Schwere Vertrauenskrise
Finanzexperten sehen keine Alternative zum Neuen Markt

Auch nach Monaten der Talfahrt stellt der Neue Markt nach Ansicht von Experten ein wichtiges Instrument zur Finanzierung junger Wachstumsunternehmen dar.

Reuters FRANKFURT. "Ein richtig funktionierender Risikokapitalmarkt ist von entscheidender Bedeutung. Nur dann kann der Vorsprung auf den Weltmärkten verteidigt werden", sagte Parlamentarische Wirtschafts-Staatssekretärin Margareta Wolf (Grüne) am Montag auf einem Forum über die Perspektiven des Neuen Marktes in Frankfurt. Einig zeigten sich die Teilnehmer, dass das Vertrauen in das Wachstumssegment zurückgewonnen werden müsse. "Alternativen zum Neuen Markt gibt es nicht", sagte Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer.

Der Neue Markt befindet sich nach den Worten von Breuer in einer schweren Vertrauenskrise. "Die Lage des Neuen Marktes ist in der Tat ernst, aber nicht hoffnungslos", sagte Breuer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse AG ist. "Ich bin überzeugt, die Krise des Neuen Marktes ist temporär", ergänzte er. "Die Dauer der Krise ist Sache der Beteiligten." Es gebe keinen Anlass, den Neuen Markt als Institution in Frage zu stellen.

Mehr Transparenz

Aufgabe müsse es nun sein, dem deutschen Wachstumssegment eine reformierte Struktur zu geben, um es damit auf eine gesündere und tragfähigere Basis zu stellen, sagte Breuer weiter. Dabei müssten alle Beteiligten, wie Banken, Deutsche Börse und Unternehmen, einbezogen werden, um so dem Wachstumsmarkt wieder zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen. "Alternativen zum Neuen Markt gibt es nicht. Er hat eine zweite Chance nicht nur verdient, wir müssen sie ihm auch geben."

Breuer zufolge muss der Neue Markt Vorreiter für mehr Transparenz sein. Um dies zu gewährleisten, müssten Möglichkeiten geschaffen werden, die vorhandenen Gesetze besser durchsetzen zu können. Dies gebe Anlass darüber nachzudenken, ob nicht das derzeit öffentlich-rechtlich wie privatrechtlich organisierte Marktsegment auf eine rein öffentlich-rechtliche Basis gestellt werden solle. Damit könne die Durchschlagskraft der Beteiligten wie die Wertpapieraufsichtsbehörde erhöht werden. Die Banken müssten ihrerseits bei der Auswahl potenzieller Börsenkandidaten eine größere Sorgfalt walten lassen.

"Der Neuen Markt ist keine Handelsplattform für Start-Ups", sagte Breuer. Firmen, die dort gelistet sein wollen, sollten einen gewissen Reifegrad sowie ein plausibles Geschäftsmodell haben und in absehbarer Zukunft Gewinne vorweisen können. Der Börsensachverständige Wolfgang Gerke sieht den Neuen Markt als Verlängerung des Venture-Capital-Marktes. "Er bedeutet eine Chance, für junge Unternehmen Geld zu generieren", sagte Gerke.

Phase der selektiven Stabilisierung

Ein Anziehen der Kurse am Neuen Markt sollte nach Ansicht der Finanzexperten mit einer allgemeinen konjunkturellen Erholung einhergehen. "Es gibt Signale einer Besserung", sagte Breuer. Mit steigenden Kursen und einer Verschärfung des Regelwerks, sollte das Vertrauen der Anleger wieder zurückgewonnen werden können, sagte Staatssekretärin Wolf. Auch Gerke geht davon aus, das sich der Neue Markt mit Anziehen der Weltkonjunktur wieder erholen werde. Eine spekulative Blase werde nicht noch einmal entstehen, "sondern wir befinden uns in einer Phase der selektiven Stabilisierung", sagte Gerke.

Volker Potthoff, Vorstandsmitglieder der Deutschen Börse, warnte vor einer zu starken Reglementierung des Neuen Markts. Die Kapitalmärkte seien Märkte, die sich selbst regulierten, sagte Potthoff. "Der Markt bestimmt selbst, ob Aktien steigen, oder fallen." Allerdings sollten Regelwerksverstöße stärker geahndet werden. "Wo es schwarze Schafe gibt, muss zugegriffen werden", sagte Potthoff.

Der Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes fiel am Montag unter die Marke von 1 000 Punkte und markierte bei 987 Zählern ein Rekordtief. Auch der Nemax-All-Share-Index zeigte sich am Nachmittag deutlich schwächer und fiel zeitweise auf ein Jahrestief von 1 035 Zählern.

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