Schweizer Versicherung will deutsche Niederlassung verkaufen
Rentenanstalt stellt Verkaufsliste zusammen

Die angeschlagene Schweizer Rentenanstalt überprüft radikal alle Geschäftsbereiche. Für die deutsche Niederlassung sucht der Versicherungskonzern einen Käufer. Gleichzeitig stehen der Sachversicherungsbereich und die Banco del Gottardo zur Disposition, an letzterer soll die Deutsche Bank interessiert sein.

DÜSSELDORF/ZÜRICH. Die angeschlagene Schweizer Rentenanstalt/Swiss Life überprüfe alle Aktivitäten, bestätigte eine Sprecherin der Rentenanstalt dem Handelsblatt. Eine Entscheidung scheint indes bereits gefallen, der Verkauf der Deutschlandaktivitäten. "Die Gesellschaft wurde einigen Versicherern angeboten", verlautet aus Branchenkreisen. Offiziell heißt es dagegen aus Konzernzentralen potenzieller Kaufkandidaten wie Allianz, AMB-Generali oder der Münchener-Rück-Tochter Ergo unisono: "Wir nehmen zu Marktgerüchten keine Stellung". Dabei ist der deutsche Ableger der Rentenanstalt ein interessanter Kaufkandidat, genießt die Münchener Mannschaft doch einen guten Ruf in der Branche. "Sie ist als Spezialist für Berufsunfähigkeitsversicherungen und bei der betrieblichen Altersvorsorge top", attestiert ihr beispielsweise Manfred Poweleit vom Branchendienst Map-Report. Und WestLB-Panmure-Analyst Frank Stoffel kann sich gut vorstellen, dass das Gruppengeschäft der Gesellschaft für einige deutsche Erstversicherer wie AMB oder Ergo durchaus interessant sein könnte, um in dem Geschäftsfeld näher an den Branchenprimus Allianz heranzurücken. Ein Käufer könne grundsätzlich auch das Markenrecht "Swiss Life" übernehmen, obwohl es sich nur um die deutsche Niederlassung handelt. "Es ist möglich, dass unter dem gleichen Markennamen in der Schweiz und Deutschland zwei unterschiedliche Versicherer agieren", erklärt Rechtsanwalt Sönke Ahrens von der Kanzlei Lovells. Rechtliche Grenzen bestünden allerdings, wenn der Verbraucher durch die Verwendung der Bezeichnung über die geografische Herkunft oder die Qualität der unter der Bezeichnung angebotenen Dienstleistung irregeführt wird. Dies könnte der Fall sein, wenn der Verbraucher meint, einen Vertrag mit einem Unternehmen aus der Schweiz abzuschließen oder eine Lebensversicherung höherer Qualität zu erwerben. Ein Verkauf des Tafelsilbers könnte sich für die Rentenanstalt lohnen, zumal die Schweizer auf Grund der Wachstumschancen im deutschen Altersvorsorgemarkt durchaus mit einem "strategischen Preis" rechnen könnten. Dies jedenfalls erwartet Eric Güllner, Analyst bei der Züricher Kantonalbank. Einen anderen Verkaufskandidaten, die Banco del Gottardo, könnte die Rentenanstalt dagegen nur deutlich unter dem Einkaufspreis von 2,4 Mrd sfr an den Mann bringen, den sie vor drei Jahren hinblättert hat. Höchstens die Hälfte werde der Verkauf einbringen, erwarten Branchenexperten. Bei einem solch niedrigen Verkaufspreis müsste die Rentenanstalt hohe Abschreibungen vornehmen. Interesse an der vor allem in der Schweiz, Italien und Frankreich eingeführten Privatbank gibt es genügend. Vor allem die Deutsche Bank wird genannt. Auf die Verkaufsliste könnten die Schweizer Manager auch die Sachversicherungs-Sparte setzen, die nicht zum Kerngeschäft zählt. Erst vor vier Jahren war die seit ihrer Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts auf das Lebengeschäft spezialisierte Rentenanstalt durch die Übernahme der "La Suisse" in das Sachgeschäft eingestiegen. Zuletzt spülten die Sachpolicen gerade einmal zehn Prozent der Prämieneinnahmen von 20 Mrd. sfr in die Kasse. Außer in der Schweiz besteht ein nennenswertes Sachgeschäft in Frankreich. Sehr kleine Einheiten existieren in Belgien und den Niederlanden. Auch, wenn noch weitgehend unklar ist, von welchen Geschäftsbereichen sich die Rentenanstalt letztendlich trennen wird, klar ist: Die von der Börsenbaisse gebeutelte Versicherung muss Konzernteile abgeben, um die Bilanz mit eigenen Mitteln ins Gleichgewicht zu bringen. Denn alleine vergangenes Jahr schrumpften die Eigenmittel um 35 Prozent auf knapp fünf Mrd. sfr. Und um die Abhängigkeit von der Börsenentwicklung zu mildern, hat die Führung der Rentenanstalt seit Jahresanfang den Aktienanteil an den Kapitalanlagen (Ende 2001: 130 Mrd. sfr) von 16 auf 6,5 Prozent mehr als halbiert. Endgültig Klarheit erhalten die Aktionäre der Rentenanstalt erst Mitte September. Bis dahin wollen die Schweizer die strategische Neuausrichtung beschließen, über die sie seit dem Führungswechsel von Manfred Zobl auf Roland Chlapowski im Februar beraten .

Quelle: Handelsblatt

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