Schweizer Werte: Insider stocken ihre Positionen auf

Schweizer Werte
Insider stocken ihre Positionen auf

In der Schweiz sind Minderheitsaktionären in den vergangenen Tagen Abfindungsangebote unterbreitet worden. Die Mehrheitsaktionäre, die als Mitglieder des Verwaltungsrates über Insiderwissen verfügen, halten die gegenwärtigen Kurse offensichtlich für so interessant, dass sie die Initiative ergreifen.

ZÜRICH. Nach langer Durststrecke bekommen die Investmentbanker in der Schweiz wieder Arbeit. Seit Beginn der Baisse vor gut drei Jahren waren ihre Dienste nur noch sehr sporadisch gefragt, und wenn doch, ging es im wesentlichen um die Platzierung neuer Anleihen. Besonders Versicherungen griffen auch zum Strohhalm einer Kapitalerhöhung, um die für das Geschäft notwendige Eigenkapitalbasis wieder herzustellen.

Doch nun scheint die Baisse für Aktienkurse gesorgt zu haben, die Großinvestoren mit genügend tiefen Taschen auf den Plan rufen - mit der Folge, dass in absehbarer Zeit auch einige international bekannte eidgenössische Adressen nicht mehr den Kurszettel der Schweizer Börse schmücken werden: Den Minderheitsaktionären von Hero, Hilti und Zellweger-Luwa wurden Abfindungsangebote der Mehrheitsaktionäre unterbreitet.

Diesen Mehrheitsaktionären, die als Mitglieder des Verwaltungsrats über Insiderwissen verfügen, erscheinen offensichtlich die gebotenen Preise für die Titel der Mitaktionäre so interessant zu sein, dass sie sich eine attraktive Verzinsung für ihr zusätzlich eingesetzten Kapitals versprechen.

Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Trendwende der Aktienkurse recht nahe ist. Doch Thomas Steinemann, Chefstratege der Bank Vontobel, warnt davor, die jüngsten Abfindungsangebote als Aufbruchsignal für den Gesamtmarkt zu interpretieren. Insbesondere die Finanzwerte scheinen ihm noch nicht ganz das rettende Ufer erreicht zu haben.

Dagegen dürften die von Groß- zu Alleinaktionären aufrückenden Investoren von Hero, Hilti und Zellweger-Luwa ein durchaus lukrative Geschäft machen, meint Steinemann. Vor allem defensive Werte und Unternehmen, die über eine gute Stellung in Märkten mit hohen Eintrittsbarrieren besitzen, seien teilweise zu attraktiven Preisen zu haben.

Aber nicht nur Mehrheitsaktionäre greifen gegenwärtig bei Schweizer Aktien zu. So sind auch der Schweizer Pharma- und Diagnostikakonzern Roche und die britische Smith & Nephew zum Ergebnis gekommen, dass die Zeit für strategische Übernahmen gekommen ist. Die beiden Konzerne wollen mit den Medizintechnikunternehmen Disetronic beziehungsweise Centerpulse ihre Stärken ausbauen und dadurch an Schlagkraft gewinnen. Der Roche-Konzern kann durch die Übernahme der eher mittelständisch strukturierten Disetronic seine führende Position auf dem wachstumsstarken Gebiet Diabetes-Tests und-Vorsorge weiter ausbauen, während Smith & Nephew auf dem globalen Orthopädiemarkt deutliche Fortschritte erzielt.

Im Gegensatz zu den "Phantasiepreisen", die für Akquisitionen auf dem Höhepunkt der Hausse Ende der neunziger Jahre gezahlt wurden, dürften sich gezielte Zukäufe auf dem jetzt erreichten Kursniveau eher rechnen. Dagegen leiden Konzerne, die vor einigen Jahren zu teuer eingekauft haben, heute unter den Goodwill-Abschreibungen, die ihre Ertragsrechnungen verunstalten und die Aktien in immer neue Tiefen schicken.

Über die Frage, ob die heute gebotenen Abfindungs- und Übernahmepreise den wahren Wert der Aktien widerspiegeln, kann mit Recht gestritten werden. Doch Lutz Peters, Mitglied des Hero-Verwaltungsrates und Vertrauter von Großaktionärs Arend Oetker, wies Kritiker mit einem Achselzucken ab: "Der Markt entscheidet über den Preis." Bekanntlich hat der Markt keine Gefühle und ist lediglich ein Instrument dafür, dass sich Käufer und Verkäufer einigen auf einen fairen Preis einigen können.

Doch für die mit dem Hero-Abfindungsangebot unzufriedenen Minderheitsaktionäre hat Peters einen Trost. Auch die Aktien des global größten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, gewiß der defensivste Schweizer Blue Chip, werden nach Peters Meinung gegenwärtig weit unter ihrem wahren Wert gehandelt. Mit einem unzureichenden Abfindungspreis müssen die Nestlé-Aktionäre aber nicht rechnen, Allein die Größe dürfte genügend Schutz bieten. Zudem haben Nestlé-Aktionäre das Schweizer Börsengesetz auf ihrer Seite. Erwirbt ein Investor mehr als 30 % einer Gesellschaft, muss dieser allen anderen Aktionären ein gleich hohes Angebot unterbreiten.

Allerdings: Das Schweizer Börsengesetz schützt nur Aktionäre solcher Gesellschaften, deren Generalversammlung sich weder für ein "opting-up" noch ein "opting-out" entschieden haben. Opting-up bedeutet, dass erst beim Überschreiten der Grenze von 49 % der Schutz der Aktionäre einsetzt. Beim opting-out entfällt der Schutz des Börsengesetzes völlig.

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