Schweizer Versicherungskonzern kürzt Dividende
Zurich schockiert mit hohem Verlust

Die Zurich Financial Services wartet seit über einem Jahr mit immer neuen Negativmeldungen auf. Gestern kam mit einem Konzernverlust von 387 Mill. sfr eine weitere hinzu. Belastet wird der Aktienkurs zudem durch das anhaltende Machtvakuum nach dem Verzicht von Rolf Hüppi auf den Chefsessel.

ef/Reuters ZÜRICH. Die Enttäuschungen finden bei der Zurich Financial Services kein Ende: Der Schweizer Versicherungskonzern muss für 2001 auf der Basis der IAS (International Accounting Standards) einen Konzernverlust von 387 Mill. $ ausweisen. Dieser liegt am oberen Ende der vor Weinachten publizierten Spanne von 200 Mill. bis 400 Mill. $.

Analysten interpretieren das endgültige Jahresergebnis als vierte Gewinnwarnung. Als unmittelbare Folge des Konzernverlustes wird die Dividende von 17,15 auf 8 sfr pro Aktie gekürzt. Bereits im Vorjahr war der Konzerngewinn um 28,7 % auf 2,33 Mrd. sfr eingebrochen.

Der größte Schweizer Assekuranzkonzern steigerte im Berichtsjahr das Prämienvolumen um 13 % auf 56 Mrd. sfr. Im Dezember 2001 hatte sich der viertgrößte europäische Versicherungskonzern durch den Börsengang von der Converium Holding AG und damit dem Rückversicherungsgeschäft getrennt. Im September 2001 war der Verkauf von Scudder, also dem größten Teils des Vermögensverwaltungsgeschäfts, an die Deutsche Bank AG angekündigt worden. Diese beiden Schritte führen dazu, dass sich die Zurich auf das globale Erstversicherungsgeschäft konzentriert.

Das unbefriedigende Ergebnis begründete der Konzern vor allem mit den Terroranschlägen vom 11. September in den USA, welche Versicherungsverluste in Höhe von 706 Mill. $ nach Steuern verursachten. Zudem hätten eine generell höhere Schadenbelastung sowie die verstärkte Bildung von Rückstellungen für Sonderrisiken wie Asbestschäden das Ergebnis belastet, teilte der Konzern mit. Schließlich beeinflusste die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte die Ergebnisse der Lebensversicherung und der Vermögensverwaltung.

Die schwache Situation an den internationalen Wertpapierbörsen führte zu rückläufigen realisierten Kursgewinnen sowie zu Wertberichtigungen auf die Finanzanlagen im Umfang von 838 Mill. $. Über die Details des Abschlusses will der Konzern anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 21. März berichten.

Die Zurich-Aktien brachen bis gestern Abend um über 6 % auf unter 360 sfr ein. Jedesmal wenn die Titel in den letzten Wochen zu einer Erholung ansetzten, gaben sie auf Grund neuer Hiobsbotschaften wieder nach. Die negative Stimmung erhielt zusätzliche Nahrung durch die Unsicherheiten über die künftige Führung des Konzerns. Die Ankündigung von Rolf Hüppi, sich ab Jahresmitte 2002 auf das Präsidium des Verwaltungsrates beschränken zu wollen, ohne gleichzeitig einen Nachfolger als Konzernchef zu benennen, belastet das Vertrauen der Anleger.

Das Gros der Analysten nahm die Zahlen des Zurich-Konzerns gestern negativ auf. Übereinstimmend bezeichneten Javier Lodeiro von der Bank Leu AG und René Locher von der Bank Sarasin das Ergebnis als erneute Gewinnwarnung. Locher erklärte, dass das zu Grunde liegende Versicherungsgeschäft schlechter als gedacht gelaufen sei. Als überraschend bezeichnete er den Hinweis auf höhere Belastungen durch Asbestschäden. Bisher habe der Zurich-Konzern so getan, als sei in dieser Hinsicht alles in Ordnung.

Kritisch wird die rasche Expansion in Großbritannien und den USA hinterfragt. Die Zukäufe haben zu niedrigeren Gewinnen und höheren Schulden geführt.

Auch der Traum vom globalen Allfinanzkonzern ist ausgeträumt. Einer der wenigen Lichtblicke für die Schweizer Gruppe dürfte die Kooperation mit der Deutschen Bank sein. Durch die Übernahme des Deutschen Herolds von ihr hat der Konzern seine Position in Deutschland stark ausgebaut.

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