Schwer durchschaubare Bilanzen
Cisco in Turbulenzen

Zunehmende Unsicherheit über die Buchführungsmethoden verursachen bei Cisco Systems heftige Kursturbulenzen. Der Titel des Netzwerkausrüsters war am Donnerstag bei starken Kursschwankungen die weltweit am meisten gehandelte Aktie.

DÜSSELDORF. Im Februar brach die Aktie um 30 % ein. Damit wurden 40 Milliarden US-Dollar an Anlegergeldern vernichtet. Anfang 2000, auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie, war Cisco noch das wertvollste Unternehmen der Welt.

Nach der Pleite des Energiehändlers Enron, der die Börsenwelt auf Grund seiner Bilanzmanipulationen erschüttert, kritisieren Investoren und Investment-Banker bei Cisco etliche Ungereimtheiten. "Cisco bilanziert Umsätze und Abschreibungen auf eine sehr aggressive Weise", sagt Ariane Mahler von Dresdner Kleinwort Wasserstein. So habe der Konzern im vergangenen Jahr 2,5 Mrd. $ auf Lagerbestände abgeschrieben und dies als einmaligen Posten angesehen, der nicht in die Berechnung des laufenden Gewinns einfließe. Das Gleiche habe der Konzern mit Abschreibungen für Investitionen in andere Unternehmen in Höhe von 900 Mill. $ gemacht. "Konservative Firmen schreiben solche Sachen auf Quartalsbasis ab", meint Mahler. Sie bezeichnete Ciscos Einmalabschreibungen als "irreführend".

Als besonders schädlich für das Image bezeichnen Analysten Berichte über private Investments einzelner Cisco-Top-Manager - darunter auch Konzernchef John Chambers - bei Firmen, die Geschäfte mit Cisco gemacht haben. Chambers hat Gewinne aus entsprechenden Transaktionen bereits gespendet. Anleger fürchten allerdings, dass dieses Netz aus Partnerschaften aufgebaut wurde, um möglicherweise unliebsame Entwicklungen aus der Bilanz herauszuhalten.

Zu einem Vertrauensverlust führte auch der Hinweis des Finanzvorstands Larry Carter an die US-Börsenaufsicht SEC, wonach Mitarbeiterbeteiligungen ("stock options") möglicherweise falsch verbucht wurden. Dadurch droht Cisco für das vergangene Geschäftsjahr im schlimmsten Fall ein Konzernverlust von 2,7 Mrd. $ anstatt bereits ausgewiesener 1 Mrd. $.

Analystin Mahler fürchtet, dass Cisco noch Überraschungen bereithält: "Ich denke, da geht noch einiges vor sich, was sie uns nicht erzählen." Zwar empfiehlt immer noch die große Mehrheit der Analysten die Cisco-Aktie zum Kauf. Doch eine Umfrage des Handelsblatts bei Investmenthäusern ergab, dass kaum ein Experte seine positive Empfehlung für jetzt verstanden wissen will. "Cisco bleibt erste Wahl, doch kurzfristig überwiegt der Druck", meint HSBC-Stratege Klaus Lüpertz.

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