Schwer zugänglich
VW testet Erlkönige auf Hausstrecke im ewigen Eis

Abenteurer in Grönland reiben sich verwundert die Augen. Verständlich, dass sie an Halluzinationen glauben, wenn sie mitten im ewigen Eis etwas nördlich vom Polarkreis schicke Audis, Rolls Royce und Skodas durch das vereiste Gelände rasen sehen.

Reuters SISIMIUT. Doch die Fahrzeuge der Volkswagen-Gruppe sausen ganz real über die rund 125 Kilometer lange Teststrecke, wo sonst Polarbären und Moschusochsen die Hauptattraktionen darstellen.

Das Gelände ist ein geradezu perfekter Platz, um neue Wagenmodelle unter extremen Winterbedingungen zu testen. Außerdem will Volkswagen die traditionelle Industriespionage, bei der die so genannten Erlkönige von der Konkurrenz oder der Presse aufgespürt werden, austricksen: durch den Bau einer Teststrecke in der tiefsten Wildnis.

"Es ist eine Strecke, die wir gebaut haben, um neue Prototypen zu testen", sagt Volkswagen-Sprecher Hans-Gerd Bode und fügte hinzu, über das Projekt lieber nichts verraten zu wollen. "Alle Autos, die wir dort prüfen, sind mehr oder weniger geheim, und deswegen versuchen wir, jede Öffentlichkeit zu vermeiden."

Das VW-Camp liegt östlich von Kangerlussuaq, einem kleinen Dorf, das um eine ehemalige US-Airbase entstanden war. Der Autobauer hat dort eine 35 Kilometer lange öffentliche Straße angelegt - von der Stadt bis zum Rande des ewigen Eises, das 85 % der Insel bedeckt. Von da an geht die Straße - für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich - über 125 Kilometer auf dem Eis weiter. Den Genehmigungsdokumenten der Behörden zufolge gibt es innerhalb des Areals eine 20 Kilometer lange Rennstrecke sowie schnurgerade Hochgeschwindigkeits- und Kreisrennstrecken.

In dieser Umgebung hat Volkswagen ein ganzes Camp errichtet - oder vielmehr ein Zwei-Sterne-Hotel mit 34 Einzelzimmern, einer Kantine, zwei Werkstätten, einem kleinen Kraftwerk, Treibstoff- und Abwassertanks sowie Lagercontainern. "Wir arbeiten noch an dem Projekt. Nicht alles ist fertig, und vielleicht werden wir noch etwas zusätzlich bauen", sagt Bode, der nichts über die Kosten des eisigen Unterfangens sagen wollte.

Ein örtlicher Informant, der für VW arbeitet und nicht genannt werden will, erklärt, der Autobauer zahle für die Nutzung des Geländes an die Behörden eine Gebühr von rund 70 Mill. Kronen pro Jahr, was rund 18 Mill. DM entspricht. Obendrein erwarteten die Behörden, dass die Teststrecke jährlich Einnahmen von rund 50 Mill. Kronen in Form verschiedener Steuern und anderer Geschäfte nach sich zieht. "Wir haben Volkswagen vorgeschlagen, die Teststrecke an einen anderen Ort zu verlegen, der leichter zugänglich ist", sagt der Informant weiter. "Aber wegen ihrer Geheimniskrämerei ziehen sie es vor zu bleiben, wo sie sind." Auch andere große Autobauer beabsichtigten, ähnliche Teststrecken in Grönland zu bauen, dem halbautonomen Teil Dänemarks.

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