Schwere Kämpfe um Geburtskirche
Israel beendet Belagerung von Arafat in Ramallah

Nach dem Abzug der israelischen Truppen von seinem Amtssitz in Ramallah hat Palästinenser-Präsident Jassir Arafat das israelische Vorgehen in Bethlehem in der Nacht zum Donnerstag scharf verurteilt. Uno-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, die Delegation zur Erkundung der Vorgänge im palästinensischen Dschenin aufzulösen.

Reuters RAMALLAH/WASHINGTON. Was in Bethlehem geschehe, "ist ein Verbrechen", sagte ein offensichtlich wütender Arafat in seiner ersten Stellungnahme unmittelbar nach Abzug der israelischen Panzer und gepanzerten Fahrzeuge von seinem Amtssitz. Zuvor waren sechs palästinensische Häftlinge in die Obhut britischer und amerikanischer Sicherheitskräfte übergeben worden, deren Auslieferung Israel vor einem Abzug gefordert hatte. Dutzende von palästinensischen Leibwächtern und Polizisten sammelten sich vor dem Amtssitz, um ihn mit palästinensischen Flaggen wieder in Besitz zu nehmen.

In Bethlehem lieferten sich in der Nacht israelische Soldaten ein heftiges Gefecht mit bewaffneten Palästinensern, die sich seit Beginn der israelischen Militäroffensive vor einem Monat in der Geburtskirche verschanzt haben. Es dauerte weniger als eine Stunde. Zwei Räume innerhalb des Gebäudekomplexes gerieten in Brand. Die verschanzten Palästinenser warfen der Armee vor, die Kirche stürmen zu wollen. Die Armee teilte mit, sie habe Feuer von palästinensischer Seite erwidert. Die Soldaten hätten sich keinen Meter auf die Kirche zu bewegt. Das Feuer in dem Gebäude sei von Palästinensern gelegt worden.

Während der von Israel erklärten Offensive gegen palästinensische Attentäter und ihre Hintermänner hat die Armee große Teile des Westjordanlandes wieder besetzt, während eines weitreichenden Abzugs jedoch Arafats Amtssitz und die Geburtskirche belagert gelassen. Inzwischen haben nach Verhandlungen mehrere Menschen das Gotteshaus verlassen, zuletzt am Mittwoch ein verletzter und ein kranker Palästinenser. In der Kirche befinden sich auch Mönche und Zivilisten.

USA bedauern Absage der Dschenin-Erkundung

Die USA bedauerten am Mittwoch Annans Ankündigung, die Dschenin-Delegation am Donnerstag auflösen zu wollen. Die USA seien weiter daran interessiert, dass die Ereignisse während des israelischen Vorgehens in dem palästinensischen Lager und der benachbarten Stadt geklärt würden, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums. Man habe jedoch keinen Alternativ-Vorschlag zu der gescheiterten Erkundung.

Annan hatte die Auflösung der seit Tagen in Genf abreisebereiten Delegation in einem Brief an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) angekündigt. Nach anfänglichem Einverständnis hatte die israelische Regierung Einwände gegen die Erkundung erhoben und der 20-köpfigen Gruppe die Einreise verweigert. Israel wirft der UNO vor, es nicht neutral zu behandeln. Palästinensischen Angaben zufolge hat die Armee in Dschenin ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet. Israel spricht von Kampfhandlungen. Palästinensische Ärzte haben die Zahl der palästinensischen Toten während des Einsatzes inzwischen mit 53 angegeben, darunter seien 21 Zivilisten. UNO-Vertreter schätzen, dass noch 22 Menschen unter den Trümmern der von der Armee zerstörten Häuser vermisst werden.

Vertreter des US-Kongresses kündigten Resolutionen des Parlamentes an, in denen es seine Solidarität mit Israel bekräftigen wolle. Die US-Regierung forderte das Parlament angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten zu einem Aufschub seiner Abstimmung auf und betonte, sie arbeite an einer politischen Lösung. Dies geschehe in enger Zusammenarbeit mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah, der vor kurzem einen Friedensplan vorgelegt hat, sagte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush. Kern des Plans ist die Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten, wenn es einen Staat Palästina an seiner Seite akzeptiere.

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