiersvereinigung wird die Zahl der Bankangestellten von 112 000 Anfang 2001 auf unter 100 000 Ende dieses Jahres sinken.

Trotz der Probleme gelten Schweizer Banken im Geschäft mit wohlhabenden Kunden nach wie vor als Vorbilder. "Die großen Schweizer Banken machen es uns in ihrem Heimatmarkt vor, wie man sich gut und profitabel aufstellen kann", lobte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Rolf-E. Breuer. Auch im deutschen Markt hat Pictet als einer der wenigen Ausländer Fuß gefasst. "Bei Kunden mit einem Vermögen von über 100 Mill. sind wir in Deutschland führend," glaubt Adami. Die Konkurrenz der heimischen Institute hält sich hierbei in Grenzen. "Die deutschen Häuser waren in diesem Geschäft nie sehr präsent, sie kommen erst jetzt drauf." Die Zahlen der Deutschen Bank belegen dies: Sie hat im vergangenen Jahr lediglich 17 % ihrer Erträge in der Vermögensverwaltung in Deutschland verdient, im Geschäft mit Superreichen (Wealth Management) waren es nur 13 %. Die Kundenzahl stagnierte von 1999 bis 2001 bei 500 000 vermögenden Privatkunden. Trotz der verpassten Gelegenheiten warnt Adami davor, die deutschen Häuser als Wettbewerber zu unterschätzen. "Die Hausbankfunktion ist ein ganz klarer Wettbewerbsvorteil für die heimischen Institute", sagt er.

Die US-Institute seien dagegen nur in Boomphasen an der Börse ernst zu nehmende Wettbewerber, da sie als besonders innovativ gelten. In den gegenwärtigen Bärenmärkten würden dagegen die soliden Schweizer Traditionsbanken profitieren. Bei den Amerikanern, die den deutschen Markt erobern wollten ist Ernüchterung eingekehrt. Morgan Stanley reduziert die Mannschaft bereits wieder. Auch Merrill Lynch hat sich von seinen Wachstumsplänen verabschiedet.

Das Potenzial in Deutschland wird als sehr gut eingeschätzt. Unternehmensberatungen gehen von über 360 000 potenziellen Zielkunden aus. Hinzu kommen rund 3 000 anstehende Firmenverkäufe. Diese Zahl hält Adami für zu optimistisch. Er rechnet mit lediglich 1 000 zum Verkauf stehenden Firmen. Um diese Mandate würden sich 10 bis 15 Finanzinstitutionen streiten.

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