Schwere Entscheidung für den Diktator
Hussein zieht Kopf im letzten Moment aus der Schlinge

Mit seiner Zustimmung zum jüngsten UN-Beschluss für verschärfte Waffenkontrollen hat der irakische Präsident Saddam Hussein seinen Kopf noch einmal in letzter Minute aus der Schlinge gezogen. Denn er weiß genau, dass er den Kriegsbefürwortern in Washington mit einem "Nein" die ideale Vorlage für einen Militärschlag geliefert hätte. Und so einfach will Saddam Hussein den Amerikanern den Sturm auf Bagdad dann doch nicht machen.

HB/dpa KAIRO. Auch wenn in Diplomatenkreisen bereits darüber spekuliert wird, welches Land den von den USA vertriebenen Hussein-Clan demnächst aufnehmen wird - im Gespräch ist unter anderem Ägypten - glaubt der irakische Präsident immer noch fest an sein politisches Überleben. Wie ihr Staatsoberhaupt entschieden hatte, wussten die Iraker bereits seit Dienstag, als Saddams ältester Sohn Udai sich für die Annahme der Resolution aussprach, §weil es keine andere Möglichkeit mehr gibt".

Doch weder Saddam noch sein Volk geben sich nun der Illusion hin, dass die Kriegsgefahr durch die Zustimmung zur Resolution 1441 endgültig gebannt wäre. Denn sie wissen, dass die beiden Sicherheitsratsmitglieder USA und Großbritannien, wenn die Waffenkontrollen erst einmal angefangen haben, jeden noch so geringen Verstoß gegen die Auflagen der Vereinten Nationen nutzen könnten, um den Konflikt erneut eskalieren zu lassen.

Auch wenn es aus Sicht der Vereinten Nationen nur ein kleiner Schritt ist, den Saddam Hussein mit der Anerkennung der neuen Resolution macht. Für den Machtmenschen vom Tigris ist es eine schwere Entscheidung gewesen. Denn seine Herrschaft gründet sich auf drei Pfeiler: Seinen eigenen Familienclan, die totale Überwachung der Bürger und das von der staatlichen Propaganda verbreitete Bild des allmächtigen, unbeugsamen Saddam, der selbst eine Großmacht wie die USA herausfordern kann.

Die Nachricht von der Zustimmung Bagdads zum UN-Beschluss sickerte zuerst in New York durch, während die Menschen im Irak, die überhaupt keinen Zugang zu ausländischen Medien haben, im staatlichen Fernsehen die im islamischen Fastenmonat Ramadan so beliebten Seifenopern und Historienfilme geboten bekamen.

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