Schwenker ist Favorit für die Nachfolge an der Firmenspitze
Roland Berger übergibt das Ruder auf stürmischer Fahrt

Generationswechsel in Deutschlands bekanntester Unternehmensberatung: An diesem Donnerstag wollen die 60 Partner von Roland Berger Strategy Consultants einen neuen Chef wählen. Roland Berger, Gründer und strategischer Kopf, will sich nach 35 Jahren zurückziehen. Im Sommer wechselt er an die Aufsichtsratsspitze und überlässt Jüngeren die Bühne.

MÜNCHEN. Beste Chancen auf die Berger-Nachfolge werden in München Burkhard Schwenker eingeräumt. Der 44-Jährige sei "konsensfähig", heißt es bei der Unternehmensberatung. Schwenker, der auch das Büro in Hamburg aufbaute, hat sich vor allem 1998 einen Namen gemacht, als er die Verhandlungen mit der Deutschen Bank zum Rückkauf der Firma durch das Management erfolgreich führte. Seitdem gehört die Unternehmensberatung wieder dem Management, 9,9 % hält Roland Berger selbst.

Schwenker wird voraussichtlich zum Vorsitzenden der Geschäftsführung gewählt. Zur engeren Führung sollen künftig zudem drei weitere Berater gehören. Gute Aussichten werden Insidern zufolge Walter Hagemeier und Dirk Reiter eingeräumt, die derzeit das Deutschland- Geschäft führen. Dazu könnte ein Kollege aus dem Ausland stoßen. Im Gespräch ist Spanien-Chef Antonio Bernardo (43).

Der Wechsel kommt für die Unternehmensberatung in einer schwierigen Zeit. In der Branche herrscht derzeit ein hoher Druck auf die Honorare. Zudem gibt es starken Wettbewerb um die lukrativen Mandate. "Das Geschäft ist hart", klagen viele Berater. Spekulationen um wirtschaftliche Schwierigkeiten werden bei Roland Berger aber zurückgewiesen. Umsatz, Ergebnis und Mitarbeiterzahl seien auch im laufenden Jahr steigend, sagt ein Firmensprecher. Der Umsatz soll früheren Angaben zufolge um etwa 10 % auf rund 550 Mill. Euro steigen. Der Zuwachs würde damit zwar über dem der Branche liegen, aber deutlich unter dem langjährigen Berger-Durchschnitt von 18,2 %. Zudem kommt die internationale Expansion, insbesondere in den USA, nicht so schnell voran wie erhofft.

Für zusätzliche Unruhe sorgen Bestrebungen von Berger-Mitarbeitern, einen Betriebsrat zu gründen. Derzeit beschäftigt die Firma etwa 1 650 Mitarbeiter, davon 1 170 Berater. Die Gründung einer Arbeitnehmervertretung sei ein gutes Recht, heißt es aus der Firma. Doch würde ein Betriebsrat nicht unbedingt zur Struktur einer Unternehmensberatung passen. Die Mehrheit der Berger-Mitarbeiter ist angeblich ablehnend. In der Branche gibt es bei Accenture einen Betriebsrat für die internen Servicemitarbeiter. Auch die Angestellten bei KPMG sind organisiert. Berger ist derzeit hinter McKinsey die Nummer zwei unter den deutschen Beratern. Die Münchener hatten zuletzt Aufträge etwa bei der Sanierung von Kirch Media, Babcock-Borsig oder dem Süddeutschen Verlag erhalten.

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