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Schweizer Wirtschaftswachstum sinkt auf Normalniveau

Nach einem kräftigen Wachstumsschub bis Mitte 2000 ist die Schweizer Wirtschaft wieder auf einen weniger steilen Wachstumspfad eingeschwenkt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte demnächst die Gelegenheit zu einer leichten Zinssenkung nützen.

rtr ZüRICH. Wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Donnerstag mitteilte, wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im Jahr 2000 um 3,4 %, nach 1,5 % in 1999. Dies war das stärkste Jahreswachstum seit den 3,7 % des Jahre 1991. Für das laufende Jahr rechnet die Kommission für Konjunkturfragen (KfK) mit einem Wachstum von 2,25 %.

Im vierten Quartal flachte der Konjunkturverlauf jedoch ab. Das BIP, die Summe aller Güter und Dienste und so die wichtigste Masszahl einer Volkswirtschaft, nahm im Vergleich zum Vorjahr noch um 2,5 % zu, nach Raten zwischen 3,6 und 3,9 % in den drei Vierteljahren davor. Schwächer wuchsen zum Jahresschluss vor allem der private Konsum mit 0,9 % und die Warenausfuhren, die mit einem Anstieg von 5,4 % ebenfalls weniger zunahmen als in den Quartalen davor. Stabile und hohe Wachstumsraten verzeichneten weiterhin die Ausrüstungsinvestitionen.

Die Wachstumszahlen lagen im Rahmen der Prognosen der Banken-Volkwirte, die für das vierte Quartal Werte zwischen 2,2 und 3,2 % errechnet hatten.

Für die SNB bestätigte die jüngste Statistik, dass die Schweizer Wirtschaft wieder zum normalen Wachstumstrend zurück gefunden hat, erklärte ein Sprecher. Nach Ansicht der KfK decken sich die Wachstumsraten des dritten und vierten Quartals mit dem für die Schweiz geschätzten Wachstumspotential. Zu der Frage, ob die SNB in ihre nächsten geldpolitischen Verlautbarung am 22. März eine Lockerung der Zinsen ankündigen wird, wollte der SNB-Sprecher nicht Stellung nehmen.

Eventuell leichte Senkung der Zinsen



Wirtschaftsexperten zufolge hat die Wachstumsverlangsamung des vierten Quartals auch mit rein technischen Faktoren zu tun wie etwa weniger Einkaufstagen als im Vorjahr. Doch wenn die Inflation niedrig bleibt, so die Ansicht der Experten, könnte die SNB eine leichte Senkung der Zinsen um 25 Basispunkte ins Auge fassen. Die KfK erklärte dazu, die sich im vergangenen Jahr abzeichnende Teuerungsgefahr dürfte als überwunden gelten.

Joachim Schütz von der Credit Suisse First Boston (CSFB) rechnete mit einer Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte am 22. März. Bei UBS Warburg waren Experten etwas zurückhaltender: "Der Spielraum für die SNB ist sicher grösser geworden", so Hanspeter Hausheer. Ob die Notenbank aber schon im März eine Änderung vornehmen werde, bleibe abzuwarten. Die SNB erhöhte Mitte Juni 2000 das Zins-Zielband auf 3,0 bis 4,0 % und hielt seitdem an diesem Zielrahmen fest.

Die Schweiz sollte von einem Konjunktureinbruch wie in den USA verschont bleiben, sagte Hausheer weiter. Die Schweizer Wirtschaft sei überwiegend auf die EU ausgerichtet, wo die Konjunkturverlangsamung gemässigter ausfallen sollte. Schütz von der CSFB erklärte, falls die Investitionen etwas zurückgingen, werde der private Konsum bald nicht mehr ausreichen, um das Wachstum zu stützen, und die Raten könnten abnehmen.

Die KFK zeigte sich etwas optimistischer. Eine deutliche Zunahme der Einkommen werden den Konsum stützen, hiess es. Grosse Infrastrukturprojekte, die verbesserte Finanzlage der öffentlichen Hand sowie eine weitere steigende Nachfrage nach Wohnflächen werde weiterhin für eine gute Baukonjunktur sorgen. Rationalisierungen und Innovationen sollten weiter wachsende Ausrüstungsinvestitionen nach sich ziehen. Spürbarer langsamer als in 2000 dürften die Export wachsen, so die KfK weiter. Die Risiken für die Schweizer Konjunktur liegen bei der Auslandskonjunktur, so die Kommission.

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