Schwere Kämpfe in der Umgebung von Jerusalem - Zwei Jugendliche getötet
Barak nimmt Koalitionsverhandlungen mit Scharon auf

Israels Regierungschef Ehud Barak hat am Montag offizielle Gespräche mit dem Rechtspolitiker Ariel Scharon über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit aufgenommen.

AP JERUSALEM. Nach der Aussetzung des Friedensprozesses hat der israelische Ministerpräsident Ehud Barak am Montag Koalitionsverhandlungen mit dem rechtsgerichteten Likud-Führer Ariel Scharon aufgenommen. Er hatte mit seinem Besuch auf dem Tempelberg Ende September die blutigen Unruhen ausgelöst, die jetzt zum Stillstand des Friedensprozesses geführt haben und in deren Verlauf mehr als 120 Menschen getötet wurden, überwiegend Palästinenser. Am Montag erlagen zwei weitere palästinensische Jugendliche ihren Verletzungen.

Kritiker fürchten eine monatelange Blockade der Friedensverhandlungen, sollte die nationale Notstandsregierung mit dem Likud-Block zu Stande kommen. Auch im israelischen Regierungskabinett gibt es Widerstand gegen eine große Koalition. Justizminister Jossi Beilin sagte, durch eine Koalition mit Likud werde der Eindruck verstärkt, dass Israel keinen Frieden schließen wolle. `Wenn Scharon ein Vetorecht für die Friedensverhandlungen bekommt, fühle ich mich nicht mehr in der Lage, in der Regierung zu sitzen", erklärte Beilin. Scharon fordert als Bedingung für eine Koaltion, dass Barak sich von den Zugeständnissen an die Palästinenser distanziert, die er auf dem Nahost-Gipfel in Camp David gemacht hat.

Vorgezogene Neuwahlen werden immer wahrscheinlicher

Das israelische Parlament kommt am Sonntag zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen. Gelingt es Barak bis dahin nicht, den rechten Likud-Block in seine Regierungskoalition einzubinden, gelten vorgezogene Neuwahlen als wahrscheinlich. Barak wollte sich am Montag auch mit Vertretern seiner früheren Koalitionspartner treffen, der ultra-orthodoxen Schas-Partei und der Meretz-Partei.

Mit ungewöhnlich scharfen Worten reagierte der palästinensische Präsident Jassir Arafat auf die Ankündigung von Israels Ministerpräsident Ehud Barak einer "Auszeit" für den Nahost-Friedensprozess. Der palästinensische Staat werde kommen, ob mit oder ohne Baraks Zustimmung, erklärte Arafat und ergänzte: `Möge er zur Hölle fahren." Baraks Berater Gilead Scher sagte, die Auszeit werde so lange dauern wie nötig. Israel sei zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche bereit, `aber nicht unter Feuer, nicht unter Drohungen und nicht im Schatten der Gewalt."

Die israelische Armee riegelte unterdessen den palästinensischen Ort Beit Dschalla im Westjordanland ab, von dem aus am Sonntag ein jüdischer Vorort von Jerusalem mit Maschinengewehren beschossen worden war. Israelische Soldaten erwiderten das Feuer, Kampfhubschrauber feuerten Raketen und zerstörten eine Fabrik in Beit Dschalla. Der Ort und das benachbarte Bethlehem lagen danach im Dunkeln. Hunderte Menschen flohen. "Ich denke, wir können es nicht hinnehmen, wenn sie (die Palästinenser) ein normales Leben auf israelischer Seite unmöglich machen", erklärte der israelische Generalstabschef Generalleutnant Schaul Mofas im Militärrundfunk zur Begründung für die harte Antwort seiner Truppen auf die palästinensischen Angriffe. Beit Dschalla sei abgeriegelt worden, um zu verhindern, dass bewaffnete militante Palästinenser in den Ort kommen, sagte Mofas. Bethlehem sei nicht betroffen.

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