Schwelender Rechtsstreit
Intertainment will Geschäftsbeziehung zu Franchise beenden

Der Filmlizenzhändler Intertainment will die Geschäftsbeziehungen zu seinem bislang wichtigsten Filmlieferanten Franchise Pictures Inc, Los Angeles, beenden. "Wir wollen die uns zustehenden Filme noch auswerten, dann aber unsere Geschäftsbeziehungen mit Franchise beenden", sagte Intertainment-Vorstandschef Rüdiger Baeres am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München.

dpa/rtr/vwd/ddp MÜNCHEN. Anfang Mai hatte Baeres eine weitere Zusammenarbeit mit dem Studio, mit dem sich Intertainment in einem Rechtsstreit befindet, nicht ausgeschlossen. Im vergangenen Jahr hatte die Auswertung der Franchise-Filme rund Zweidrittel des Konzernumsatzes ausgemacht. Vom Ausgang der Auseinandersetzung sei auch das Ergebnis des laufenden Jahres abhängig, wiederholte Baeres.

Intertainment wirft Franchise vor, dem Unternehmen Filme zu überhöhten Budgets zur Finanzierung vorgelegt zu haben. Nach dem 1999 vereinbarten Vertrag übernimmt Intertainment für die Verwertung der Rechte in Europa und China 47 % an den Produktionskosten. Intertainment hat nach eigener Auffassung insgesamt 20 Mill. $ zuviel bezahlt. Baeres wiederholte vor den Aktionären die möglichen Ergebnisszenarien für das laufende Geschäftsjahr. Wenn Franchise die 20 Mill. $ nach einem Gerichtsurteil zurückzahlen müsse und Intertainment die Franchise-Filme auswerte, werde sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf rund 60 Mill. DM verdreifachen. Wenn das Gericht dagegen entscheide, liege das Ergebnis 2001 voraussichtlich bei 20 Mill. DM.

Möglicher Schauspielerstreik in Hollywood

Das Geschäftsergebnis sei des weiteren von Absatzschwierigkeiten auf dem deutschen Fernsehmarkt und möglichen Schauspielerstreiks in Hollywood abhängig. Der Umsatz solle im laufenden Geschäftsjahr auf 315 Mill. DM steigen, nach 171,7 Mill. DM im vorigen Jahr, wobei die Auswertung der Franchise-Filme rund 80 % ausmachen dürfte. Durch den Rechtsstreit ist das operative Geschäft von Intertainment fast zum Stillstand gekommen. In den ersten drei Monaten 2001 hatte die Gesellschaft einen Umsatzeinbruch auf 9,55 Mill. DM von 65,4 Mill. DM im Vorjahreszeitraum erlitten.

Der Vorstandsvorsitzende deutete an, dass Intertainment im Rahmen eines Vergleichs möglicherweise auf die Verwertung der umstrittenen Filme verzichten wolle. Dies könne 2001 zu niedrigeren Umsätzen führen. Franchise habe in der Vergangenheit ohnehin eine Reihe von Flops geliefert. Baeres räumte dabei Fehler ein. "Wenn unsere Strategie eine Schwäche hatte, dann die, dass wir zu einseitig auf Franchise ausgerichtet waren." Aussichtsreicher sei die neue Zusammenarbeit mit dem US-Produzenten Arnold Kopelson ("Auf der Flucht", "Platoon").

Kritik an Aktien-Optionsprogramm

Die Aktionäre kritisierten insbesondere das vom Vorstand beantragte Aktien-Optionsprogramm. Angesichts der Verfehlung der Planzahlen im vergangenen Jahr sei unklar, warum der Vorstand belohnt werden solle, sagte ein Redner. Auch die rasante Talfahrt des Aktienkurses verärgerte die Anleger. "Es kam einem zeitweise vor, als sei man im falschen Film", sagte ein Sprecher der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK) .

Die am Neuen Markt notierten Intertainment-Aktien legten bis zum Mittag in einem leicht schwächeren Gesamtmarkt 0,22 % auf 4,54 ? zu. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 79 ?.

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