Schwere Gefechte in Bagdad: GIs marschieren auf Mossul

Schwere Gefechte in Bagdad
GIs marschieren auf Mossul

Nach dem Fall Bagdads hat sich der Schwerpunkt der Kämpfe zwischen den US-geführten Streitkräften und den verbliebenen irakischen Verbänden am Donnerstag in den Nordirak verlagert. Von US-Truppen unterstützte kurdische Kämpfer nahmen die für die Ölförderung wichtige Stadt Kirkuk ohne größere Gegenwehr ein, wie Einwohner berichteten. Die Türkei bezeichnete eine dauerhafte Präsenz der Kurden in der Stadt als nicht akzeptabel.

Reuters BAGDAD. US-Panzer rollten nach Berichten von Reuters-Reportern auch in die nordirakische Stadt Erbil ein. Auf die ebenfalls im Norden gelegene drittgrößte Stadt Iraks, Mossul, bewegten sich US-Panzer zu, die zum Teil aus Deutschland eingeflogen worden waren. Auf die Geburtsstadt des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Tikrit, flogen US-Kampfflugzeuge massive Angriffe. In Bagdad lieferten sich US-Einheiten, die das Zentrum der Hauptstadt unter ihrer Kontrolle haben, schwere Gefechte mit irakischen Kämpfern nahe einer Moschee.

Das nordirakische Ölzentrum Kirkuk befand sich am Mittag nach Angaben eines Befehlshabers kurdischer Peschmerga-Kämpfer unter deren Kontrolle. Reuters-Reporter beobachteten, wie hunderte Peschmergas in die Stadt einzogen, nachdem die irakischen Verteidiger sich ergeben oder zurückgezogen hatten. Besorgt über den kurdischen Vormarsch äußerte sich das Nachbarland Türkei, da aus seiner Sicht eine Kontrolle Kirkuks durch die Kurden über die Einnahmen aus dem Ölgeschäft die finanzielle Grundlage für den Aufbau eines Kurden-Staates bilden könnte. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, die USA hätten jedoch versichert, für den Rückzug der kurdischen Kämpfer aus Kirkuk zu sorgen. Die Türkei befürchtet die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates und ein Erstarken der kurdischen Separatisten im Südosten der Türkei.

Irakische Soldaten ziehen sich nach Tikrit zurück

Einwohner Kirkuks berichteten Reuters-Korrespondenten, dass die meisten irakischen Soldaten sich in Richtung des weiter südlich gelegenen Tikrit zurückgezogen hätten. Das 175 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegene Tikrit gilt Militärstrategen als möglicherweise verbliebenes Nervenzentrum des irakischen Sicherheitsapparats. Neben Saddam stammen aus der Stadt auch die wichtigsten Mitglieder dessen Machtapparats. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Saddam dorthin geflohen ist.

US-Panzer im Nordirak rückten auch auf Mossul vor. Wie Reuters-Korrespondeten berichteten, zerstörten sich zurückziehende irakische Verbände zwei Brücken 25 Kilometer vor der Stadt. US-Leutnant Mark Kitchens berichtete, Teile der Republikanischen Garden sammelten sich um Mossul und Tikrit. Ihre Stellungen würden bombardiert. "Es gibt weiter Widerstand, und das übergeordnete Ziel, das Regime zu stürzen, ist noch nicht erreicht", fügte er hinzu.

Weiter schwere Gefechte auch in Bagdad

In Bagdad lieferten sich US-Marineinfanteristen ein heftiges Feuergefecht mit irakischen Verbänden um eine Moschee, die den US-Soldaten ebenfalls als mögliches Versteck Saddams galt. Ein Marineinfanterist starb. "Die Kämpfe waren sehr heftig. Der Feind feuerte vom Gebiet der Moschee aus", sagte ein US-Armeesprecher. Mehr als 20 US-Soldaten seien bei den Kämpfen verletzt worden. "Die Marineinfanteristen wurden angegriffen - vermutlich von Einheiten der Speziellen Republikanischen Garden -, als die Sonne über dem Fluss Tigris aufging", berichtete ein BBC-Korrespondent. Die Garden gelten als äußerst loyale Elitetruppen des Präsidenten.

Nach Gefechten im südwestlichen Stadtviertel Dura lagen entlang der umkämpften Hauptstraße einem Reuters-Kameramann zufolge 21 Tote. Dem ersten Eindruck nach handele es sich um irakische Soldaten und Zivilisten, sagte er. Die Straße führt zum internationalen Flughafen von Bagdad, der seit Tagen in der Hand von US-Truppen ist. In Dura gibt es eine Ölraffinerie.

Im Nordosten der Stadt hatte es auch in der Nacht noch teilweise schwere Kämpfe gegeben. Soldaten berichteten von Luftabwehrfeuer gegen US-Kampfflugzeuge, die die US-Einheiten unterstützen. Im Zentrum versuchten US-Einheiten eine riesige Saddam-Statue wegzusprengen. Der Sprengsatz riss aber nur ein großes Loch auf der Höhe des Bauches der Statue. Am Mittwoch hatte ein US-Panzer nach dem Vorrücken der Truppen auf zentrale Plätze in der Innenstadt eine Saddam-Statue umgerissen, um ein Symbol für das Ende des irakischen Regimes zu setzen. Jubelnde Iraker hatten anschließend auf der umgerissenen Statue getanzt und sie mit ihren Schuhen geschlagen.

US-Präsident George W. Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair versicherten in TV-Ansprachen an das irakische Volk, das Regime Saddams werde bald beseitigt sein. "Der Albtraum, den Saddam Hussein über eure Nation gebracht hat, wird bald vorbei sein", sagte Bush. Nach dem Golf-Krieg 1991 hatte es in verschiedenen Teilen des Landes Aufstände gegen die irakische Führung gegeben, die von irakischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden, ohne dass die damaligen Alliierten eingegriffen hätten.

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