Schwellenländern droht massiver Kapitalabfluss
Asien zittert vor MSCI-Entscheidung

mm FRANKFURT/M. Der weltweit führende Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) treibt derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn der Börsianer in den asiatischen Emerging Markets. Am kommenden Sonntag entscheidet MSCI über die Umstellung seiner Börsenbarometer auf den Streubesitz. Sollte MSCI seine Indizes in Zukunft nur noch auf Basis der frei handelbaren Aktien (Free Float) und nicht mehr anhand der gesamten Marktkapitalisierung der einzelnen Titel berechnen, könnten die Folgen für einige asiatische Börsen fatal sein. Analysten fürchten, dass eine Entscheidung pro Streubesitz zu einem Nettokapitalabfluss von bis zu 20 Mrd. $ aus der Region, ohne Japan, führen wird.

Die schärfsten MSCI-Konkurrenten FTSE und Stoxx haben sich bereits für den Free Float entschieden, und die große Mehrheit der Analysten ist sich sicher, dass auch MSCI um eine Reform nicht herumkommt. Dann müssten Fondsmanager und Vermögensverwalter, die sich an den Aktienindizes orientieren, Titel mit geringem Free Float abstoßen und im Gegenzug Werte mit hohem Streubesitz zukaufen.

Asien würde zu den größten Verlierern der Reform gehören, da sich hier der Free Float nach Berechnungen der Analysten von UBS Warburg an den meisten Aktienmärkten auf weniger als 50 % beläuft. Der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) zufolge müssten Anleger, die ihr Portfolio weltweit ausrichten, den Anteil der Emerging Markets um rund 40 % senken. Besonders an wenig liquiden Märkten könne das "desaströse" Folgen haben, fürchten die Experten. Aber auch innerhalb des asiatisch-pazifischen Raums selbst drohen im Falle einer MSCI-Reform massive Umschichtungen. So würde den Kalkulationen von ABN Amro zufolge das Gewicht von Hong Kong im MSCI Asien-Ex-Japan-Index von knapp 24 % auf gut 20 % fallen. Dagegen würde Taiwans Gewicht von 17 % auf rund 23 % steigen. Allein aus Hong Kong und Singapur könnten nach Schätzungen der UBS-Analysten rund 12 Mrd. $ abfließen. "Ernste Folgen" befürchten die Experten auch für die Aktienmärkte in Thailand und Malaysia.

Die gesamte Region würde unter den Folgen der Reform leiden. Auch das Schwergewicht Japan käme nicht ungeschoren davon. Die SSSB-Experten fürchten, dass dem Land ein Kapitalabfluss von immerhin knapp 8 Mrd. $ droht.

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